Elyséé
Präsident François Hollande versteigert Teile seines Weinkellers

Um Geld in die klamme Staatskasse zu spülen, versteigert der Elysée-Palast 1200 Flaschen kostbaren Weins. Die Franzosen sind empört.

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Mit der Plünderung des Elyséé-Weinkellers macht sich Hollande in Frankreich nicht unbedingt beliebter. (Archiv)

Mit der Plünderung des Elyséé-Weinkellers macht sich Hollande in Frankreich nicht unbedingt beliebter. (Archiv)

Keystone

Was tut man nicht alles, um Geld in die leere Staatskasse zu spülen. Steuererhöhungen und Reichensteuer sind das eine. Doch Frankreichs Präsident François Hollande hat auch kreative Ideen: Am 30. und 31. Mai werden 1200 der 12 000 Flaschen aus dem Weinkeller des Elysée versteigert.

Offiziell dient die Auktion dazu, Platz im Weinkeller zu schaffen, der 1947 vom sozialistischen Präsidenten Vincent Auriol etabliert worden war. Ein Elysée-Sprecher gab aber zu, dass es inoffiziell auch darum geht, die Staatsfinanzen zu sanieren - zumindest ein wenig. Denn alle Einnahmen über 250 000 Euro sollen in den Staatshaushalt fliessen.

Dieses Ziel ist gar nicht so abwegig. Neben Flaschen ab 15 Euro sind nämlich auch Grands Crus à la Château-Petrus und Romanée-Conti im Angebot. Weine, die bei anderen Auktionen auch schon mal für 5000 Euro weg gingen - pro Flasche natürlich.

«Frankreich nicht mehr Frankreich»

Ob Hollande sich ein Vorbild an seinem sozialistischen Parteifreund Bertrand Delanoe genommen hat? Der versteigerte 2006 als Bürgermeister von Paris 5000 Flaschen, die sein bürgerlicher Vorgänger Jacques Chirac im Rathaus angesammelt hatte. Ertrag: fast eine Million Euro.

Vielleicht liess sich der französische Präsident aber auch von der britischen Regierung inspirieren. Sie versteigerte im März 54 ihrer besten Flaschen und nahm ebenfalls fast eine Million Euro ein. Die Briten störten sich kaum an der Verhökerung des Staatsweines. Anders die Franzosen: Für sie ist Wein ein Kulturgut und Teil ihrer nationalen Identität. Kein Wunder macht die Weinversteigerung Hollande noch unpopulärer, als er ohnehin schon ist: «Wenn im Elysée kein Petrus mehr angeboten wird, ist Frankreich nicht mehr Frankreich», twitterte ein erboster Citoyen. (He.)

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