«Truth Social»
Weil er gesperrt ist: Donald Trump gründet sein eigenes Twitter

Donald Trump gründet eine Social Media-Plattform, auf der angeblich offen und frei diskutiert werden könne. Online gehen soll das Unterfangen im nächsten Jahr. Das Startkapital liefert ein Finanzvehikel, an dessen Spitze ein weitgehend unbekannter Geschäftsmann steht.

Renzo Ruf, Washington
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Der ehemalige amerikanische Präsident Donald Trump will auf «TRUTH Social», einem neuen Sozialen Netzwerk, bald wieder Neuigkeiten verbreiten.

Der ehemalige amerikanische Präsident Donald Trump will auf «TRUTH Social», einem neuen Sozialen Netzwerk, bald wieder Neuigkeiten verbreiten.

Alex Brandon / AP

Überraschende Neuigkeit aus Palm Beach, dem neuen Wohnsitz von Donald Trump. Am Mittwoch gab der abgewählte US-Präsident – der bei der nächsten Wahl im Jahr 2024 mit einem Comeback liebäugelt – die Gründung einer neuen Medienfirma bekannt. Das Vehikel heisst Trump Media & Technology Group und soll, so jedenfalls ist es in einer Pressemitteilung nachzulesen, eine Alternative zu «linken Medienkonsortien» und zur «Tyrannei von Big Tech» bieten.

Das Aushängeschild von TMTG, wie die Firma heissen soll, soll ein Twitter-Konkurrent mit dem Namen «Truth Social» werden, der im ersten Quartal 2022 online gehen könnte. «Truth» ist das englische Wort für Wahrheit und auf dem neuen sozialen Netzwerk sollen künftig «offene, freie, und ehrliche globale Konversationen ohne Diskriminierung von politische Ideologien» stattfinden.

Will heissen: Trump, der von grossen Online-Plattformen wie Facebook und Twitter nach Verstössen gegen die jeweiligen Spielregeln verbannt worden ist, will seine Anhängerinnen und Anhänger auf einer neuen Plattform um sich scharen. In einem späteren Schritt ist auch die Gründung eines Streaming-Dienst (TMTG+) und einer Nachrichtenplattform (TMTG News) geplant.

Der abgewählte Präsident als Kopf der neuen Firma

Trump amtiert als Chairman der neuen Firma; dieser Posten entspricht in etwa einem Verwaltungsratspräsidenten in der Schweiz. Wer die Geschäftsführung übernehmen wird, gab TMTG vorerst nicht bekannt – obwohl sich das neue Unternehmen doch bereits als Konkurrent von Netflix oder dem Nachrichtensender Fox News Channel präsentiert.

Das neue Trump-Medienunternehmen sieht sich bereits als Konkurrent von Twitter, Facebook, Netflix und CNN.

Das neue Trump-Medienunternehmen sieht sich bereits als Konkurrent von Twitter, Facebook, Netflix und CNN.

zvg

Als eigentlicher Geldgeber des Unternehmens agiert ein Finanzvehikel mit dem Namen Digital World Acquisition Corp (DWAC), deren Aktien seit vorigem Monat an der Technologiebörse Nasdaq gehandelt werden. Das Interesse an diesem Papier, das sich seit dem Börsengang in Grenzen gehalten hatte, nahm am Donnerstag massiv zu. Im frühen Handel explodierte der Kurs der DWAC-Aktie um zwischenzeitlich mehr als 90 Prozent.

Bei der Firma mit dem sperrigen Namen Digital World Acquisition Corp. handelt es sich um eine SPAC (Special Purpose Acquisition Company). Solche Vehikel sammeln über einen Börsengang Geld von Investoren ein, um dieses Kapital anschliessend in andere Unternehmen zu stecken. Nach eigenen Angaben könnte DWAC-Gründer Patrick Orlando nötigenfalls bis zu 293 Millionen Dollar in das neue Trump-Vehikel buttern. Im Gegenzug fusionieren TMTG und DWAC zu einer Firma, die angeblich einen Wert von 1,7 Milliarden Dollar haben werde. Weitere Zahlen, wie zum Beispiel zum Umsatz der neuen Firma, gab das Unternehmen nicht bekannt.

Orlando, ein 49 Jahre alter Unternehmer aus Florida, ist bisher ein weitgehend unbeschriebenes Blatt. Aus Unterlagen der Börsenaufsicht SEC geht hervor, dass der DWAC-Grossaktionär sich in Florida auf die Gründung und Leitung von SPAC spezialisiert hat. Früher war er als Derivate-Händler für die Deutsche Bank tätig, die einstige Hausbank Trumps. Als DWAC-Finanzchef amtiert Luiz Philippe de Orleans e Bragança (53). Der Brasilianer ist zugleich auch Abgeordneter der Partei des umstrittenen Präsidenten Jair Bolsonaro im nationalen Parlament.

Mit einem «Blog» scheiterte Trump im Frühjahr

In der TMTG-Pressemitteilung kündigt der 45. Präsident an, dass er selbst Nutzer von «Truth Social» sein werde und er sich bereits über seine erste Nachricht freue, die im Sprachgebrauch des neuen Netzes «Truth» heissen wird. Trumps letzter Ausflug in die Welt der «Social Media» ging übrigens gründlich schief. Nach seinem Auszug aus dem Weissen Haus rief der 45. US-Präsident eine neue Plattform ins Leben, ein Blog mit dem Namen «From the Desk of Donald J. Trump». Nach einem Monat musste das Experiment im Juni bereits wieder eingestellt werden.

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