Genfer Gipfel
Oben ohne gegen Putin: Dieses Model liess sich für den russischen Besucher extra tätowieren

Mehr als faustgross prangt das Konterfei von Alexej Nawalny seit zwei Tagen auf Petr Pavelecs Brust. Für den baldigen russischen Besuch in der Stadt hat der 38-Jährige eine deutliche Botschaft.

Samuel Schumacher, Genf
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«Ein Witz»: Petr Pavelec über Putins Besuch in Genf und sein Tattoo.

Samuel Schumacher

Acht Stunden Schmerzen und eine grosse Prise Überzeugung hat es ihn gekostet. Doch Petr Pavelec glaubt, dass sich das Leiden mehr als gelohnt hat: Vor zwei Tagen lief der Genfer aus dem Tattoo-Studio mit dem mehr als faustgrossen Konterfei des russischen Oppositionellen Alexej Nawalny auf der Brust. Jetzt steht er oben ohne am Genfer Stadtstrand Bains des Pâquis und zieht die Blicke auf sich. Er sagt:

«Früher war ich mal Fitness Modell. Aber das ganze Leben in den Bizeps zu investieren, das bringt nichts. Ich will lieber auf das Schicksal von Nawalny und anderen Opfern des Ober-Bullys Wladimir Putin aufmerksam machen.»
Petr Pavelec, 38, hat eine deutliche Botschaft für Putin, der morgen zu Besuch in seine Heimatstadt kommt.

Petr Pavelec, 38, hat eine deutliche Botschaft für Putin, der morgen zu Besuch in seine Heimatstadt kommt.

Samuel Schumacher

Die jüngsten Entwicklungen in Russland haben den 38-Jährigen in Rage gebracht. Ein russisches Gericht hat – wohl mit dem Segen des Kreml – entschieden, dass alle Nawalny-Anhänger per sofort unter Terrorismusverdacht stünden und mit langjährigen Haftstrafen rechnen müssen, wenn sie ihrem politischen Aktivismus nicht augenblicklich abschwören.

«Putin hat alle Scham abelegt. Er ist Gift für den Rest der Welt. Dass Nawalny freiwillig aus dem Exil in Deutschland nach Russland zurückgekehrt ist, nachdem ihn Putin vergiften wollte und er fast gestorben ist, ist beeindruckend.» Schliesslich habe Nawalny genau gewusst, dass der Kreml-Chef ihn nicht einfach laufen lassen würde. «Die Russen sind – wie ich – begeisterte Schachspieler. Nawalny hat den mutigsten Zug gewagt: Er hat sich selbst geopfert.»

Putins Genf Reise? Nichts als ein Ferienausflug

Wie Petr Pavelec denken viele. Mehrere dutzend Länder haben Russland aufgefordert, den wegen einer Lappalie zu mehreren Jahren Haft verurteilten Oppositionellen sofort freizulassen. Nawalny wird in der Haft kaum medizinische Hilfe zuteil. Die Amerikaner und die EU haben neue Sanktionen gegen Russland auf den Weg gebracht. Doch Putin zeigt sich unbeeindruckt.

Das Monument Anything to Say? steht derzeit am Genfer Stadtstrand Bains de Paquis. Petr Pavelec setzt sich auf den freien Stuhl neben Edward Snowden, Julian Assange und Chelsea Manning.

Das Monument Anything to Say? steht derzeit am Genfer Stadtstrand Bains de Paquis. Petr Pavelec setzt sich auf den freien Stuhl neben Edward Snowden, Julian Assange und Chelsea Manning.

Samuel Schumacher

Lange könne er das aber nicht durchziehen, glaubt Petr Pavelec. «Putin hat kaum noch Freunde rund um den Globus. Seine Berater sind schlecht. Dass er hierhin nach Genf kommt? Schön für ihn, aber nichts als ein Ferienausflug. Ich erwarte von ihm null Zugeständnisse», sagt Pavelec.

Snowden in Genf – mindestens als Statue

Ein junger Amerikaner, der nebenan an einem Schnitz Wassermelone kaut, unterbricht das Gespräch und fragt, wer das da auf Pavelecs Brust sei. Petr beugt sich herunter, erklärt alles geduldig. Hinter ihm steht das Denkmal «Anything to say?» («Etwas zu sagen?») des Künstlers Davide Dormino. Es zeigt vier Stühle: Auf einem steht der NSA-Whistleblower Edward Snowden, auf einem der Wikileaks-Gründer Julian Assange, auf einem die US-Whistleblowerin Chelsea Manning. Der vierte Stuhl ist frei, jeder kann sich draufstellen. Die Botschaft: Wenn du was zu sagen hast, dann sags, solang du kannst.

Das will Petr tun, oben ohne – und mit perfektem Timing zum morgigen Biden-Putin-Gipfel. Seine Message an den hohen russischen Besuch: «Herr Putin, sie sind nichts als ein Bully. Und dank der mutigen Aufklärarbeit von Alexej Nawalny und anderen weiss das bald die ganze Welt.»

Genf: Putin-Gegner fordern Freilassung von Nawalny.

Keystone-SDA

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