Ukraine
Russland will wissen, was CIA-Direktor in Kiew wollte – und testet Rakete

Russland wirft dem Westen in der Krise um die Ukraine Scheinheiligkeit vor. Weiter warnte Aussenminister Lawrow vor dem Einsatz von Gewalt gegen die Separatisten. Die russische Armee testete unterdessen eine atomar bestückbare Interkontinentalrakete.

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Russlands Aussenminister Sergej Lawrow.

Russlands Aussenminister Sergej Lawrow.

Keystone

Der russische Aussenminister Sergej Lawrow will wissen, warum der Direktor des US-Geheimdienstes CIA in Kiew war. Dass CIA-Chef John Brennan am Wochenende die ukrainische Hauptstadt besucht habe, behaupten zumindest russische Medien. "Bisher wurde uns keine vernünftige Erklärung dafür gegeben", sagte Lawrow am Montag.

EU gibt eine Milliarde für Ukraine frei

Die Europäische Union hat eine Milliarde Euro als Finanzhilfe für die Ukraine freigegeben. Die EU-Aussenminister beschlossen am Montag in Luxemburg ausserdem, fast sämtliche Zölle für Waren aus der Ukraine zu streichen.

Lawrow warf dem Westen "grenzenlose Scheinheiligkeit" in seiner Haltung zu den aktuellen Ereignissen in der Ukraine vor. "Wir können uns daran erinnern, als die Gewalt auf dem Maidan, die mit dutzenden und dutzenden Toten endete, Demokratie genannt wurde, während die aktuellen friedlichen Proteste im Südosten der Ukraine Terrorismus genannt werden", sagte Lawrow am Montag in Moskau.

"Diese Scheinheiligkeit sprengt jeden Rahmen." Russland fordere vom Westen seit langem eine "adäquate Reaktion", sagte Lawrow weiter. Er warnte vor dem Einsatz von Gewalt gegen die Proteste im Osten der Ukraine. "Wir haben klar gesagt, dass der Einsatz von Gewalt gegen die Demonstranten ernsthaft die Perspektiven einer Kooperation zur Beilegung der ukrainischen Krise in Frage stellen würde", sagte der Minister.

Auf dem Kiewer Unabhängigkeitsplatz (Maidan) waren die monatelangen Proteste der vom Westen unterstützten pro-europäischen Opposition gegen Präsident Viktor Janukowitsch im Februar in blutige Strassenschlachten umgeschlagen. Bei den Kämpfen zwischen bewaffneten Gruppen wie dem rech tsradikalen Prawy Sektor und den Sicherheitskräften wurden rund hundert Menschen getötet, bevor Janukowitsch Ende Februar gestürzt wurde. Russland warf dem Westen damals vor, gewaltbereite "Faschisten" zu unterstützen.

Test von Interkontinentalrakete

Unterdessen hat die russische Armee eine mit Nuklearsprengköpfen bestückbare Interkontinentalrakete vom Typ RS-24 getestet. Die Rakete sei von einer mobilen Rampe auf dem nordrussischen Weltraumbahnhof Plessezk abgefeuert worden, sagte der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Igor Jegorow, der Agentur Interfax.

Wenig später sei das Geschoss rund 9000 Kilometer entfernt auf dem Truppenübungsgelände Kura der fernöstlichen Halbinsel Kamtschatka eingeschlagen.Ziel sei es gewesen, die Verlässlichkeit der Technik zu prüfen, sagte Jegorow.

Die neue Rakete solle die militärische Schlagkraft Russlands sowie die Sicherheit des Landes und seiner Verbündeten erhöhen, hiess es. Vor allem sei das Geschoss aber dazu gedacht, die von den USA geplante Raketenabwehr in Europa zu umgehen.

Die RS-24 Jars (Nato-Code: SS-27 Mod-2) soll einen veralteten Typ von Topol-Raketen ersetzen. Experten sehen in den wiederholten Raketentests im Ukraine-Konflikt auch Machtdemonstrationen Moskaus. (sda)