Herr Schoeck, was veranlasst den Schweizer Heimatschutz zur Auszeichnung des Ballyparks?

Patrick Schoeck: Interessant ist die Lage des Ballyparks: Mitten in einer unglaublichen Industrielandschaft, und zudem sozusagen in der Mitte der Mitte der Schweiz – im Niederamt zwischen Aarau und Olten, einem Gebiet ohne eigenes Zentrum. Mit dem Zug fährt man direkt daran vorbei, und wir fragten uns: Warum gibts den Park immer noch, nach dem Wegzug von Bally? Was wir fanden, ist beispielhaft: Drei Gemeinden, die den Park übernommen haben und nun gemeinsam dazu Sorge tragen. Das gemeinschaftliche Nutzen und Pflegen dieses Industriedenkmals zeichnen wir mit dem Schulthess Gartenpreis aus.

Wie ist der Ballypark im Vergleich zu anderen bekannten Parks und Gärten der Schweiz einzustufen?

In vieler Hinsicht ist er einzigartig. Man könnte sagen, es ist der erste Volkspark in der Schweiz. Er wurde nicht für Könige oder Fürsten angelegt, sondern für die Allgemeinheit. Mit seiner Entstehung um das Jahr 1870 ist er damit ein sehr früher Vertreter des öffentlichen Parks. Charakteristisch ist ausserdem die Verbindung von Industrie- und Gartenkultur. Der von Bally für die Erweiterung des Parks um 1890 beigezogene Evariste Mertens (1846–1907) war in der Schweiz der berühmteste Gartenarchitekt seiner Zeit.

Was erwartet der Heimatschutz, was mit der Preissumme von 25 000 Franken passieren soll?

Zum einen ist es eine Würdigung von aussen, ähnlich wie beim Wakker-Preis. Gerade im Fall des Ballyparks, wo der Preis nicht einer Stadt zugutekommt, ist er auch eine konkrete Investitionshilfe. Die Gemeinden sollen mit dem Geld im Park etwas machen, was sie sich sonst nicht leisten könnten.

Was möchten Sie mit der Vergabe des Schulthess Gartenpreises an den Ballypark erreichen?

Lokal möchten wir Bevölkerung und Politik dafür sensibilisieren, dass sie mit dem Ballypark eine Anlage von nationaler Bedeutung besitzen: Um etwas zu würdigen und zu pflegen, muss man wissen, was man hat. Das Zusammenwirken der drei Gemeinden finden wir aber auch für andere vorbildlich. Angesichts des Verlusts von wertvollen Räumen durch die Bautätigkeit zeigt es eine Perspektive auf. Das gemeinsame Vorgehen der Gemeinden im Niederamt könnte beispielsweise auch im Kanton Zürich und in anderen Landesgegenden Früchte tragen.

Ganz allgemein: Was zeichnet der Schweizer Heimatschutz mit dem Schulthess Gartenpreis aus?

Anfänglich war es die Gestaltung von Privatgärten. Heute suchen wir vor allem Projekte, die nicht nur ästhetisch schön sind, sondern mit den Mitteln der Landschaftsarchitektur einen sozialen Mehrwert für die Bevölkerung schaffen.