China
Apple und die Uiguren – Enthüllungsbericht belastet iPhone-Zulieferer schwer

Grosse Apple-Zulieferer haben Tausende Uiguren in Zwangsarbeitsprogrammen in China eingesetzt: Dies hat «The Information» in der Nacht auf Mittwoch enthüllt.

Daniel Schurter/watson.ch
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Polizeipräsenz in der Xinjiang-Provinz. Angehörige der ethnischen Minderheit der Uiguren sollen Zwangsarbeit für grosse westliche Tech-Konzerne geleistet haben. (Archivbild)

Polizeipräsenz in der Xinjiang-Provinz. Angehörige der ethnischen Minderheit der Uiguren sollen Zwangsarbeit für grosse westliche Tech-Konzerne geleistet haben. (Archivbild)

EPA

Sieben Firmen seien laut einer Untersuchung mit mutmasslicher Zwangsarbeit von uigurischen Muslimen und anderen verfolgten Gruppen in Verbindung gebracht worden. Die Betroffenen stammten aus der Region Xinjiang. Beim«Business Insider» heisst es:

«Die Untersuchung von The Information legt nahe, dass der Einsatz von Zwangsarbeit bei einigen der grössten Apple-Zulieferer weiter verbreitet ist als bisher berichtet.»

Apple habe bisher bestritten, mit Zulieferfirmen zu kooperieren, die von Zwangsarbeit profitierten. Die Uiguren sind eine ethnische Minderheit muslimischen Glaubens, die in China seit Jahren staatlicher Verfolgung ausgesetzt ist.

Eine aktuelle Stellungnahme von Apple liegt nicht vor.

Amazon, Google, Microsoft, Facebook und andere Unternehmen wurden laut The Information ebenfalls mit den fraglichen Zulieferern in Verbindung gebracht.

Apple listet die Namen der Zulieferfirmen, mit denen es zusammenarbeitet, nicht öffentlich auf. Offenbar recherchierten die Journalisten von The Information ausgehend von offiziellen Dokumenten und sprachen mit Informanten.

Ein Zulieferer, Lens Technology, der Apple gemäss dem aktuellen Bericht mit Glas für iPhones belieferte, soll seit 2018 insgesamt 600 Arbeiter aus Xinjiang erhalten haben.

Als Reaktion auf einen früheren Bericht über den Einsatz von uigurischen Zwangsarbeitern im Dezember 2020 hatte Apple verlauten lassen, man habe «null Toleranz für Zwangsarbeit» und habe keine Beweise dafür gefunden, dass Uiguren in die Betriebe dieses Zulieferers geschickt wurden.

Laut The Information ist nur einer der Lieferanten in Xinjiang, der westlichen Region Chinas, angesiedelt. Angeblich wurden Zwangsarbeiter auch fern ihrer Heimat eingesetzt.

Systematische Bespitzelung und Massenüberwachung

Im Juli 2019 hatten westliche Journalisten enthüllt, dass die chinesische Regierung die Überwachungsmassnahmen massiv ausweitete. Recherchen der «Süddeutschen Zeitung» und anderer Medien belegten, dass auch systematisch Ausländer an den Grenzen zu Xinjiang ausgespäht wurden.

Im September 2019 mehrten sich die Hinweise, dass das chinesische Regime mit einem massiven Hackerangriff auf iPhones Uiguren bespitzeln liess. Laut damaligen Berichten wurden auch Android-Smartphones und Windows-Computer über manipulierte Webseiten attackiert.

Im November 2020 wurde berichtet, dass Apple und andere US-Konzerne sich gegen ein Gesetz sträuben, das ihnen verunmöglichen soll, von Zwangsarbeit in China zu profitieren. Der Import entsprechender Produkte sei zu verbieten. Lobbyisten versuchen, die Bestimmungen zu verwässern.

Apple bestritt in der Folge die Behauptung, man habe versucht, die Gesetzgebung zu schwächen.

«Verbrechen gegen die Menschlichkeit»

Wegen der Verfolgung der muslimischen Minderheit der Uiguren hat die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch die internationale Gemeinschaft kürzlich zu härteren Sanktionen gegen China aufgefordert.

In einem am 19. April veröffentlichten Bericht zur Lage in der Region Xinjiang, wo der grösste Teil der chinesischen Uiguren lebt, warf die Organisation Peking «Verbrechen gegen die Menschlichkeit» vor (siehe Quellen).

Die chinesische Führung sei für eine «weit verbreitete und systematische Politik der Masseninternierungen, Folter und kulturellen Verfolgung verantwortlich», heisst es in dem Bericht. Dokumentiert werden unter anderem Fälle von willkürlichen Massenverhaftungen, Folter und Zwangsarbeit. Auch ist von Massenüberwachung, «kultureller und religiöser Auslöschung» sowie sexueller Gewalt die Rede.

Laut Human Rights Watch seien koordinierte internationale Massnahmen erforderlich, um die Verantwortlichen zu sanktionieren und die chinesische Regierung zu drängen, ihren Kurs umzukehren. Der UN-Menschenrechtsrat solle die Vorwürfe weiter untersuchen.

Sophie Richardson, China-Direktorin von Human Rights Watch, sagte: «Dass China ein mächtiger Staat ist, macht es umso wichtiger, ihn für seine unerbittlichen Missbräuche zur Rechenschaft zu ziehen.»

Die USA, die EU und Grossbritannien haben bereits Sanktionen gegen China wegen der Menschenrechtsverstösse in Xinjiang verhängt. Peking reagierte mit Gegenmassnahmen. (dpa)

Quellen