USA
Klimawandel in Washington? Weisses Haus dementiert Spekulationen über Kehrtwende

Ein Frühstück sorgt für Verwirrung: Nach einem Treffen von Trumps Wirtschaftsberater mit einer Gruppe von Umweltministern wird nun über eine Kehrtwende in der Klimapolitik spekuliert.

Renzo Ruf, Washington
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US-Präsident Donald Trump hat am ersten Juni im Rosengarten des Weissen Hauses den Ausstieg der USA vom Pariser Klimaabkommen verkündet.

US-Präsident Donald Trump hat am ersten Juni im Rosengarten des Weissen Hauses den Ausstieg der USA vom Pariser Klimaabkommen verkündet.

KEYSTONE/EPA/SHAWN THEW

Die Stellungnahme des Weissen Hauses war deutlich: Die USA würden dem Pariser Klimaschutzabkommen den Rücken zukehren, wenn es Washington nicht gelänge, vorteilhaftere Vertragsbedingungen auszuhandeln, liess sich am Montag ein anonymer Berater von Präsident Donald Trump zitieren. An dieser Position gebe es nichts zu rütteln, und dies habe der präsidiale Wirtschaftsberater Gary Cohn seinen internationalen Gesprächspartnern während eines Frühstücks «klargemacht».

Notwendig wurde diese Stellungnahme, weil das Frühstück am Rande der jährlichen UNO-Vollversammlung in New York Anlass zu zahlreichen Spekulationen gegeben hatte. Denn das Timing schien auffällig zu sein, hatte sich doch ein hochrangiger Klimaschutzbeauftragter des Weissen Hauses am Samstag recht konziliant über den Klimapakt geäussert. Dies jedenfalls berichteten Teilnehmer einer Regierungskonferenz im kanadischen Montreal.

Bereits war in der amerikanischen Hauptstadtpresse die Rede von einer anstehenden Kehrtwende der Regierung Trump. So schrieb das «Wall Street Journal» in einem Artikel, der am Samstag auf der Internetseite der Wirtschaftszeitung publiziert worden war: «Die Regierung Trump wird sich nicht vom Pariser Klimapakt verabschieden.» Einige Beobachter gingen gar so weit, darüber zu spekulieren, dass sich der Präsident angesichts der Zerstörungswut der Hurrikane «Harvey» und «Irma» eines Besseren habe belehren lassen.

Schäden nach dem Hurrikan Irma:

Yacht unter Wasser: In Miami hat Hurrikan "Irma" vor nichts halt gemacht.
57 Bilder
Auch auf der Insel St. Martin hat "Irma" Boote zerstört.
Obwohl er sich bis dahin schon deutlich abgeschwächt hatte, richtete der Sturm auch in South Carolina grosse Schäden an.
Joe Murphys Haus auf Tybee Island (Georiga) wurde von Sturm "Irma" beschädigt.
Joey Spalding reicht das Wasser auf einer Strasse auf Tybee Island (Georgia) bis zu den Hüften.
Schäden Hurrikan Irma
Lourdes Rivera besorgt in Isabela de Sagua (Kuba) mit Eimern frisches Wasser.
Auf der Brickell Avenue in Miami hat Hurrikan Irma Bäume entwurzelt und auf die Strasse geschleudert.
Autos fahren durch die Ortschaft Naples (Florida), so gut es die überfluteten Strassen zulassen.
Zwei Männer kämpfen sich in Fort Lauderdale durch die starken Winde.
MSNBC-Reporterin Kerry Sanders gibt alles für gute Live-Bilder.
In Kubas Hauptstadt Havanna fehlt der Strom. Die Menschen versammeln sich darum um ein Feuer.
Starke Wellen an der Biscayne Bay.
Hier fallen Kokosnüsse auf die Strasse.
Ein verlassenes Boot am Haulover Marine Center am Haulover Park, North Miami Beach.
Die Fluten am Haulover Marine Center im Norden von Miami Beach.
Ein überschwemmtes Parkfeld im Norden von Miami Beach.
Segelschiffe in der Nähe von Watson Island, Miami Beach.
Palmen knicken um in Miami Beach.
Wellen vor Miami Beach: Hurrikan Irma erreicht Florida am Sonntagmorgen (Ortszeit).
Eine TV-Crew watet durchs Wasser in Miami.
Hurrikan Irma trifft Miami mit voller Stärke hier, wo der Miami River die Biscayne Bay trifft.
Heftiger Wind in Miami: Durch Hurrikan Irma waren zeitweise fast 1,3 Millionen Menschen in Florida ohne Strom.
Dieser CNN-Reporter berichtet live von Irma - mit besonderer Brille.
In Key West schlagen die Wellen schon hoch.
Kuba Hurrikan Irma hat die Nordküste mit Windgeschwindigkeiten von 160 bis 190 km/h erreicht und schon einige Schäden angerichtet.
Verwüstungen auf Tortola (britische Jungferninseln) Irma hat dieses Auto gekippt.
Verwüstungen auf Tortola (britische Jungferninseln)
Der Sturm "Irma" verursacht meterhohe Wellen, die viel Zerstörung bringen.
Karibikinsel Anguilla Hurrikan Irma richtete hier schwere Schäden an.
Verwüstungen auf der Jungferninsel St. Thomas Dieser Screenshot aus einem Video zeigt die stark in Mitleidenschaft gezogene Post in St. Thomas.
Verwüstungen auf der Jungferninsel St. Thomas Über 24 Stunden lang wütete Irma hier mit Windgeschwindigkeiten von 185 Meilen pro Stunde. Das sind umgerechnet über 297 Kilometer pro Stunde.
Verwüstungen auf der Jungferninsel St. Thomas
Verwüstungen auf der Jungferninsel St. Thomas
Verwüstungen auf der Jungferninsel St. Thomas
Hurrikan "Irma" richtet in der Karibik enorme Verwüstungen an - Behörden melden nunmehr vier Tote auf den Amerikanischen Jungferninseln.
Haiti Ein Kind neben einer Pfütze im Slum von Port-au-Prince.
Verwüstungen in der Dominikanischen Republik, Santo Domingo.
Dominikanische Republik Irma hat die Strassen in Santiago de los Caballeros überschwemmt.
Dominikanische Republik Ein Mann spaziert an der Küste von Samana - Irma kündigt sich an.
Dominikanische Republik Ein Mann verbarrikadiert die Fenster einer Bodega in Las Terrenas.
Verwüstungen auf Puerto Rico. Bild aus San Juan.
Puerto Rico Retter prüfen, ob noch jemand in diesem Auto ist - was glücklicherweise nicht der Fall ist.
Puerto Rico
Verwüstungen auf Puerto Rico. Bild aus San Juan.
Irma wütet auf Puerto Rico, Fajardo.
Verwüstungen auf Puerto Rico. Mindestens zehn Todesopfer sind auf der nördlichen Karibikinsel Puerto Rico zu beklagen. Im Bild: Rico Fajardo.
Verwüstungen auf Sint Maarten
Irma wütet auf Puerto Rico, Fajardo.
Puerto Rico Hurrikan Irma kündigt sich mit starkem Regen an.
Verwüstungen auf Sint Maarten
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Verwüstungen auf Sint Maarten Tausende wurden hier obdachlos.
Verwüstungen auf Sint Maarten
Verwüstungen auf Sint Maarten
Prognose: Hurrikan Irma wird diesen Weg nehmen. Nach Puerto Rico zieht Irma nach der Dominikanischen Republik und Haiti in Richtung Kuba und Florida.
Hurrikan Irma Satellitenbild der Nasa vom 5. September 2017

Yacht unter Wasser: In Miami hat Hurrikan "Irma" vor nichts halt gemacht.

ERIK S. LESSER

Dementi aus dem Weissen Haus

Die Haltbarkeit dieser Schlagzeile erwies sich allerdings als gering. Denn kaum publiziert, veröffentlichte das Weisse Haus pointierte Dementis. «An der Haltung der USA bezüglich der Pariser Abkommen hat sich nichts geändert», teilte Trump-Sprecherin Lindsay Walters am Samstag mit. Dann folgte am Sonntag die Klarstellung des präsidialen Sicherheitsberaters H. R. McMaster, der dem «Wall Street Journal» vorwarf, die Unwahrheit verbreitet zu haben. McMaster, ein angesehener Militärstratege, sagte: Trump habe sich dazu entschieden, aus dem Klimapakt auszusteigen, weil das Abkommen für die amerikanische Bevölkerung und die Umwelt Nachteile mit sich bringe. Nach wie vor gälte aber, was Trump am 1. Juni verkündet hatte, ergänzte Aussenminister Rex Tillerson. Wenn sich die internationale Staatengemeinschaft dazu entscheiden würde, «Paris» neu zu verhandeln, dann sei Washington diesen Bemühungen «unter den richtigen Voraussetzungen» nicht abgeneigt. Tillerson gilt in Washington als Anhänger eines multilateralen Klimaschutzabkommens, auch weil er während seiner langen Amtszeit als Konzernchef von ExxonMobil diese Bestrebungen immer wieder unterstützt hatte.

Vergessen ging in der Aufregung über Trumps Klimaschutzpositionen, dass sich Trump am 1. Juni in erster Linie ans heimische Publikum gerichtet hatte, als er das Ende von «Paris» verkündete. Aufgrund der Vertragsbestimmungen können die USA dem Abkommen frühestens im November 2020 den Rücken zukehren – kurz nach der nächsten Präsidentenwahl. Bis zu diesem Zeitpunkt will die amerikanische Regierung weiterhin eine konstruktive Rolle in den Klimaschutzgesprächen spielen, heisst es in Washington, obwohl Trump einige führende Skeptiker des Klimawandels in hochrangige Positionen berufen hat.

Unter diesen Vorzeichen ergibt auch das Frühstück Sinn, zu dem Wirtschaftsberater Cohn am Montag eingeladen hatte. Lang und breit konnte der ehemalige Goldman-Sachs-Banker seinen Gesprächspartnern nämlich erklären, wie die US-Regierung gedenke, den heimischen Energiemarkt zu revolutionieren – und wie diese Revolution auch den Schadstoffausstoss verringere.