Nobel-Preis
Der Nobelpreis geht an: Denis Mukwege and Nadia Murad

Den Preis erhalten der kongolesische Arzt Denis Mukwege und die irakische Menschenrechtsaktivistin Nadia Murad. Murad ist die zweitjüngste Preisträgerin aller Zeiten.

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Der Friedensnobelpreis
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Nadia Murad
Denis Mukwege
Nadia Murad
Denis Mukwege
Der Friedensnobelpreis geht an?
2017: ICAN-Geschäftsführerin Beatrice Fihn vor den Medien in Genf. Die internationale Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen.
2016: Kolumbiens Präsident Juan Manuel Santos hat in Medellin die Plenarsitzung des Weltbiodiversitätsrates eröffnet.
2015: "Quartet du dialogue national" aus Tunesien. Einsatz für den nationalen Dialog.
2014: Im Alter von 17 Jahren mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet: Taliban-Schussopfer und Aktivistin Malala Yousafzai. (Archivbild)
2013: OPCW-Direktor Ahmet Uzumcu hält den Friedensnobelpreis 2013. Kampf gegen chemische Waffen.
1901: Henry Dunant, Gründer des Roten Kreuzes, ist allererster Friedensnobelpreisträger

Der Friedensnobelpreis

NobelPrize

Für ihren Kampf gegen sexuelle Gewalt als Waffe im Krieg erhalten der kongolesische Arzt Denis Mukwege und die irakische Menschenrechtsaktivistin Nadia Murad den Friedensnobelpreis 2018.

Die beiden hätten sich in herausragender Weise gegen solche Kriegsverbrechen eingesetzt, erklärte das norwegische Nobelkomitee am Freitag in Oslo. Mukwege habe sein Leben der Betreuung von Opfern sexueller Gewalt gewidmet, Murad als Zeugin vom Missbrauch gegen sich selbst und andere berichtet. "Jeder von ihnen hat auf seine Weise dazu beigetragen, sexuelle Gewalt im Krieg besser sichtbar zu machen, sodass die Täter zur Rechenschaft gezogen werden können", erklärte das Komitee.

Die heute 25-jährige Jesidin Murad ist selbst ein Opfer von Kriegsverbrechen. Sie wurde von der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) im Irak als Sex-Sklavin gehalten und vergewaltigt, wie schätzungsweise 3000 andere jesidische Mädchen und Frauen. Der jesidische Glaube ist die Ursprungsreligion der Kurden und vor allem im Nordirak, aber auch im Iran, in der Türkei und in Syrien verbreitet.

In der IS-Ideologie sind Jesiden "Ungläubige" und "Teufelsanbeter", weil diese auch einen Engel verehren. Zehntausende flohen 2014, als die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) grosse Gebiete im Nordirak überrannte. Während der IS die meisten jesidischen Männer wohl tötete, verkauften die Extremisten die Frauen als Sklavinnen. Ende 2017 vertrieb die irakische Armee den IS aus dem Land.

Der sexuelle Missbrauch sei systematisch und Teil einer militärischen Strategie gewesen, erklärte die Nobel-Jury. Murad gelang damals die Flucht, sie lebt inzwischen in Deutschland und macht als UN-Sonderbotschafterin auf die Qualen der IS-Opfer aufmerksam.

Genau das, was Alfred Nobel wollte

Der 63 Jahre alte Gynäkologe Denis Mukwege behandelt in seiner von Konflikten zerrissenen Heimat Kongo Tausende Opfer von Gruppenvergewaltigungen. Dafür gründete er 1999 das Panzi-Spital in Bukavu im instabilen Osten des Landes, wo er den Patienten auch psychologische, juristische und finanzielle Unterstützung anbietet. "Die Bedeutung von Doktor Mukweges engagierten und selbstlosen Bemühungen in diesem Bereich kann nicht genug betont werden", erklärte die Nobelpreis-Jury.

Experten hatten sich im Vorfeld schwer getan, einen Nobelpreisträger vorherzusagen, weil sie laufende Friedensprozesse etwa auf der koreanischen Halbinsel für zu instabil hielten. Kurz vor der Bekanntgabe waren die Namen von Mukwege und Murad aber immer höher gehandelt worden - auch im Zuge der #MeToo-Bewegung gegen sexuelle Belästigung. Die Jury würdigte mit dem Preis zudem den zehnten Jahrestag der UN-Resolution für Frieden und Sicherheit von Frauen, in der sexuelle Gewalt als Kriegsverbrechen anerkannt wird.

Die Arbeit von Mukwege und Murad erfülle genau die Kriterien, die Alfred Nobel in seinem Testament für den Friedenspreis festgelegt habe, erklärte das Komitee. "Eine friedlichere Welt kann nur erreicht werden, wenn Frauen, ihre Grundrechte und Sicherheit im Krieg anerkannt und geschützt werden." Mukwege und Murad hätten ihre eigene Sicherheit gefährdet, indem sie mutig Kriegsverbrechen bekämpft und Gerechtigkeit für die Opfer gesucht hätten.

Bisher zwölf Friedensnobelpreise für die Schweiz

Der Friedensnobelpreis ging bisher zwölfmal an die Schweiz: Gleich im ersten Jahr, 1901, an den Rotkreuz-Gründer Henry Dunant und im Jahr darauf an das Duo Elie Ducommun und Charles Albert Gobat. Danach wurden zehn Schweizer Institutionen mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet.

Das in Bern beheimatete Internationale Büro für Frieden, dessen Leiter Ducommun und Gobat nacheinander waren, erhielt den Friedensnobelpreis 1910.

Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) bekam die Auszeichnung gleich dreimal: 1917, 1944 und 1963, damals zusammen mit der Liga der Rotkreuz- und Rothalbmond-Gesellschaften.

Von den in Genf beheimateten anderen internationalen Organisationen erhielten das Internationale Nansen-Büro für Flüchtlinge den Friedenspreis 1938, das UNO-Flüchtlingshochkommissariat (UNHCR) 1954 und 1981, die UNO-Arbeitsorganisation (ILO) 1969, der Weltklimarat IPCC 2007 und zuletzt 2017 ICAN, die Internationale Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen. (sda)

Warum in Oslo?

Die Osloer Jury hatte sich unter 331 Anwärtern entscheiden müssen - 216 Personen und 115 Organisationen waren für den Preis vorgeschlagen. Nur wenige Nominierungen waren im Vorhinein bekannt.

Im vergangenen Jahr hatten die fünf Mitglieder des Nobelkomitees die in Genf ansässige internationale Kampagne zur atomaren Abrüstung (Ican) ausgezeichnet. Die Organisation erhielt den Nobelpreis für ihre "bahnbrechenden Bemühungen" um ein vertragliches Verbot von Atomwaffen. Damit forderte die Jury auch ausdrücklich alle Atommächte auf, ihre Verpflichtungen zum Verzicht auf diese Waffen einzuhalten.

Wie die Nobelpreise für Medizin, Physik, Chemie und Literatur wird der mit neun Millionen schwedischen Kronen (990'000 Franken) dotierte Friedensnobelpreis am 10. Dezember, dem Todestag des Preisstifters Alfred Nobel, verliehen. Überreicht wird die Auszeichnung allerdings anders als die anderen Nobelpreise nicht in Stockholm, sondern in der norwegischen Hauptstadt Oslo.

Warum Nobel dies damals entschied, ist nicht bekannt. In seinem Testament legte der Dynamit-Erfinder fest, die Auszeichnung solle an denjenigen gehen, der "am meisten oder besten für die Verbrüderung der Völker und die Abschaffung oder Verkleinerung stehender Armeen" gewirkt hat.

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