Gipfeltreffen
Kim und Moon überraschen die Welt – Korea-Experte äussert sich skeptisch

Ein Meilenstein der Geschichte: Bei ihrem Gipfeltreffen vereinbaren Südkoreas Präsident und Nordkoreas Machthabereine Friedensregelung bis Ende des Jahres. Nach 70 Jahren Spannungen könnten sich die beiden Staaten versöhnen

Felix Lee aus Peking
Drucken
Teilen
Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un (l.) und Südkoreas Präsident Moon Jae In pflanzen gemeinsam eine Kiefer.

Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un (l.) und Südkoreas Präsident Moon Jae In pflanzen gemeinsam eine Kiefer.

KEYSTONE

Es sind Bilder, die in die Geschichte eingehen werden: Bei strahlend blauem Himmel stehen sich die Staatschefs beider koreanischer Staaten zwischen den frisch gestrichenen blauen Baracken des Grenzdorfs Panmunjom gegenüber, schütteln sich lachend die Hände und schmeicheln sich gegenseitig. Der nordkoreanische Machthaber Kim Jong Un zeigt sich in einem dunklen Mao-Anzug, Südkoreas Präsident Moon Jae In im Anzug mit blauer Krawatte.

Historisch: Die Staatschef von Nord- und Südkorea haben sich heute Freitag zu einem Gipfeltreffen getroffen.

Historisch: Die Staatschef von Nord- und Südkorea haben sich heute Freitag zu einem Gipfeltreffen getroffen.

AP
Kim Jong Un und Moon Jae-in.

Kim Jong Un und Moon Jae-in.

AP

«Es ist schön, Sie zu sehen», sagt Moon. «Die Freude ist ganz auf meiner Seite», antwortet der sehr viel jüngere Kim. Diese freundlichen Worte sind nur ein Vorgeschmack für weitere Überraschungen an diesem Tag.

Ende des Kriegszustands

Bei ihrer ersten persönlichen Begegnung am Freitag haben sich Moon und Kim auf dem ersten gesamtkoreanischen Gipfel seit über zehn Jahren darauf geeinigt, den seit 1953 bestehenden Kriegszustand auf der koreanischen Halbinsel noch in diesem Jahr offiziell zu beenden. Sie würden zudem eine «vollständige nukleare Abrüstung» anstreben, verkündeten sie in einer gemeinsamen Erklärung. Moon kündigte aber an, dass er noch in diesem Herbst in die nordkoreanische Hauptstadt Pjöngjang reisen werde. Kim habe ihn dazu eingeladen. Ziel sei eine «dauerhafte und stabile» Friedensregelung.

Dass es nach Jahren heftiger Anfeindungen innerhalb weniger Monate überhaupt zu einer Begegnung der beiden Staatschefs kommt, wurde im Vorfeld des Gipfels bereits als Sensation gefeiert. Dass es aber zu so konkreten Ergebnissen kommen würde, damit hatten selbst die kühnsten Optimisten nicht gerechnet. Erstmals seit dem Ende des Koreakriegs 1953 könnte für Millionen von Menschen in der Region ein Friedenstraum wahr werden.

Schon der Gipfelauftakt ist voller Versöhnungsgesten. Eigentlich war der Ablauf dieser Begegnung bis ins kleinste Detail geplant. Doch ausgerechnet der nordkoreanische Machthaber widersetzte sich dem vorab von den Unterhändlern verabredeten Protokoll.

Vorgesehen war, dass Kim die Demarkationslinie inmitten der entmilitarisierten Sicherheitszone übertritt und damit als erstes nordkoreanisches Staatsoberhaupt überhaupt Südkorea betritt. Nachdem es den ersten Handschlag gibt, schlägt Kim dem südkoreanischen Präsidenten vor, für einen Moment doch auch nordkoreanischen Boden zu betreten. Lachend folgt Moon der Bitte und beide überschreiten, sich an den Händen haltend, die Grenze zum Norden.

Am späten Nachmittag unterzeichnen Moon und Kim feierlich die gemeinsame Erklärung. «Einen Krieg auf der Halbinsel wird es nicht mehr geben», heisst es darin. Auf der anschliessenden gemeinsamen Pressekonferenz sagt Moon: «Wir erklären hiermit gemeinsam den Anbruch des Friedens.» Und weiter: «Wir haben den ersten Schritt für eine Wiedervereinigung getan.» Kim ergänzt: «Nord- und Südkorea sind von einem Volk, und wir können nicht getrennt leben.» Der Diktator spricht von einem «Wendepunkt in der koreanischen Geschichte.»

Eine Kiefer für den Frieden

Als hätte es für einen Tag nicht schon genug an Symbolik gegeben, pflanzen Moon und Kim eine Kiefer an der schwer gesicherten Grenze und enthüllen einen Gedenkstein mit der Aufschrift: «Frieden und Wohlstand pflanzen». Beide Staatschefs reichen sich anschliessend die Hände und umarmen sich.

Trotz diesen vielen symbolischen Gesten äussert sich Korea-Experte Andrej Lankow skeptisch, ob Kim sein Atomprogramm rasch aufgeben wird. «Nordkorea ist ein Atomwaffenstaat», sagt der Professor der südkoreanischen Kookmin-Universität. «Das ist eine Tatsache. Sie haben Atomwaffen und können sie explodieren lassen.»

Zwar lobte US-Präsident Donald Trump den Ausgang des Korea-Gipfels am Freitag in höchsten Tönen. Doch seine Berater fordern konkrete Taten. Zum Abbau des nordkoreanischen Atomarsenals gehört für sie auch die Aufgabe der Atomanlage Yongbyon und die Erlaubnis des Regimes, unabhängige Kontrolleure ins Land zu lassen. Das werde Trump Kim klarmachen, wenn er den Diktator in wenigen Wochen selbst treffen wird.

Aktuelle Nachrichten