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25 Jahre konservatives Fernsehen: Wie Fox News die politische Landschaft der USA gespalten hat

Mit dem perfekten Mix aus Infos und Emotionen hat Fox die US-Medienlandschaft umgekrempelt. Sogar CNN kopiert jetzt das Modell.

Simon Maurer
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Fox News hat beides: viele Fans und viele Feinde.

Fox News hat beides: viele Fans und viele Feinde.

Bild: Erik McGregor/Getty (Manhattan, 24. August 2021)

Kein Medium hat die amerikanische Politik in den letzten Jahren so geprägt wie der konservative Fernsehsender Fox News. Was die Moderatoren um Sean Hannity, Laura Ingraham und Co. am Abend in ihren Monologen verkünden, wird am nächsten Tag zum Programm der Republikanischen Partei. Mit einer ungewöhnlichen Mischung aus konservativem Aktivismus und relevanter Berichterstattung ist Fox zum wichtigsten Medienunternehmen der USA aufgestiegen.

Täglich schalten zur besten Sendezeit mehr als 3,5 Millionen Amerikaner ein, mehr als 8 Millionen Abonnenten schauen sich die Sendungen später auf Youtube an. Fox ist seit mittlerweile 19 Jahren der meistgesehene Fernsehsender der USA. Nirgends erreicht man mehr konservative Amerikaner wie mit einem Statement auf dem Sender, der heute seinen 25. Geburtstag feiert.

Doch Fox ist viel mehr als nur Propaganda. Der Sender trennt seine Meinungs- und Nachrichtenabteilung strikt. Am Tag gehört das Rampenlicht unideologischen Journalisten der Nachrichtenabteilung. Die Fox-Journalisten waren im Wahlkampf 2020 beispielsweise die ersten, die den stark umkämpften Wechselwähler-Staat Arizona in einer Hochrechnung Joe Biden zuschrieben und Donald Trump zum Verlierer der Wahl erklärten.

Scharf geschossen wird erst am Abend

Erst gegen Abend kommen die lauten Meinungsmacher, die Fox zu einer weltweit bekannten Marke gemacht haben. Leute wie der selbsterklärte Vorzeige-Christ Sean Hannity, der sich den Anstand längst vergangener Zeiten zurückwünscht. Oder die TV-Richterin Jeanine Pirro, eine strenge Advokatin für Recht und Ordnung.

Fox-News-Moderator Sean Hannity ist erklärter Trump-Fan und bibeltreuer Christ.

Fox-News-Moderator Sean Hannity ist erklärter Trump-Fan und bibeltreuer Christ.

Bild: Keystone

Der Erfolg von Fox beruht auch auf einer Erkenntnis, die der australisch-amerikanische Firmengründer Rupert Murdoch vor 25 Jahren als Erster hatte: Dass sich mit Emotionen viel mehr Geld verdienen lässt als mit trockenen Nachrichten. Murdochs Sender setzte von Anfang an auf News, die eine weisse, christlich-konservative Mehrheit der Amerikaner emotional berühren und so vor den Fernseher locken.

Ein Beispiel: Als Teile der amerikanischen Gesellschaft die Grussformel «Fröhliche Weihnachten» mit dem inklusiveren «Fröhliche Festtage» zu ersetzen begannen, machte Fox daraus den «Krieg gegen Weihnachten» und strahlte schon im November Sondersegmente über die vermeintliche Bedrohung des Christentums aus.

Noch 2016 sprach Fox-News-Altstar Bill O`Reilly vom «Krieg gegen Weihnachten».

Youtube

Den Durchbruch schaffte Fox nach den 9/11-Anschlägen im Jahr 2001, als die USA von einer nationalistischen Welle erfasst wurden. Fox setzte als erster amerikanischer Sender den Newsticker-Streifen unten im Fernsehbild ein, um die vielen laufend hereinkommenden Nachrichten bündeln zu können. Die konservative Ausrichtung des Senders passte zum Zeitgefühl, die Zuschauerzahlen explodierten. Und Fox setzte aufs bewährte Prinzip Emotionalisierung. Der Subtext der Meinungssendungen war klar: Jeder, der Präsident Bush im Kampf gegen den Terrorismus nicht unterstützt, ist ein Landesverräter.

Der neue Slogan kam genau zum richtigen Zeitpunkt

In den Folgejahren blieb Fox News auf einer streng staatstreuen Linie. Erst, als Barack Obama 2008 zum Präsidenten gewählt wurde, entwickelte sich der Sender zum bissigen Staatskritiker. Plötzlich wurde Protest gegen die Regierung zum legitimen Mittel, für Freunde der Freiheit und des alten Amerika fast schon zur Bürgerpflicht. Mit Hilfe medialer Unterstützer bei Fox News formierte sich die ultrakonservative Tea-Party-Bewegung, was die Spaltung des Landes vorantrieb.

Dann kam die Präsidentschaftswahl 2016, Donald Trump trat auf die politische Bühne, und Fox News änderte seinen Werbeslogan von «Fair and balanced» («Fair und ausgeglichen») zu «Stand up for whats right» («Aufstehen für das, was richtig ist»). Die Fox-Macher hatten richtig erkannt, dass sich mit dem polarisierenden Aussenseiter Trump viel Geld verdienen lässt. Bei Sendungen über den republikanischen Kandidaten gingen die Zuschauerzahlen regelmässig in die Höhe. Fox passte sich an und gab seinem Goldesel so viel Sendezeit wie nur möglich – und profitierte die letzten vier Jahre von rekordhohen Quoten.

Grafik: Janina Noser

Der Erfolg von Fox News blieb von der Konkurrenz nicht unbemerkt. Vor allem MSNBC und auch CNN begannen zum linken politischen Pol zu driften und ebenfalls auf das emotionalisierende Fox-News-Prinzip zu setzten. Die Folge: Heute sind die Sender weiter auseinander denn je – und die amerikanische Gesellschaft gespalten wie nie zuvor.

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