Grossbritannien
Impfendes Königreich: Mehr als ein Viertel der Briten sind immunisiert – dank tausenden Freiwilligen und dem «Vaxi Taxi»

Leona Leipold hat wie Tausende andere einen Impf-Crashkurs absolviert. Ohne Menschen wie sie stünde die Insel impftechnisch wohl so schlecht da wie die Schweiz.

Sebastian Borger aus London
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Boris Johnson glaubt, schon im Juni alle Massnahmen abschaffen zu können.

Boris Johnson glaubt, schon im Juni alle Massnahmen abschaffen zu können.

AP

Ihr Praktikum musste sie wegen des Lockdowns beenden, das Medizinstudium konnte nur auf Sparflamme weitergehen. Deshalb zögerte Leona Leipold keine Sekunde, als sie im Januar einen Anruf erhielt und gefragt wurde, ob sie beim Covid-Impfprogramm mithelfen könne.

Freiwillige Impfhelferin: Leona Leipold.

Freiwillige Impfhelferin: Leona Leipold.

Sebastian Borger

«Ich sagte sofort zu», erzählt die Studentin beim Gespräch in einem Londoner Park.

Seit sie zu den üblichen Erste-Hilfe-Kursen auch den eintägigen Impf-Crashkurs absolviert hat, radelt sie dreimal pro Woche zur St Charles-Poliklinik in London, wo täglich bis zu 700 Menschen geimpft werden.

Mehr als 27 Prozent der Briten haben bereits mindestens eine Impfdosis erhalten (in der Schweiz sind es knapp 8 Prozent). Premierminister Boris Johnson ist zuversichtlich, bis im Juni alle Coronamassnahmen aufheben zu können. Bis Ende Juli sollen die erwachsenen Briten durchgeimpft sein.

Minderheiten müssen überzeugt werden

Dass Grossbritannien so rasant vorwärts kommt beim Immunisieren liegt nicht zuletzt an einem Heer freiwilliger Helfer, die wie Leona Leipold unentgeltlich mitanpacken. Auf einen Aufruf der Gesundheitsbehörden meldeten sich binnen weniger Tage Zehntausende von Kurzarbeitern, Studentinnen und Pensionären.

Mit Hilfe der Krankentransportorganisation St John Ambulance und des Königlichen Freiwilligendienstes RVS wurden sie ausgebildet, zunächst für Unterstützerrollen wie die Reinigung der Impftische und die Begleitung der Geimpften im Ruheraum. Inzwischen können sich Interessierte in Schnellkursen auch für das Gespräch mit den Patienten über Vorerkrankungen und Allergien sowie den Dienst an der Nadel ausbilden lassen.

Leona Leipold hat bereits mehr als 200 Patienten geimpft. «Die Pandemie hat die sozialen Unterschiede in der Gesellschaft verdeutlicht. Wir müssen besonders auf benachteiligte Gruppen zugehen», erzählt sie. Statistiken zufolge leisten die Angehörigen ethnischer Minderheiten der Einladung zur Immunisierung deutlich seltener Folge als die weisse Bevölkerung. Deshalb gibt es jetzt das «Vaxi Taxi»: Auch Leona Leipold ist ab und an mit einem der berühmten schwarzen Taxis unterwegs. Es parkt vor Nachbarschaftszentren, Synagogen und Moscheen, um kritische Bürger zur Impfung zu bewegen.