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Prozess gegen Epstein-Freundin: Muss Prinz Andrew jetzt zittern?

Heute beginnt das Gerichtsverfahren gegen Ghislaine Maxwell. Es dürfte lange dauern.

Renzo Ruf, Washington
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Ghislaine Maxwell, früher mal Klimaschützerin, steht vor schwierigen Zeiten.

Ghislaine Maxwell, früher mal Klimaschützerin, steht vor schwierigen Zeiten.

Sie will von nichts gewusst haben. Wenn heute vor einem Bundesgericht in New York der Prozess gegen Ghislaine Maxwell beginnt, dann wird die 59-Jährige sämtliche Mitverantwortung für die Verbrechen abstreiten, die ihr langjähriger Weggefährte Jeffrey Epstein begangen hatte.

Der schwerreiche Financier, der sich nach seiner Verhaftung 2019 in einem New Yorker Gefängnis mutmasslich das Leben nahm, ist bereits 2008 wegen sexuellen Missbrauchs einer 14-Jährigen verurteilt worden. Die Strafbehörden vermuten, dass Epstein Dutzende, wenn nicht gar Hunderte Mädchen missbraucht haben soll. Ghis­laine Maxwell soll die Mädchen rekrutiert haben.

Doch Maxwell, die Tochter des verstorbenen britischen Pressebarons Robert Maxwell, streitet alles ab. Sie sagt über Epstein: «Ich war mir nicht bewusst, dass er sexuelle Aktivitäten mit jemand anderem als mir hatte.» Ihre Verteidigung wird den Opfern vorwerfen, sich falsch zu erinnern.

Verfahren dient als Stellvertreter-Prozess

Die New Yorker Ankläger aber werfen ihr vor, zwischen 1994 und 1997 als Epsteins Zuhälterin gedient zu haben. Zu diesem Zeitpunkt war sie nicht nur seine Freundin, sondern diente ihm auch als ein Art Stabschefin. Maxwell plädiert auf «nicht schuldig». Im Falle einer Verurteilung droht ihr eine Gefängnisstrafe von bis zu 80 Jahren.

Der Prozess gegen Maxwell sorgt aus zwei Gründen für ein grosses mediales Interesse.

Erstens dient das Verfahren als Stellvertreter-Prozess gegen den verstorbenen Sexualverbrecher Epstein selbst, zumindest in den Augen der Opfer. Der 66-jährige Epstein war am 6. Juli 2019 nach der Landung seines Privatjets in New Jersey verhaftet worden. Einen Monat später nahm er sich in seiner Gefängniszelle in New York das Leben. Für die zahlreichen Sexualverbrechen, die er in den Jahren zuvor in seinen Anwesen (darunter ein stattliches Haus in New York City, eine Ranch in New Mexico, eine Villa in Palm Beach und eine Privatinsel in der Karibik) begangen haben soll, wurde er nie vollständig belangt.

Epsteins mächtige Freunde bleiben verschont – vorerst

Eine Verurteilung von Maxwell, die als mutmassliche Mittäterin bestens über die niederträchtigen Taten ihres Ex-Partners informiert war, wäre aus Sicht der zahlreichen Opfer mindestens eine kleine Genugtuung.

Zweitens erhoffen sich viele, im Laufe des Prozesses mehr über Epstein zu erfahren. Er umgab sich mit den Mächtigen dieser Welt – Menschen wie Bill Clinton, Donald Trump, Prinz Andrew oder Bill Gates. Ob diese High-Society-Bekannten des Financiers Kenntnisse von dessen Straftaten hatten oder gar daran mitwirkten, ist eine der unbeantworteten Fragen in der Akte Epstein.

In Europa richtet sich der Fokus des öffentlichen Interesses naturgemäss auf Prinz Andrew, den zweitältesten Sohn von Königin Elisabeth II. Er steht im Verdacht, im Haus von Epstein ein Mädchen vergewaltigt zu haben.

Andrew weist diesen Vorwurf entschieden zurück. Und weil sich die Anklage auf den Zeitpunkt 1994 bis 1997 bezieht und Maxwell den britischen Prinzen erst im Jahr 1999 Ep­stein vorgestellt haben soll, wird dieses Verfahren wohl kein Licht in die Verwicklungen des britischen Königshauses in den Ep­stein-Skandal bringen.

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