Saudi-Arabien
Sie kämpfte für die Aufhebung des Fahrverbots für Frauen - jetzt wirft sie der Kronprinz ins Gefängnis

Loujain al-Hathloul wurde international bekannt, als sie sich - erfolgreich - für die Aufhebung des Frauenfahrverbote in Saudi-Arabien einsetzte. Jetzt wurde sie zu einer langen Haftstrafte verurteilt.

Michael Wrase aus Limassol
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Die Frauenrechts-Aktivistin Loujain al-Hathloul in ihrem Auto auf der Fahrt von Saudi-Arabien nach Dubai. (Screenshot einer Videoaufnahme von 2014.)

Die Frauenrechts-Aktivistin Loujain al-Hathloul in ihrem Auto auf der Fahrt von Saudi-Arabien nach Dubai. (Screenshot einer Videoaufnahme von 2014.)

Keystone

Als «Verräterin» und «Spionin der westlichen Botschaften» war Loujain al-Hathloul von den saudischen Staatsmedien verunglimpft worden, als sie zusammen mit anderen Aktivistinnen im Mai 2018 verhaftet wurde. Die Frauenrechtlerin habe versucht, die saudische Gesellschaft mit der Unterstützung von Terroristen zu destabilisieren, behauptete die Justiz des Wüstenkönigreiches damals.

Tatsächlich hatte die 30-jährige Akademikerin nichts anderes getan, als auf Youtube ein Plädoyer zur vier Jahre später erfolgten Aufhebung des Frauenfahrverbotes in ihrem Land zu verbreiten.

Durch das im Herbst 2014 verbreitete Video war Loujain al-Hathloul weltberühmt geworden. Mohammed bin Salman, kurz MBS, der narzisstische Kronprinz und de facto Herrscher des Landes, betrachtete die couragierte Frau offenbar als eine Gefahr für die absolute Monarchie. Reformen werden hier von oben gemacht und nicht von der Basis, von Aktivistinnen wie al-Hathloul, eingefordert.

Abschreckendes Exempel für «Abtrünnige»

Nach der vermutlich von ihm selbst angeordneten Ermordung des Dissidenten Jamal Khashoggi im saudischen Konsulat von Istanbul im Oktober 2018 entschloss sich MBS daher erneut, ein für sogenannte «Abtrünnige» abschreckendes Exempel zu statuieren. Er forderte die für Weisungen des Königshauses empfänglichen Richter auf, Loujain al-Hathloul zu einer möglichst harten Strafe zu verurteilen. Fünf Jahre und acht Monate lautete nun ihr Urteil.

Die Frauenrechtlerin, hiess es am Montag in der Begründung des Sondertribunals für Terrorismus, habe zum Aufruhr angestachelt sowie zu einer Veränderung des politischen Systems – mit anderen Worten: zum Sturz der Monarchie – aufgerufen. Ausserdem soll al-Hathloul im Netz mit «Terroristen» und «Abweichlern» kommuniziert haben.

Im Gefängnis gefoltert und sexuell missbraucht

Im Gefängnis von Riad ist Loujain nach Aussagen ihrer Schwester Lina mit Schlägen und Elektroschocks gefoltert sowie sexuell missbraucht worden. Verantwortlich für die schweren Misshandlungen war nach Erkenntnissen der amerikanischen Menschenrechtsaktivistin Reem Abdellatif der MBS-Berater Saud al Qathani. Er soll nach Berichten der türkischen Justiz auch die Ermordung von Jamal Khashoggi vorbereitet, per Skype überwacht und den Dissidenten vor seinem entsetzlichen Tod auf das übelste beschimpft haben.

Die Verurteilung von Loujain al-Hathloul hat in den sozialen Medien einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Saudische Aktivisten verlangten unter ihren Pseudonymen die sofortige Freilassung der Frauenrechtlerin und forderten die EU und die USA auf, massiven Druck auf das Königshaus auszuüben. «Die freie demokratische Welt», hiess es, dürfe jetzt nicht wegschauen. Die Gelegenheit sei jetzt günstig, den saudischen Thronfolger für seine Verfehlungen zur Rechenschaft zu ziehen.