Parteitag der US-Republikaner
«Eine ganze Menge Gratiswerbung»: Der Milliardär, der von Donald Trump profitiert

Für Dan Gilbert ist der Parteitag unbezahlbare Werbung: Die Republikaner tagen in einer Sportarena, die den Namen seiner Hypothekarbank «Quicken Loans» trägt.

Renzo Ruf, Cleveland (Ohio)
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Dan Gilbert ist auch Besitzer des Basketball-Teams «Cleveland Cavaliers». Sie gewannen in diesem Jahr die NBA-Meisterschaft.

Dan Gilbert ist auch Besitzer des Basketball-Teams «Cleveland Cavaliers». Sie gewannen in diesem Jahr die NBA-Meisterschaft.

KEYSTONE

Der heimliche Star des republikanischen Parteitags ist eine moderne Sportarena, die im Volksmund «The Q» genannt wird: die «Quicken Loans Arena». In der 20'000 Sitzplätze zählenden Halle, die sich im Besitz der öffentlichen Hand befindet, spielen normalerweise die «Cleveland Cavaliers» von LeBron James – in der vergangenen Saison das beste Basketball-Team in der NBA. Nun dient die Arena dem republikanischen Präsidentschaftskandidaten als Schaubühne.

Darüber freut sich nicht nur die herbe Industriestadt Cleveland, die mit dem Parteitag ihre Renaissance markieren will. Auch Dan Gilbert kann mit sich zufrieden sein. Der Parteitag der Republikaner in «seiner» Sportarena ist der ultimative Beweis dafür, dass er und sein Firmenimperium endlich ernst genommen werden.

Keine Filialen und keine Lizenz

Gilbert, 54 Jahre alt und fünf Milliarden Dollar schwer, ist Besitzer der «Cavaliers» und Gründer der Hypothekarbank Quicken Loans. Anfänglich von der Konkurrenz belächelt, ist der in Detroit (Michigan) domizilierte Konzern zum zweitgrössten Finanzierer von Hypotheken herangewachsen. Obwohl Quicken Loans seit der Jahrhundertwende keine Filialen mehr besitzt, und mit den Kunden nur übers Internet oder das Telefon in Kontakt tritt.

Dennoch – oder trotzdem – ist die Firma seit der Finanzkrise auf Wachstumskurs. Weil es sich bei Quicken Loans um ein privates Unternehmen handelt, sind die Kennzahlen geheim. Gemäss eigenen Angaben beschäftigt die Firma 15'000 Angestellte, einige hundert davon arbeiten in Cleveland.

Das Erfolgsgeheimnis von Quicken Loans? Zum einen verzichtete Gilbert bewusst darauf, eine Bankenlizenz zu beantragen. Im Gegensatz zur Konkurrenz muss er sich deshalb nicht mit den strengen Aufsichtsbehörden des Finanzsektors herumschlagen. Quicken Loans arbeitet allerdings mit den beiden öffentlich-rechtlichen Hypothekarbanken Freddie Mac und Fannie Mae zusammen und steht deshalb unter Aufsicht der Federal Housing Administration.

Post von der Kundenberaterin

Zum andern setzt Gilbert auf die Kraft des Internets, um den Hindernislauf zu beschleunigen, den amerikanische Kunden beim Abschluss einer Hypothek absolvieren müssen. Dies scheint zu funktionieren. In Umfragen geben Hauskäufer dem Service von Quicken Loans regelmässig sehr gute Noten.

Als der Schreibende kürzlich die Hypothek seines Hauses refinanzierte, erhielt er eine handgeschriebene Karte seiner Quicken-Loans-Kundenberaterin: Die Zusammenarbeit habe eine Menge Spass gemacht, schrieb sie sinngemäss, und sie wünsche der gesamten Familie alles Gute.

In Detroit und Cleveland ist Gilbert allerdings mehr als nur der Kopf einer Firma, die mithilfe fetziger Werbespots das Publikum anspricht. In der Autostadt in Michigan investierte er über ein komplexes Geflecht von Firmen in den vergangenen sechs Jahren mehr als 2 Milliarden Dollar.

Mittlerweile besitzt Gilbert in der Detroiter Innenstadt mehr als 60 Gebäude, die er langsam, aber beständig auf Vordermann bringt. In Cleveland wiederum hat er sich kürzlich ein Luxushotel an bester Lage unter den Nagel gerissen; auch ist er Besitzer eines Casinos im Stadtzentrum und eines ehemaligen Warenhauses.

Gilbert geht bei seiner Einkaufstour nicht systematisch vor, sondern packt zu, wenn sich Gelegenheiten ergeben. Er wolle den (häufig jungen) Angestellten seiner Firmen das Leben erleichtern, sagte er kürzlich einer Zeitung aus Detroit. Deshalb erweitere er sein Portfolio mit Immobilien, die er in Verbindung mit Unternehmen stünden, die er bereits besitze – ein Wohnblock hier, ein Ladengeschäft dort.

Gilbert wird oft mit Donald Trump verglichen, weil beide Männer ihr Geld mit riskanten Immobilientransaktionen verdient haben. Mit politischen Stellungnahmen hält sich Gilbert allerdings zurück. So will er nicht verraten, ob er Trump im Wahlkampf unterstützen werde – obwohl der Republikaner ihm doch eine ganze Menge Gratiswerbung beschert hat.