USA - Nordkorea
Heute treffen sich Donald Trump und Kim Jong Un – was bringt der Gipfel in Vietnam?

Das erste Treffen mit Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un nannte US-Präsident Trump noch «historisch». Dabei blieben die Ergebnisse beim Gipfel in Singapur vage. Wird das beim zweiten Treffen anders?

Felix Lee, Peking
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US-Präsident Donald Trump trifft in Vietnam ein.

US-Präsident Donald Trump trifft in Vietnam ein.

EPA

So glamourös wie vor neun Monaten beim ersten Gipfel in Singapur zwischen Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un und US-Präsident Donald Trump dürfte es in Hanoi nicht zugehen. Vietnams Hauptstadt, die im Vergleich zur Glitzerstadt Singapur geradezu heruntergekommen wirkt, bietet nicht die Kulisse dafür. Und auch das internationale Interesse an diesem zweiten Treffen scheint geringer zu sein. In den USA sind derzeit die Blicke sehr viel stärker auf die Staatskrise in Venezuela gerichtet als auf den Atomkonflikt im Fernen Osten.

Dabei dürfte es beim Gipfel in Hanoi um sehr viel mehr gehen als in Singapur. Beim ersten Treffen konnten sich die beiden eigenwilligen Staatschefs noch damit herausreden, es sei ja bereits ein Erfolg, dass es überhaupt erstmals zu einem Treffen zwischen einem nordkoreanischen Machthaber und einem amtierenden US-Präsidenten kommt. Solche symbolträchtige Bilder reichen nun nicht mehr aus. Trump muss die als «historisch» gefeierte Annäherung nun mit Substanz füllen.

So war der Gipfel in Singapur – die besten Bilder:

Gipfel in Singapur – die besten Bilder Ein historisches Treffen: Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un und US-Präsident Donald Trump im Capella Resort auf Sentosa Island am 12. Juni 2018.
18 Bilder
Die letzten Schritte vor dem historischen Handschlag.
Kim scheint den Arm etwas weiter auszustrecken...
Der Blick auf Details, wie hier auf die Schuhe des nordkoreanischen Präsidenten, kann interessant sein.
Der historische Handschlag zwischen Trump und Kim   
Und schon tauschen Kim Jong Un und Donald Trump Freundlichkeiten aus.
Aufstellen für die Presse - auch das gehört dazu.
Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un und US-Präsident Trump treten nach einem Vier-Augen-Gespräch vor die Medien.
Nach dem Arbeitslunch laufen Trump und Kim durch den Hotel-Garten.
Gipfel in Singapur – die besten Bilder
Eine Geste an die Fotografen.
An diesem Tisch unterzeichnen die beiden eine Vereinbarung.
Sie haben sich zu einer vollständigen Entnuklearisierung der koreanischen Halbinsel bekannt.
Trump ist bereit, dem isolierten Staat Sicherheitsgarantien zu gewährleisten.
Die beiden Politiker bekundeten auch ihren Willen, eine dauerhafte Friedensordnung für Korea zu schaffen.
Zum Abschluss: Nochmals ein Händedruck und ein Lächeln für die Medien.
Freundliche Gesten gehören an diesem Tag dazu.
Kim Jong Un kann sich über das Resultat des Gipfels mit Donald Trump freuen.

Gipfel in Singapur – die besten Bilder Ein historisches Treffen: Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un und US-Präsident Donald Trump im Capella Resort auf Sentosa Island am 12. Juni 2018.

Kevin Lim

Im Panzerzug angereist

Beide sind am Dienstag in der vietnamesischen Hauptstadt zu ihrem zweitägigen Gipfel eingetroffen, Trump mit der Airforce One, Kim kam mit seinem gepanzerten Luxuszug angereist. Am Mittwochabend wollen sie sich treffen. Zumindest die letzten Twitter-Einträge des US-Präsidenten stimmen zuversichtlich, dass es in Hanoi tatsächlich zu einer Annäherung kommen könnte. Er habe ein «grossartiges Verhältnis» zu dem nordkoreanischen Machthaber, twitterte Trump.

Bereits Anfang des Monats hatte der US-Präsident das weltweit einzige noch stalinistisch regierte Land gelobt. Unter der Führung von Kim Jong Un werde Nordkorea eine «andere Art von Rakete werden – eine wirtschaftliche», twitterte Trump. Noch 2017 hatte er den nordkoreanischen Machthaber als «Irren» und «Raketenmann» beschimpft und damit gedroht, ihn zu «vernichten».

Allerdings hat Trump seine Ziele deutlich zurückgeschraubt. Vor einem Jahr hatte er noch versichert, eine Annäherung mit dem Regime in Pjöngjang werde es nur geben, wenn Nordkorea komplett auf seine Atomwaffen verzichtet und auch nichts davon mehr produziert. Am Sonntag twitterte Trump: Er sehe keine Eile für Nordkorea, Beweise für die Aufgabe seiner Waffen zu liefern. «Ich will nur keine Tests. Solange es keine (Waffen-)Tests gibt, sind wir glücklich.»

Zwar hatte sich Kim beim Gipfel in Singapur grundsätzlich zu einer «vollständigen Denuklearisierung» bereit erklärt. Konkret wurde er aber nicht. Der nordkoreanische Machthaber wiederum fordert von Washington glaubwürdige Sicherheitsgarantien und eine Lockerung der Sanktionen. Das streng isolierte Land leidet seit Jahrzehnten immer wieder unter Nahrungsmittelknappheit. Das Problem könnte sich aufgrund der Sanktionen zuletzt verschärft haben.

Opposition will Ergebnisse sehen

Führende US-Demokraten im Senat fordern nun von Trump «greifbare Ergebnisse». Oppositionsführer Chuck Schumer kritisierte Trumps bisheriges Vorgehen. Das Treffen in Singapur habe «dem Anführer des vielleicht repressivsten Regimes der Welt» bloss Akzeptanz auf globaler Ebene gegeben, «während es unsere Politik des maximalen Drucks und der Sanktionen effektiv untergrub». Steve Biegun, Trumps Sonderentsandter, gab vor Kurzem zu, dass sich Trump und Kim noch nicht einmal auf eine Definition geeinigt hätten, was Denuklearisierung konkret heisse.

Die Hoffnungen ruhen derzeit auf Südkoreas Präsident Moon Jae In. Moon wird persönlich zwar nicht in Hanoi dabei sein. Doch er arbeitet seit Monaten an einem möglichen Fahrplan. Aus dem Präsidentenpalast in Seoul ist zu hören, Nordkoreas Machthaber Kim habe dem südkoreanischen Präsidenten bereits zugesagt, den Nuklearkomplex Yongbyon abzubauen und internationale Inspekteure zuzulassen, falls die USA entsprechende Gegenleistungen erbringen würden.

Trump und Kim sollen nach Angaben des Weissen Hauses am Mittwochabend zu einem Begrüssungsgespräch und anschliessendem Abendessen zusammenkommen. Am Donnerstag wird der Gipfel fortgesetzt.