USA
21 Monate Haft wegen Sexting: Ex-Parlamentarier stürzt über Sexsucht

Der Ex-Parlamentarier Anthony Weiner muss wegen Sexting 21 Monate ins Gefängnis. In Washington hatte er sich den Ruf eines Einzelgängers und cholerischen Chefs erarbeitet.

Renzo Ruf, Washington
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Anthony Weiner bereut seine Fehler und hat sich entschuldigt.

Anthony Weiner bereut seine Fehler und hat sich entschuldigt.

Mark Lennihan

Zuletzt versuchte es Anthony Weiner (53) mit einer Entschuldigung. Er sei süchtig, sagte der ehemalige Parlamentsabgeordnete am Montag vor der New Yorker Bundesrichterin Denise Cote und brach in Tränen aus – süchtig nach sexuellen Abenteuern mit wildfremden Frauen. Deshalb habe er zu Beginn des vorigen Jahres pornografische Botschaften mit einem 15-jährigen Mädchen aus North Carolina ausgetauscht. Er bereue seine Verfehlungen und habe sich beim Opfer entschuldigt.

Richterin Cote liess diese Entschuldigung aber nicht gelten. Das Mädchen aus North Carolina, das seine Geschichte im vergangenen September über ein britisches Boulevardblatt publik gemacht hatte, sei zum Zeitpunkt des virtuellen Austausches minderjährig gewesen. «Das ist ein ernsthaftes Verbrechen.» Aus diesem Grund verurteilte die Bundesrichterin den demokratischen Ex-Parlamentarier zu einer Gefängnisstrafe von 21 Monate, die er Anfang November antreten muss. Und so endete nach drei Jahrzehnten die politische Karriere des Naturtalents Anthony David Weiner.

Einzelgänger und cholerisch

Weiner war ein Zögling von Chuck Schumer, dem heutigen Minderheitsführer der Demokraten im Senat. Nach einem Gastspiel im New Yorker Lokalparlament ersetzte er Schumer im Repräsentantenhaus in Washington. Weiner gab in der Hauptstadt den Einzelgänger und war berüchtigt als cholerischer Chef. Er setzte sich aber auch geradezu fanatisch für die Interessen seiner Wähler ein. Damit verschaffte er sich in Washington zumindest Anerkennung. Auch privat kam Weiner voran. 2010 heiratete er Huma Abedin, die enge persönliche Beraterin der damaligen Aussenministerin Hillary Clinton. Die beiden sind Eltern eines Sohnes, der bald sechs Jahre alt sein wird. Doch dann brach das Luftschloss zusammen. 2011 trat Weiner aus dem nationalen Parlament zurück, weil er dabei erwischt worden war, wie er ein Foto seines Penis auf Twitter veröffentlicht hatte.

Als er zwei Jahre später auf lokaler Ebene einen Comeback-Versuch unternahm, und zum zweiten Mal für das Amt des New Yorker Stadtpräsidenten kandidierte, zeigte sich: Dieser Ausrutscher war kein Einzelfall gewesen. Unter dem Decknamen «Carlos Danger» hatte Weiner regelmässig Nachrichten sexueller Art mit wildfremden Frauen ausgetauscht. Und obwohl das ganze Land über den Demokraten lachte (oder ihn verfluchte), gab Weiner seinen Trieben weiter nach – bis er letztes Jahr dabei erwischt wurde, wie er obszönes Material mit einer Minderjährigen austauschte.

«Er bringt mich ins Grab»

Dass er dabei wohl auch beim Ausgang der Präsidentenwahl eine wichtige Rolle spielte, ist nur eine weitere Facette dieser tieftraurigen Geschichte. Denn Weiners Taten führten dazu, dass die Bundespolizei FBI seine Laptops durchsuchte – und dabei auf E-Mails von Hillary Clinton stiess, die Huma Abedin gespeichert hatte. «Dieser Mann wird mich noch ins Grab bringen», soll Abedin damals gesagt haben. Vorige Woche reichte sie die Scheidung ein.

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