Nicolas Sarkozy
Monsieur le Président bezeichnet seine Minister als «Arschlöcher»

Dieses Buch wird Nicolas Sarkozy gar nicht gefallen. Gut möglich, dass er ausrastet und vulgär wird. Aus erster Hand wird Monsieur le Président nämlich als cholerischer Derwisch beschrieben, der in Menschen entweder Feinde oder Sklaven sieht.

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Steckt im Umfragetief: Nicolas Sarkozy (Archiv)

Steckt im Umfragetief: Nicolas Sarkozy (Archiv)

Keystone

Nicolas Sarkozy ist angeschlagen. Ein Jahr vor den Wahlen vertrauen ihm 72 Prozent der Franzosen nicht mehr, wie neueste Umfragen zeigen. Ob die Popularität des Präsidenten wieder gesteigert werden kann ist fraglich. Ein neues Buch beschreibt den französischen Präsidenten als Choleriker, der zu allem Überfluss keinen Wein trinkt und keinen Käse mag, der streng riecht.

Schon der Einstieg des Buches von Franz-Olivier Giesbert hat es in sich. Der Leiter des französischen Magazins «Le Point» beschreibt, wie ihn Nicolas Sarkozy an einem Sonntagmorgen anruft und anbrüllt. Konkret geht es um einen Artikel des Schriftstellers Patrick Besson, indem dieser Sarkozy zu Carla Bruni beglückwünscht. Gleichzeitig rät Besson, dass der Präsident seine neue Flamme keinem gut aussehenden Mann vorstellen soll, sonst sei er sie bald wieder los.

«Wenn ich deine Frau eine Nutte nenne»

«Ich werde ihm als Erstes die Fresse polieren», habe Sarkozy durch das Telefon geschrien, schreibt Giesbert. Dies am ersten Tag, an dem er seine Funktion ablege. Bis zu seinem Tod werde er diesen Artikel nicht vergessen und auch nicht, dass Giesbert ihn abgedruckt habe. «Wie würdest du es finden, wenn ich deine Frau eine Nutte nenne», soll Sarkozy nachgedoppelt haben. Schliesslich soll Carla Bruni sich bei Giesbert entschuldigt haben. «Nicolas ist eben sehr verliebt.»

Lover von Carla Bruni
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Franz-Olivier Giesbert ist einer jener Journalisten in Frankreich, die mit den Machthabern im Elysée dinieren und diese auch duzen. In seiner Arbeit ist es ihm egal, ob diese links oder rechts sind, er porträtiert die Mächtigen unerbittlich und gnadenlos. In seinem neuen Buch «Monsieur le président» beschreibt der einst glühende Anhänger Sarkozys diesen als cholerischen, vulgären und selbstverliebten Machthaber.

Giesbert entlarvt Sarkozy als Präsidenten, der unablässig über seine Minister lästert, diese als «Arschlöcher», «Nullen» oder als «Koffer ohne Griffe» tituliert. Den Präsidenten des Verfassungsrats nennt Sarkozy seit einem Streit nur noch «Schweinehund». Zudem wurde dem Journalisten Giesbert zugetragen, dass der Staatschef Menschen grundsätzlich in zwei Kategorien einteile: In Feinde und Sklaven. Allerdings behandle er beide Kategorien gleich.

In seinem Umfeld rede Sarkozy oft davon, dass er nach seiner Amtszeit einmal richtig viel Geld verdienen werde. Und das Ende der Amtszeit scheint in der Tat nah zu sein. Doch Giesbert warnt davor, den Präsidenten vorschnell abzuschreiben. Auch wenn er für jeden Franzosen eigentlich untragbar ist - denn er mag weder Wein noch Käse.

Giesberts Literatursendung abgesetzt

Auswirkungen hatte die Publikation des neuen Buches auf jeden Fall für den Autor. Franz-Olivier Giesbert hat einen Verkaufsschlager gelandet und seine Literatursendung auf dem staatlichen Fernsehen «France 2» wurde abgesetzt. Gründe dafür wurden nicht genannt. Doch Giesbert schreibt in seinem Buch auch, dass der Präsident immer wieder in das staatliche Fernsehen eingreift und missliebige Moderatoren absetzen lässt. (dno)