Spielball der Grossmächte
Trump wollte Grönland kaufen: Das war konkret und sehr ernsthaft, wie sich jetzt zeigt

Die USA, Russland und China ringen um die Vormachtstellung in einer eisfreien Polarregion. Der verrückt klingende Plan des US-Präsidenten hat bis heute Auswirkungen.

Niels Anner, Kopenhagen
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Malerisches Dörfchen auf Grönland: Die Insel ist auch wegen ihrer Rohstoffe bei den Grossmächten begehrt.

Malerisches Dörfchen auf Grönland: Die Insel ist auch wegen ihrer Rohstoffe bei den Grossmächten begehrt.

Mads Pihl

Die Welt lachte ungläubig über eine scheinbar groteske Idee. Im Sommer 2019 forderte der damalige US-Präsident Donald Trump sein Team auf, einen «grossartigen Deal» zu prüfen: Den Kauf von Grönland mit seinen 56'000 Einwohnern. Die Regierung der grössten Insel der Welt, aber auch jene in Kopenhagen, die über die Aussenpolitik ihrer halbautonomen ehemaligen Kolonie bestimmt, wiesen den Plan erbost zurück. Worauf Trump kurzerhand einen geplanten Staatsbesuch in Dänemark absagte.

Der US-Präsident hatte gewohnt provoziert, strategisch einleuchtend. Er wollte auf die russische Aufrüstung in der Arktis reagieren, die die USA jahrelang verschlafen hatten. Moskau dagegen macht sich mit Militärbasen, neuen U-Booten und auch in Zusammenarbeit mit China in der Polarregion breit, wo abschmelzendes Eis neue Schiffsrouten und Bodenschätze freigibt.

Die USA haben zwar in Nordgrönland seit Jahrzehnten den für ihre Raketenabwehr zentralen Militärstützpunkt Thule. Doch Grönland ist schlecht geschützt: Dänemark rüstet erst langsam auf, und auch dies vor allem auf Druck der USA. Joe Biden wird an dieser Politik festhalten.

Rohstoffe für Handys, Kampfjets und Windturbinen

Doch Trump hatte einen weiteren handfesten Grund für den Kauf: Rohstoffe. Wie man jetzt weiss, hat er die Idee womöglich von einem australischen Minen-Industriellen erhalten. Greg Barnes hielt, kurz bevor Trump seinen Deal vorschlug, vor Vertretern mehrere US-Ministerien einen Vortrag über die enormen Vorkommen seltener Erden in Grönland. Das sind jene Metalle, die für Technologie in Handys, Elektroautos, Windturbinen, Waffensystemen und Kampfjets benötigt werden – und deren weltweite Produktion China zu 80 Prozent kontrolliert. Barnes erklärte, man könnte mit Minen in Grönland das Monopol des asiatischen Rivalen brechen, was bei Trump dem Vernehmen nach Begeisterung auslöste.

Als Grönland diese Woche eine neue Regierung wählte, spielten Rohstoffe und Grossmächte wieder eine Rolle. Ein wichtiger Streitpunkt der Wahl war nämlich ein Minenprojekt in Südgrönland, wo laut Geologen die weltweit grössten Vorkommen an seltenen Erden zu finden sind. Um diese zu fördern, müsste allerdings auch radioaktives Uran abgebaut werden. Eine Mehrheit in Grönland lehnt dies ab: Man befürchtet Umweltverschmutzung in einer Gegend, in der Schafzucht, Fischfang und Tourismus wichtig sind.

Die Befürworter hoffen auf Millionen – und auf Unabhängigkeit

Für die Befürworter der Mine sind die Risiken allerdings akzeptabel – weil sie sich Millionengewinne durch Steuern und Arbeitsplätze erhoffen, und damit eine wirtschaftliche Chance, um einst von Dänemark unabhängig zu werden. Das Mutterland trägt heute rund die Hälfte des grönländischen Budgets. Die Minengegner sind nicht gegen Unabhängigkeit, auch nicht gegen Minen an sich, aber gegen Uran – und sie gewannen die Wahl deutlich. Das Minenprojekt sei damit am Ende, machte der Präsident der neu grössten, linken Partei Inuit Ataqatigiit klar.

Den USA und Dänemark kommt dies nicht ungelegen: Denn die Rechte am Projekt besitzt eine australische Firma, die zu zehn Prozent einem chinesischen Unternehmen gehört. Gleichzeitig reibt sich Greg Barnes die Hände: Auch er will mit einer australischen Firma eine Mine in Grönland eröffnen – aber an einem anderen Ort, wo es kein Uran-Problem gibt. Dabei kann er auch auf amerikanische Investitionen hoffen.

Die USA versuchen es in Grönland weiter mit Geld, aber jetzt mit mehr Charme. Sie bieten Handelsmöglichkeiten an, Englischkurse sowie Stipendien für Studierende – mit Erfolg. Denn Grönland lehnt lohnende Kooperationen keineswegs ab. Der Wunsch nach Unabhängigkeit erfordert Partner, und nicht wenige Grönländer sehen da lieber die USA als die ehemalige Kolonialmacht Dänemark.

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