Pandemie
Der General mit der Spritze: Dieser Gebirgsjäger soll Italiens Impf-Kampagne durchsetzen

Regierungschef Mario Draghi Kampagne daheim hat Rom derweil einem Gebirgsjäger anvertraut.

Dominik Straub, Rom
Drucken
Teilen
Francesco Paolo Figliuolo wie man ihn in Italien kennt: In Uniform. Der General soll die Impf-Kampagne durchsetzen.

Francesco Paolo Figliuolo wie man ihn in Italien kennt: In Uniform. Der General soll die Impf-Kampagne durchsetzen.

Samantha Zucchi Insidefoto / www.imago-images.de

Seit Regierungschef Mario Draghi die Einführung einer allgemeinen Impfpflicht angekündigt - oder vielmehr angedroht - hat, ist eines klar: General Francesco Paolo Figliuolo wird die Arbeit nicht so schnell ausgehen. Denn nun liegt es an ihm, dass das umstrittene Szenario nicht eintreffen wird: Falls es dem «Covid-Sonderkommissar» - so Figliuolos offizielle Funktionsbezeichnung - gelingt, bis Mitte Oktober in Italien eine Durchimpfungsquote von über 90 Prozent zu erreichen, dann ist die Impfpflicht, Herden-Immunität sei Dank, wohl vom Tisch.

Figliuolo hat in den acht Monaten als Impf-Chef Italiens ganze Arbeit geleistet: Landesweit sind inzwischen 78,5 Millionen Impfdosen verabreicht worden, 71 Prozent aller über 12-jährigen Italiener haben den Impfzyklus abgeschlossen.

Sturmgewehr gegen Nadel getauscht

Die Verteilung von Dutzenden Millionen Impfdosen hat viel mit Logistik zu tun - und in der Tat war der Süditaliener Figliuolo bis zu seiner Ernennung durch Draghi Logistik-Kommandant der italienischen Streitkräfte. Der Gebirgsjäger hatte unter anderem die Isaf-Truppen der Nato im Kosovo und das italienische Kontingent in Afghanistan kommandiert.

Als Covid-Sonderkommissar hat er, im übertragenen Sinn, das Sturmgewehr der Gebirgsjäger gegen die Impf-Spritze eingetauscht. Figliuolo unterstreicht die Militarisierung der Impfkampagne dadurch, dass er konsequent nur in Uniform auftritt - mal im grauen Dienstanzug mit Dutzenden von Orden auf der Brust, mal im Kampfanzug in Tarnfarben.

Figliuolo ist Soldat durch und durch - und Demokrat: Als er beim Besuch eines Impfzentrums in Turin von einer Gruppe militanter Impfgegnern beschimpft wurde, erklärte er gelassen, dass der Protest schon in Ordnung sei - «wir leben in einem freien Land.»

Aktuelle Nachrichten