Geheimakten
54 Jahre nach dem Mord gibt Trump die JFK-Akten frei – 4 Gründe, warum das so spannend ist

Was steht in den Kennedy-Akten? Eine ganze Armada von Historikern, Attentatsforschern, Journalisten und Verschwörungstheoretikern steht bereit. Die Spannung steigt.

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Am 26. Oktober 2017 werden die unter Verschluss gehaltenen Kennedy-Akten der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Bild: Kennedy-Ermordung in Dallas.

Am 26. Oktober 2017 werden die unter Verschluss gehaltenen Kennedy-Akten der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Bild: Kennedy-Ermordung in Dallas.

Keystone

Donald Trump kann es offensichtlich kaum erwarten, die streng geheimen JFK-Akten heute Donnerstag endlich zu publizieren. «So interessant!», twitterte der US-Präsident. Wann genau die Dokumente heute durch das Nationalarchiv in Washington veröffentlicht werden, ist indes noch unklar.

Der damalige US-Präsident John F. Kenndy wurde am 22. November 1963 in Dallas von Lee Harvey Oswald erschossen. Zumindest in der offiziellen Version des Warren-Reports.

John F. Kennedy war ab 1961 der 35. Präsident der USA. Das Bild zeigt ihn bei seiner Rede bei der Inpflichtnahme am 20. Januar 1961 in Washington.
21 Bilder
John F. Kennedy (1917–1963)
Jacqueline "Jackie" Kennedy. Die Frau von JFK ist eine Ikone ihrer Zeit.
Eines der ganz seltenen Bilder, das Präsident John F. Kennedy an Krücken zeigt (1. Juni 1961).
April 1961: Der Präsident und die First Lady Jacqueline Kennedy verlassen die St. Edward's Catholic Church in Palm Beach, Florida, am Ostermontag.
Der amerikanische Präsident John F. Kennedy ist am 23. Juni 1963 auf dem Flughafen Wahn zu seinem ersten offiziellen Besuch in der Bundesrepublik eingetroffen. Das AP-Photo zeigt Kennedy und Bundeskanzler Konrad Adenauer.
Legendärer Auftritt in Berlin "Ich bin ein Berliner", sagt Kennedy bei seiner Rede in Berlin. Hintergrund: Am 13. August hatte die DDR begonnen, die Mauer zu bauen, welche den West- und Ostteil der Stadt hermetisch voneinenander abriegelte.
Kennedy in Berlin Hier mit Berlins Bürgermeister Willy Brandt (SPD) und dem westdeutschen Kanzler Konrad Adenauer (CDU). Brandt wurde 1964 Nachfolger von Adenauer.
26. Juni 1963: Bei seiner Rede vor Hunderttausenden Menschen beim Rathaus Schöneberg hielt sich John F. Kennedy nicht an das vorbereitete Manuskript.
Kennedy und der sowjetische Staats- und Parteichef Chruschtschow trafen sich am 3. und 4. Juni 1961 in Wien. Für Abrüstungsgespräche, die aber ohne Ergebnis blieben. 1962 kam es zur Kubakrise: Die Sowjetunion beschloss, auf Kuba atomare Waffen zu stationieren. Kennedy drohte per Fernsehanasprache mit einem Atomkrieg. Wie Kennedy die Krise meisterte und einen Dritten Weltkrieg verhinderte, gilt als aussenpolitische Meisterleistung.
13. Dezember 1961; Kennedy mit seiner Ehefrau Jacqueline vor dem Weihnachtsbaum im Weissen Haus.
29. Juni 1962: Kennedy beim Drei-Tage-Besuch in Mexiko – im Bild mit Präsident Adolfo Lopez Mateos in Mexiko City.
Kennedy galt es Frauenheld: Auch mit Marilyn Monroe soll er eine Affäre gehabt haben. Hier trägt die Schauspielerin ihr legendäres Kleid zum Geburtstagsständchen für Präsident John F. Kennedy im Madison Square Garden.
22. November 1963: John F. und Jackie Kennedy in Dallas. An diesem Tag wird Kennedy bei einem Attentat in Dallas erschossen.
Kennedy kam für einen Wahlkampfauftritt nach Dallas. Seine Wiederwahl galt als sicher.
Kennedy wurde bei der Fahrt im offenen Wagen um 12.30 Uhr an der Dealey Plaza mit mehreren Gewehrschüssen ermordet.
Leibwächter Clint Hill hechtet zwar auf die Limousine, doch der schwer verletzte Präsident ist nicht mehr zu retten - er stirbt im Spital. Die Hintergründe des Attentats sind bis heute unklar.
Zu spät - Kennedy ist tödlich getroffen.
Das soll die Tatwaffe sein.
Der mutmassliche Kennedy-Mörder Lee Harvey Oswald wird im nächsten Augenblick erschossen.
Der junge John F. Kennedy: Das Bild zeigt ihn am 22. Juni 1946, als er von den Demokraten in Massachusetts für die Kongresswahlen nominiert worden ist.

John F. Kennedy war ab 1961 der 35. Präsident der USA. Das Bild zeigt ihn bei seiner Rede bei der Inpflichtnahme am 20. Januar 1961 in Washington.

AP

Gab es einen zweiten Schützen? Steckten die CIA oder die Russen hinter dem Mord? Das Attentat ist bis heute Gegenstand von wildesten Spekulationen und Verschwörungstheorien. Nicht zuletzt, weil der Tatverdächtige Oswald zwei Tage nach dem Mord von einem Nachtklubbesitzer vor laufenden Kameras erschossen wurde. Oswald stand also nie vor Gericht.

Der mutmassliche Todesschütze Lee Harvey Oswald wird von einem Nachtklubbesitzer erschossen.

Der mutmassliche Todesschütze Lee Harvey Oswald wird von einem Nachtklubbesitzer erschossen.

Keystone

1. Der gigantische Aktenberg

Nun werden 3000 geheime Dokumente und Tausende geschwärzte Seiten veröffentlicht, die sich mit dem Kennedy-Attentat befassen.

Keystone

Eigentlich undenkbar, dass sich darunter keine spannenden neuen Fakten finden. Aber: Insgesamt gibt es über 5 Millionen Seiten an Dokumenten. 99 Prozent der Akten sind bereits der Öffentlichkeit zugänglich. 88 Prozent sind vollständig, bei den restlichen elf Prozent wurden heikle Inhalte vorher entfernt. 1991 hatte der Kongress beschlossen, dass die Akten für weitere 25 Jahre unter Verschluss bleiben. Diese Frist läuft heute ab. Trump hätte die Publikation jedoch mit einem Veto erneut verhindern können.

Archivare haben die Erwartungen aber bereits gedämpft. Es befinde sich keine «Bombe» in den Dokumenten.

2. Wie gingen die Geheimdienste vor?

Experten sind überzeugt, dass nicht restlos alle Dokumente ans Tageslicht kommen. Der Geheimdienst CIA setzte Trump laut dem Magazin Politico massiv unter Druck, einige Dokumente weiter unter Verschluss zu halten, um Zeugen oder noch lebende Agenten zu schützen. Ob er eingeknickt ist, werden wir sehen.

Kennedy sackt nach dem Attentat im Wagen zusammen.

Kennedy sackt nach dem Attentat im Wagen zusammen.

Keystone

Denn eine grosse Frage ist: Wie ist die US-Regierung bei ihren Ermittlungen tatsächlich vorgegangen? Welche Fehler haben die Geheimdienste gemacht? Die Akten könnten laut Experten neue Hinweise darauf liefern.

Professor Larry Sabato sagte zu ABC News, er sei besonders gespannt, ob die Sicherheitsdienste und Behörden wussten, dass Lee Harvey Oswald auf einer Baustelle arbeitete, die sich auf der Strecke des US-Präsidenten Kennedy befand.

3. Der ominöse Trip von Oswald

Es gibt aber auch 54 Jahre nach dem Mord noch viele Unklarheiten. Wenige Wochen vor dem Attentat machte Lee Harvey Oswald einen ominösen Trip nach Mexiko-City, wo er die kubanische und sowjetische Botschaft aufsuchte. Dort habe er bereits geprahlt, den Präsidenten zu töten. Während des Kalten Krieges hatten CIA und FBI die Botschaften ihres Feindes rund um die Uhr überwacht und Oswald deshalb auf dem Radar. Es ist möglich, dass die neuen Dokumente den Verdacht verstärken, dass die Geheimdienste im Vorfeld versagt hätten.

Oswald spricht nach seiner Verhaftung mit Medienleuten.

Oswald spricht nach seiner Verhaftung mit Medienleuten.

Keystone

Denn die eine Theorie hält sich bis heute hartnäckig. Oswald soll bei dem Attentat nicht alleine, sondern im Auftrag der Russen gehandelt haben. In den Geheimakten befindet sich offenbar ein 167-seitiges CIA-Dokument über das Treffen mit den Russen.

4. Wie benimmt sich Trump?

Für Donald Trump kommt die Veröffentlichung der Kennedy-Akten eigentlich wie gerufen. Mit den JFK-Akten als «Nebelpetarde» kann er von der Eskalation bei den Republikanern ablenken.

Aber: Die Akten könnten auch eine Lüge Trumps zum Vorschein bringen. Im Wahlkampf hat Donald Trump behauptet, die Familie seines Konkurrenten Ted Cruz hätte eine Verbindung zum mutmasslichen Attentäter Lee Harvey Oswald. Ted Cruz hat dies immer bestritten. Da bleiben wir gespannt, welche Twitter-Salven der amtierende Präsident nach der Veröffentlichung der JFK-Akten abfeuert. (amü)