Auswanderer
Roger Furrer: «Da merkte ich, Fidel war ein verdammter Popstar»

Der Schweizer Roger Furrer zog mit der Familie im letzten Juni aus – von Regensdorf ZH nach Havanna. Für ein Jahr, dachte er. Nun muss er länger bleiben.

Max Dohner
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Der Zürcher Roger Furrer mit seiner Familie in Havanna.

Der Zürcher Roger Furrer mit seiner Familie in Havanna.

Picasa

Auf dem Tisch liegen Kambly und Leckerli. Roger Furrer gehts wie vielen Auslandschweizern: Von allen Organen hat die Zunge am längsten Heimweh. Auch für Wein und Olivenöl ist er dankbar.

Furrers Wohnung in Miramar, Havannas schickstem Viertel, ist ein Bienenhaus: Staff, Musiker, Fotografen, örtliche Vermittler gehen ein und aus. Furrer beklagt den Stress. Insgeheim aber verzehrt er sich weit mehr danach als nach Kambly. Für den Chef von «Caliente», dem grössten Latino-Festival Europas, sind Musikveranstaltungen in immer wieder neuen Ländern und Formen Lebenselixier.

Seit Jahren ist Furrer in Kuba präsent; es war nur konsequent, da auch mal hinzuziehen. Furrer erlebte noch Zeiten, als Fidel fit war. 1992, auf der Tribüne der internationalen Jugendversammlung sitzend, schüttelte ihm der Comandante die Hand, um dann alle in den Bann zu schlagen, obwohl er mehrere Stunden lang redete. «Da merkte man», sagt Furrer: «Fidel war ein verdammter Popstar.»

Das Leben in Havanna geniessen vor allem Furrers Söhne Steve und Neil. Ihre Privatschule ist Ausländern vorbehalten. Auch der Wohnblock, wo Furrers für 1500 Dollar Miete monatlich wohnen. Inklusive TV mit sechzig Kanälen und Internet, Letzteres sterbens-langsam.

Kuba bietet Ausländern ein gutes Leben, sofern man es sich leisten und problemlos ein- und ausreisen kann. Dank einer Kooperation mit «Edelweiss», die Havanna nonstop anfliegt, kann Furrer häufig zwischen beiden Heimaten pendeln (dasselbe Agreement ermöglichte auch uns diese Stippvisite). Zwar überlegte Furrer, der Kosten wegen sich ab Juni anderswo in der Karibik niederzulassen. Aber der Familie gefällt es zu gut; Furrer muss, mitnichten widerwillig, verlängern.

Am Abend hat er wieder genau jenen «Stress», den er liebt. An seinem «Caliente» in Havanna: Ein Gratiskonzert, das er den Leuten im Quartier Romerillo offeriert. Auf der Bühne hängt eine Schweizer Fahne; die Botschaft in Havanna stellte sie zur Verfügung.