Teures Hobby
Eine Renntaube für 1,6 Mio. Euro: Die schnellen belgischen Vögel sorgen im Reich der Mitte für einen Kaufrausch

Die belgische Renntauben-Tradition stösst bei reichen Chinesen auf grosses Interesse. Sie zahlen astronomische Beträge für die Vögel.

Helmut Hetzel aus Den Haag
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Kosten zuweilen ein Vermögen: Belgische Renntauben sind vor allem bei Chinesen beliebt.

Kosten zuweilen ein Vermögen: Belgische Renntauben sind vor allem bei Chinesen beliebt.

Pipa

Belgien, da denkt man an Bier, Pommes frites und die EU. Aber das Königreich hat noch eine weitere Spezialität: die Taubenzucht. Besonders im niederländisch-sprachigen Flandern gibt es viele «Duivenmelker» (Taubenzüchter), die mit ihren Vögeln Rennen veranstalten.

Doch die Taubenrennen sind nicht einfach ein Hobby der Belgier, sondern der jüngste Hype im internationalen Wettgeschäft. Vor allem Chinesen interessieren sich neuerdings brennend für die Vögel.

Das freut insbesondere auch das belgische Taubenzuchtunternehmen Pipa, eine Abkürzung für: Pigeon Paradise – Taubenparadies. Pipa ist der Rennstall für Tauben und nach eigenen Angaben «das exklusivste Auktionshaus für Reisetauben in der Welt». Die Organisation beschäftigt heute rund 100 Mitarbeiter und bringt es auf einen Jahresumsatz von rund 40 Millionen Franken.

Chinesen haben wegen Mao Nachholbedarf

Diese Zahl dürfte sich bald deutlich steigern – den Chinesen sei dank. Der Taubensport ist in China nicht zuletzt deshalb so populär, weil er während der Kulturrevolution von Mao (1966 bis 1976) verboten war. Vergangene Woche hat das Auktionshaus einem reichen chinesischen Bieter eine seiner schnellsten Renntauben verkauft – für sage und schreibe 1,6 Millionen Euro. Das stellt den vormaligen Rekordpreis von 1,25 Millionen Euro für einen einzelnen Rennvogel (ebenfalls ersteigert von einem Chinesen) klar in den Schatten.

Viele belgische Taubenzüchter sind durch ihr Hobby vermögend geworden. Taubenzucht ist nicht mehr bloss ein Hobby, sondern richtig fettes Geschäft.