Mysteriöser Fall
Hat ein Riesentintenfisch vier Kilometer Seekabel geklaut? Oder waren es die Russen?

In Nordnorwegen ist ein wichtiges Tiefseekabel spurlos verschwunden. Forscher und Geheimdienst stehen vor einem Rätsel.

Niels Anner, Kopenhagen
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Ein Riesentintenfisch kann 20 Meter gross werden und ist kräftig genug, ein Unterwasserkabel herauszureissen. Nur: Warum sollte er?

Ein Riesentintenfisch kann 20 Meter gross werden und ist kräftig genug, ein Unterwasserkabel herauszureissen. Nur: Warum sollte er?

Keystone

Es sei wie bei der Leuchtgirlande am Christbaum, sagt Sisse Rogne, Direktorin des norwegischen Meeresforschungsinstituts: «Entfernt man eine Birne, geht das Licht aus.» Vor der nordnorwegischen Inselgruppe Vesterålen sind auf dem Meeresgrund vier Kilometer Seekabel verschwunden – und damit brach ein riesiges Sensor-Netzwerk zusammen. Jetzt rätseln Experten, wer der Schuldige ist. Ein Wal, ein «See-Ungeheuer» oder Spione?

Mit dem Netzwerk in 2500 Meter Tiefe messen Forscher alles, was sich bewegt: Fischschwärme, Korallen, Wale, Fischereiaktivitäten und Strömungen. Doch im Frühling wurde es plötzlich schwarz auf den Bildschirmen, wie jetzt bekannt wurde. «Ein Mysterium», sagt Rogne. Untersuchungen mit Unterwasserrobotern, die bei der Ölsuche eingesetzt werden, ergaben lediglich, dass das zehn Tonnen schwere Kabel mit grosser Kraft herausgerissen wurde.

Ein Fischtrawler? Das wäre aufgefallen

Norwegen sucht nun verzweifelt nach Erklärungen. Ein Trawler mit langem Schleppnetz könnte es gewesen sein, doch das wäre aufgefallen und würde der Küstenwache gemeldet, sagte der Reeder Knut Holmøy dem TV-Sender NRK. Dass das Kabel von einem Trawler gelöst und weggespült wurde, halten Experten für unmöglich: Die Strömung ist zu schwach.

Oder war es ein 15 Meter langer Buckelwal, von denen in der Arktis viele jagen? Ein Wal hätte sich im Kabel verfangen, aber es nicht wegreissen können, meint Tore Haug, Spezialist für Meeressäuger. Dagegen wäre ein grösseres Tier, das Fischer früher als Meeres-Ungeheuer beschrieben, dazu in der Lage: Ein 20 Meter langer Riesenkalmar, die in grosser Tiefe leben. Diese haben gezähnte Saugnäpfe an den Fangarmen und eine schnabelartige Mundöffnung – und ohne Zweifel die nötige Kraft, sagt der Meeresbiologe Bjørn Axelsen. Doch was hätte ein Riesenkalmar für ein Motiv?

Ein solches hätten schon eher die Russen. Oder eine andere U-Boot-Nation. Denn die hochsensiblen Sensoren fangen auch Signale geheimer U-Boot-Missionen auf - was bei den im Polarmeer sehr aktiven Kommandos nicht gern gesehen ist. Spezial-U-Boote wären laut Experten fähig, ein Seekabel zu entfernen. Deshalb gehen nicht nur die Meeresforscher bald wieder auf Tauchgang; auch der Geheimdienst ermittelt, wer (oder was) das Tiefsee-Netzwerk sabotiert hat.

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