Adventskalender
Türchen 9: Das Mädchen Fajr aus Tubas mit dem osmanischen Schatz und dem blauen Gold

Die neunte von 24 Begegnungen auf dem Heiligen Pfad von Nazareth nach Bethlehem: Fajr lebt in Tubas neben der sandigen Steppe. Ihr Grossvater hat hier einst ein Pumpwerk gebaut, doch es leckt an vielen Orten. Zum Glück gibt's noch den osmanischen Schatz.

Samuel Schumacher
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Adventskalender_9_Fajr

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Samuel Schumacher

Am Rand des Weges, der an dem Wasserpumpwerk vorbeiführt, hat sich das Grün in die sandige Steppe zurückgekämpft.

Das Pumpwerk hat Fajrs Grossvater gebaut. Die rostigen Leitungen, die sich vom alten Gebäude her durch das Tal ziehen, haben viele kleine Lecks und speien das kostbare Wasser wie schnaubende Wale in die trockene Welt hinaus. Und dort, wo die Leitungen lecken, dort erblüht die Steppe.

Fajr versucht, eines der Lecks mit einem Steinbrocken abzudecken. Doch keine Chance. Die Leitung speit weiter, und Fajr stemmt die Hände in die Hüfte. Was kann man tun?

Viel Zukunft hat das Pumpwerk sowieso nicht. Das Grundwasser hier ist dramatisch gesunken, die alten Pumpen knattern auf dem letzten Zacken. Für Fajrs Familie ist das nicht so schlimm.

Ihr Grossvater war vor Jahren dabei, als sie die alte Strasse oben im Tal umgruben und dabei auf die Überreste eines Schatzes aus der Osmanenzeit stiessen. Die Familie ist damit reich geworden.

Den Menschen am anderen Ende der rostigen Leitung unten im Tal nützt der osmanische Fund allerdings nichts. Sie brauchen keinen Schatz, sie brauchen blaues Gold. Und das wird hier zusehends knapp.

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