Pandemie
Ungeimpfte müssen draussen bleiben: Diese verschärften Coronaregeln gelten seit Montag in Österreich

Ungeimpften Personen stehen praktisch nur noch Job und Handel offen. Der Zutritt zu allen anderen Bereichen bleibt ihnen verwehrt.

Stefan Schocher, Wien
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Grosser Andrang vor einem Impfzentrum in Österreich am Samstag.

Grosser Andrang vor einem Impfzentrum in Österreich am Samstag.

Keystone

Die neuen Regelungen waren gerade einmal beschlossen, da begann sich am Samstagmorgen etwas zu regen in Österreich: Massiver Andrang bei lange verwaisten Impfboxen, vermehrter Andrang aber auch nach wie vor bei den Testzentren. Bei den Laboren und der Informationsverarbeitung herrschte zeitweilig Chaos.

Für Ungeimpfte wird es eng in Österreich. Und das sind viele. Gerade einmal 64 Prozent der Österreicher sind geimpft – Tendenz: stagnierend. Zuletzt gab es in diesen Zahlen praktisch keine Bewegung mehr.

Von fast allen Lebensbereichen ausgeschlossen

Was die explodierenden Infektionszahlen und auch die bereits bedrohlich werdende Belegung von Intensiv-Betten nicht vermocht haben auszurichten, könnte nun also der verwehrte Zugang zum Stammwirt bewerkstelligt haben: Denn seit Montag sind die neuen Regelungen in Kraft getreten, die ungeimpfte Personen aus fast allen Lebensbereichen ausschliessen.

Es gilt: Zutritt nur für Geimpfte und Genesene zu Gastronomie, Kultur, Freizeitbereich, körpernahen Dienstleistungen sowie Veranstaltungen ab einer Teilnehmerzahl von 25 Personen. Und das gilt für sämtliche Personen, für die eine reguläre Impfmöglichkeit besteht. Also alle über 12 Jahre. Der zeitliche Horizont, wie ihn die Regierung am Sonntag umriss: Über Weihnachten und Silvester hinaus.

Nur noch zum Einkaufen gehts ohne Covid-Test - für fast alle weiteren gesellschaftlichen Aktivitäten muss man in Österreich ab diesem Montag geimpft sein.

Nur noch zum Einkaufen gehts ohne Covid-Test - für fast alle weiteren gesellschaftlichen Aktivitäten muss man in Österreich ab diesem Montag geimpft sein.

Photonews.at/Georges Schneider / www.imago-images.de

PCR-Tests bei der Arbeit bald obligatorisch

Unter dem Strich bedeuten die neuen Regeln also: Mit einem negativen Test kommt man praktisch nur noch in Geschäfte und an den Arbeitsplatz. Aber auch da wird es eng. Auch bei der Arbeit gilt seit Anfang November: An den Dienstort darf nur, wer getestet, genesen oder geimpft ist. Ausserdem sollen ab Mitte des Monats am Arbeitsplatz nur mehr PCR-Tests anerkannt werden. Das PCR-Testangebot aber ist bei weitem nicht in allen Regionen flächendeckend.

Dieser faktische Lockdown für Ungeimpfte war ein Schritt, der für österreichische Verhältnisse überraschend lautlos vollzogen wurde. Glich das Feilschen um Regelungen zwischen Bundesregierung und Ländern bisher einem Ringen um ein Mindestmass an Einschränkungen, so war man sich diesmal eigentlich schon vorab einig. Der Grund: Die Intensität der vierten Welle stellt die desaströse zweite Welle vor genau einem Jahr bereits vollends in den Schatten – ohne Aussicht auf sinkende Zahlen oder auch nur eine Abschwächung des Wachstums. Die Inzidenz liegt aktuell (Stand Sonntag) bei 566, während sie in den Problemregionen Salzburg und Oberösterreich auf die 900 zugeht – die beiden Länder haben die österreichweit niedrigste Durchimpfungsrate.

Angesichts dessen war zuletzt ein Wort wieder immer öfter gefallen, das kein politischer Entscheidungsträger mehr so wirklich in den Mund nehmen will: Lockdown. Es war Vizekanzler Werner Kogler (Grüne), der in einem TV-Interview am Sonntag Stellung bezog: Er wolle «keine Gespenster beschwören», doch «regional können zusätzliche Massnahmen gesetzt werden», sagte er. Solche regionalen Lockdowns wären allerdings nur die «allerletzte Konsequenz». Allerdings sei jeder ein «Scharlatan», der behaupte, die Zukunft «hundertprozentig» prognostizieren zu können.

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