Inertstoffdeponie Attisholzwald

Von «völlig überdimensioniert» bis «sinnvoll»: Geplante Erweiterung bringt 46 Mitwirkungseingaben

Die Richtplananpassung für die Erweiterung der Inertstoff-Deponie im Attisholzwald lag in Flumenthal und Riedholz bis Dienstag öffentlich auf. 46 teils kritische Mitwirkungseingaben gingen ein.

Die Richtplananpassung für die Erweiterung der Inertstoff-Deponie im Attisholzwald lag in Flumenthal und Riedholz bis Dienstag öffentlich auf. 46 teils kritische Mitwirkungseingaben gingen ein.

Die Frist für Mitwirkungseingaben zur geplanten Erweiterung der Inerstoffdeponie Attisholzwald ist abgelaufen. Bei den 46 Eingaben überwogen die Kritischen leicht.

Die geplante Erweiterung der Inertstoffdeponie im Attisholzwald hat 46 Mitwirkungseingaben zur Folge. Dies ist von Rolf Glünkin, Leiter Grundlagen/Richtplanung beim Amt für Raumplanung zu erfahren. Die Anzahl der kritischen Eingaben sei etwas höher als die Anzahl der zustimmenden Eingaben.

«Die kritischen Eingaben sind teils recht umfangreich.» Es werde deshalb einige Zeit brauchen, diese zu analysieren und auszuwerten. Und: «Es sind vielerlei Ängste vorhanden, die wir ernst nehmen müssen.» Am Ende soll ein «gutes Projekt» zur Erweiterung der Deponie auf Gemeindegebiet von Flumenthal und Riedholz aufgelegt werden, weshalb die Mitwirkungen entsprechend gewürdigt würden.

Viele Eingaben wurden von Privaten gemacht – teils anonym, was möglich sei, teils in Briefen oder mit den offiziellen Formularen. Eine umfangreiche Eingabe stammt von der Bürgerbewegung Riedholz. Von den grösseren Organisationen haben sich beispielsweise Pro Natura oder die Einwohnergemeinden Riedholz und Luterbach gemeldet.

Nach der Auswertungen der Mitwirkungen wird laut Glünkin ein Bericht erstellt. «Wir wollen mit den Gemeinden absprechen, wie wir anschliessend verfahren sollen.» Möglich sei, weil die Materie komplex ist, dass der Kanton zu einem Informationsanlass einlädt, an dem den Mitwirkenden die Stellungnahmen des Kantons erläutert werden.

«Vorher muss das Projekt aber noch eine Runde bei den involvierten Ämtern machen.» Um die Wurst geht es dann mit der anschliessenden Auflage der Nutzungsplanung. Dort können die Berechtigten wie Anstösser oder Verbände dann Einsprache führen.

Derweil hat der Kanton vom Bund grünes Licht für die Richtplananpassung erhalten. «Die Nachlieferung in Sachen Grundwasserschutz wurde für gut befunden», erklärt Rolf Glünkin. Die Deponie darf im Attisholzwald erweitert werden. Die definitive Ausgestaltung ist Sache der aktuell laufenden Nutzungsplanung.

Viel Stoff der Bürgerbewegung

Die Bürgerbewegung Riedholz, die ursprünglich eine Petition mit 350 Unterschriften an den Gemeinderat eingereicht hatte, um die Gemeindebehörden zu einer kritischen Auseinandersetzung mit dem kantonalen Vorhaben zu bewegen, hat selber eine umfangreiche Eingabe erstellt.

Darin wird die Erweiterung als «völlig überdimensioniert» kritisiert. Mit Zahlen versucht die Bürgerbewegung zu belegen, dass nicht von 80 000 Kubikmetern Inertstoffen jährlich, sondern nur von 30 000 Kubikmetern auszugehen sei. Dies hätte zur Folge, dass der Perimeter der Erweiterung stark reduziert werden kann und Aufschüttungen unnötig sind.

Ein weiterer wesentlicher Punkt der Bürgerbewegung-Eingabe ist, dass das Gesetz neu keine Inertstoffdeponien, sondern Deponien verschiedener Kategorie kennt. Im Attisholzwald ist eine Deponie Typ B (teilweise A) geplant, so die Bürgerbewegung.

«In diesem Deponietyp dürfen nicht nur Inert-, sondern auch Giftstoffe in den Abfällen deponiert werden», schreibt nun die Bürgerbewegung in der Eingabe.

Grenzwerte für Giftstoffe

Die Umbenennung von Inertstoffdeponie zur Deponie Typ A oder B ist aber laut Martin Moser, zuständig für Abfallbewirtschaftung beim kantonalen Amt für Umwelt, rein formal. «Es ändert sich bei den Grenzwerten nichts. Man darf nicht vergessen, es werden leicht verschmutzte Stoffe abgelagert.»

Wären die Stoffe sauber, dürften sie nicht auf eine Inertstoffdeponie gelangen, sondern müssten wieder verwertet werden. «Die Abfallstoffe werden nicht blind entgegengenommen. Das Amt für Umwelt analysiert die Abfälle und kontrolliert diese auf die einzuhaltenden Grenzwerte.»

Die Auflistung der Stoffe, welche auf einer Deponie A oder B mit abgelagert werden dürfen ist lang und reichen von A wie Antimon oder Arsen über Quecksilber bis zu Z wie Zink. Dabei sei eine Hochrechnung der Grenzwerte, wie dies in der Mitwirkungseingabe der Bürgerbewegung angestellt wird, eine mathematische Spielerei, so Moser.

«Natürlich hat nicht jede Abfalllieferung die erlaubte Menge aller aufgeführten Stoffe.» So sind beispielsweise bei Blei 500 Milligramm, also ein halbes Gramm, pro Kilogramm Abfallmenge erlaubt. In der Eingabe wird nun hochgerechnet, dass mit diesem Grenzwert pro Jahr 76 Tonnen Blei und bis zum Erschöpfen der Grube 2375 Tonnen Blei abgelagert werden können.

«Dann müsste aber jeglicher angelieferte Abfall Blei enthalten, das ist natürlich nicht der Fall», erklärt Moser.

Pro Natura eher positiv

Es sei sinnvoll, anfallende Inertstoffe regional zu deponieren, damit lange Transportfahrten vermieden werden können, schreibt Pro Natura in ihrer Eingabe. Der Verband kön-
ne die Interessenabwägung zugunsten des Deponiestandortes nachvollziehen.

Im Weiteren konzentriert sich der Naturschutzverband in seiner Eingabe auf einzelne Massnahmen und deren Umsetzung.

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