Iran
Journalistin wegen Protesten verhaftet – die Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Regierung dauern an

In Teheran wird eine Journalistin verhaftet, die als eine der Ersten über den Fall der nach Polizeigewahrsam gestorbenen 22-Jährigen berichtet hatte. Der iranische Geheimdienst und die Armee drohen indes den Demonstrierenden.

dpa
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Der Tod einer 22-Jährigen nach Polizeigewahrsam löst im Iran Proteste aus, so wie auch hier in der Hauptstadt Teheran.

Der Tod einer 22-Jährigen nach Polizeigewahrsam löst im Iran Proteste aus, so wie auch hier in der Hauptstadt Teheran.

AP

Die Journalistin Nilufar Hamedi ist in der iranischen Hauptstadt Teheran inhaftiert worden. Sie hatte den Fall um die in Polizeigewahrsam verstorbene 22-jährige Mahsa Amini als eine der Ersten bekannt gemacht – was zu landesweiten Protesten gegen die Regierung von Irans Präsident Ebrahim Raisi führte.

Neben Hamedi, die für die Reformzeitung «Shargh» arbeitet, wurden auch zwei weitere Reporter, eine Fotografin und ein politscher Aktivist verhaftet. Sie sollen sich nun im berüchtigten Ewin-Gefängnis in der Hauptstadt befinden.

Tod von 22-Jähriger löst Proteste aus

Mahsa Amini, über welche die Journalistin berichtete, wurde vor gut einer Woche von der Sittenpolizei wegen eines Verstosses gegen die strenge islamische Kleiderordnung festgenommen. Nach Angaben von Zeugen soll sie ihr Kopftuch nicht richtig getragen haben.

Auch in Europa wird demonstriert: Ein Demonstrant hält in Berlin ein Bild der Verstorbenen Mahsa Amini hoch.

Auch in Europa wird demonstriert: Ein Demonstrant hält in Berlin ein Bild der Verstorbenen Mahsa Amini hoch.

Clemens Bilan / EPA

Was nach ihrer Festnahme genau geschah, ist unklar. Jedenfalls fiel sie ins Koma und starb danach in einem Krankenhaus. Kritiker werfen der Moralpolizei vor, Gewalt angewendet zu haben. Die iranische Polizei weist die Vorwürfe zurück. Seitdem demonstrieren landesweit Tausende Menschen gegen den repressiven Kurs der Regierung.

Geheimdienst und Armee drohen Demonstranten

Die Zahl der Toten steigt gemäss Aktivisten und Menschenrechtsorganisationen indes weiter an. Die Organisation Iran Human Rights (IHR) mit Sitz in Oslo sprach von bereits über 30 toten Zivilisten im Zuge der Proteste.

Irans Streitkräfte haben derweil am Freitag auf Schärfste vor einer Störung der Sicherheit im Land gewarnt. «Wir werden den Feinden nicht erlauben, die Situation auszunutzen», hiess es in einer Mitteilung, wie die iranische Nachrichtenagentur Isna am Freitag berichtete.

Auch der Geheimdienst warnte nach Angaben der Agentur Tasnim vor einer Teilnahme an «illegalen Versammlungen». Am Donnerstag hatte bereits Justizchef Gholam-Hussein Mohseni-Edschehi ein hartes Durchgreifen der Sicherheitskräfte bei den landesweiten Protesten angeordnet. (dpa)