Kommentar
Die gute Nachricht dieser Wahl: Deutschland entdeckt die Mitte – und straft die extremen Ränder ab

Nach diesem Wahlkampf hätte sich niemand beschweren können, wenn die politischen Ränder gestärkt worden wären. Das Gegenteil ist aber passiert. Nicht alles ist schlecht an dieser Bundestagswahl.

Fabian Hock, Berlin
Fabian Hock, Berlin
Drucken
Teilen
Olaf Scholz, Annalena Baerbock, Armin Laschet und Christian Lindner (von links nach rechts): Die politische Mitte wurde bei der Wahl gestärkt, die Ränder geschwächt.

Olaf Scholz, Annalena Baerbock, Armin Laschet und Christian Lindner (von links nach rechts): Die politische Mitte wurde bei der Wahl gestärkt, die Ränder geschwächt.

Various / EPA

Viel Schlimmes ist gesagt worden über diese Wahl: Die Deutschen, jetzt ohne echte Volkspartei, auf dem Weg ins Chaos. Das Land als Hort der Stabilität – das war einmal. Nach Merkel die Sintflut.

Und dieser Wahlkampf erst! Langweilige Kandidaten, kaum Inhaltliches, zum Schluss waren neun von zehn Deutschen froh, dass er endlich vorbei ist. Man hätte es ein Stück weit verstehen können, hätten sich die Deutschen von diesem traurigen Schauspiel abgewendet und wären in Scharen zu den politischen Rändern gerannt.

Und nun, Überraschung: Das Gegenteil ist passiert. Der rechte Rand, die AfD, hat gut zwei Prozentpunkte verloren. Die Linke, die Nachfolgeorganisation der SED aus DDR-Zeiten, fällt sogar unter fünf Prozent.

Deutschland wird aus der Mitte heraus regiert

Das Ergebnis der Wahl vom Sonntag bringt gewiss Herausforderungen mit sich. Die nächste Bundesregierung wird mit grosser Wahrscheinlichkeit aus drei Parteien bestehen. Zwei davon werden ideologisch so weit von der dritten entfernt sein, dass Regieren mühsam werden dürfte. Die Parteien scheinen jedoch bereit, sich zusammenzuraufen.

FDP und Grüne schicken sich bereits an, die Basis einer neuen Regierung zu bilden. Besonders die Beteiligung der Liberalen lässt hoffen. Ob am Ende mit Laschet oder Scholz als Kanzler – vieles deutet darauf hin, dass Deutschland künftig aus der bürgerlichen Mitte heraus regiert wird. Das ist eine gute Nachricht.

Aktuelle Nachrichten