Österreich
«Zutiefst schockiert und betroffen»: Kanzler Sebastian Kurz verurteilt den Mord an einer 13-Jährigen

Ein «barbarisches» Verbrechen erschüttert derzeit Österreich: Der Mord an einer Teenagerin lässt die Asyl-Debatte hochkochen.

Stefan Schocher, Wien
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«Zutiefst schockiert»: Kanzler Sebastian Kurz.

«Zutiefst schockiert»: Kanzler Sebastian Kurz.

APA/ Hans Punz/ Keystone

An einen Baum hatten ihre Mörder sie gelehnt. Und so war sie gefunden worden in den Morgenstunden des vergangenen Samstag: Geschlagen, erstickt, tot, abgelegt auf einem Grünstreifen zwischen Fahrbahnen. 13 Jahre war sie jung, gerade einmal ein Teenager. Es war der 15. Frauenmord in Österreich alleine in diesem Jahr. Österreich ist das einzige Land Europas, in dem mehr Frauen ermordet werden als Männer.

Es ist eine Serie, die bereits zuvor Politik und Zivilgesellschaft auf den Plan gerufen hatte. Mit dem Mord an dem Mädchen aber hat die Debatte mit einem Schlag eine neue Note bekommen. Bisher war die Serie an Morden in keiner Weise festzumachen in sozialen Gruppen, Milieus oder kulturellen Kreisen. In den meisten Fällen waren es Ex-Partner oder Lebensgefährten, die der Taten verdächtigt werden. Jetzt aber werden zwei Afghanen des Mordes an der 13-Jährigen verdächtigt. Einer davon ist in anderer Sache bereits Verurteilt und sollte abgeschoben werden.

Kanzler schliesst Abschiebestopp aus

Für diesen Donnerstag hat Kanzleramtsministerin Karoline Edtstadler nun zu einem Runden Tisch mit Experten geladen. Ausgehend von diesem «barbarischen Mord» wolle man allgemein schauen, was schief laufe, so Edtstadler. Es gehe darum, Frauen und Jugendliche zu schützen. Es gehe aber auch darum, inwieweit bei manchen Flüchtlingen Integration überhaupt möglich sei. «Menschen, die von uns Schutz wollen und unsere Werte mit Füssen treten und das auch noch in Taten zum Ausdruck bringen, haben bei uns nichts verloren», sagte sie.

Zuvor sagte Kanzler Sebastian Kurz, er sei «zutiefst schockiert und betroffen von der grausamen Tat». Und Kurz erklärte weiter: «Einen Abschiebestopp nach Afghanistan wird es mit mir nicht geben.» Dass Kurz das Thema Ausländer und Abschiebungen jetzt aufnimmt, kommt nicht von ungefähr. Bereits in den vergangenen Wochen hatte seine ÖVP das Thema zunehmend vorangetrieben.

Verlagert sich die Debatte nun auf das Asylwesen?

Experten Befürchten jetzt, dass mit dem Asyl-Thema die Gewaltdebatte in den Hintergrund gerät. So macht die Psychiaterin Adelheid Kastner ein ganzes «Konvolut an Gründen» hinter der Mordserie aus. Vor allem: «Eine nach wie vor sehr traditionelle Haltung was Rollenbilder angeht.» Und das ziehe sich durch die gesamte Gesellschaft. Die Morde, so sagt sie, seien daher auch «kein klassisches Unterschichtphänomen».

Die politischen Ergebnisse der Gewalt-Debatte bleiben bislang dürftig. Der Gewaltschutz erhält zusätzliche 24,6 Millionen Euro. Das allerdings ist weit weniger, als von Gewaltschutzeinrichtungen eingemahnt.

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