Für die einen ist es eine Vision, für die andere bleibt es die Katze im Sack. An den Fronten, die sich entlang der Frage bilden, ob Zuchwil und Solothurn zusammengehören, ändert sich so schnell nichts mehr. Jedoch vielleicht im Mittelfeld, das der Urnenabstimmung vom 28. Februar noch unentschlossen entgegenblickt. Für sie alle haben die Stadtparteien, sowie die Grünen und die SP aus Zuchwil das gestrige Podium vor rund 150 Zuhörern im Alten Spital veranstaltet. Moderiert wurde der Anlass von Theodor Eckert, Chefredaktor dieser Zeitung. Auf der Seite der Befürworter machten sich die beiden Gemeindepräsidenten Stefan Hug und Kurt Fluri stark, auf der Seite der Gegner Kantonsrat Roberto Conti und Ulrich Bucher, alt Gemeindepräsident von Zuchwil.

Zu ihrer Rückendeckung kamen zwei hinzu, die es aus Erfahrung wissen müssen: Walter Domeisen, alt Stadtpräsident von Rapperswil, der die Fusion mit Jona 2007 erfolgreich mitgetragen hatte. Und: Böbes Aerni vom Komitee «Fusion Olten Nein», das sich – ebenso erfolgreich – gegen die Fusion Oltens mit Trimbach, Hauenstein-Ifenthal und Wisen gestellt hatte.

Podium zur Fusion zwischen Solothurn und Zuchwil

Podium zur Fusion zwischen Solothurn und Zuchwil

Schwerfällige Verwaltung in Sicht?

Domeisen seinerseits kam die Debatte in Solothurn «sehr bekannt vor»: «Viele Leute haben das Gefühl, wenn der Name ihrer Gemeinde nicht mehr auf dem Briefpapier steht, geht ihnen was ab. Diese Gefühle muss man ernst nehmen.» Sein Argument für die Fusion sei immer gewesen, Handlungsfreiheit zu gewinnen, obwohl sich dessen eher die Gegner bedienten. In vielen Fragen habe man sich mit der anderen Gemeinde besprechen müssen, bis man zum Schluss gekommen sei, dass eine Stadt Rapperswil-Jona mit einer Politik und einer Gemeinschaft dies besser bewerkstelligen könne. Auf der anderen Seite sieht Böbes Aerni keinen vernünftigen Grund für eine Fusion, erst recht nicht, weil der Verwaltungsapparat dadurch schwieriger zu regulieren sei. Dies findet auch Bucher, der Fusionen vor 20 Jahren noch etwas abgewinnen konnte: «Mittlerweile musste ich die schmerzliche Erfahrung machen, dass Verwaltungseinheiten schwerfällig operieren.» Ins gleiche Horn stiess Roberto Conti, der überdies auch die Besitzstandswahrung kritisierte, die die Beschäftigten vor einer Wegrationalisierung schützen soll.

Dies sei ein Klischee, hielt Kurt Fluri entgegen: «Grösser heisst nicht schwerfälliger, heisst auch nicht dass es anonymere Verwaltungsabteilungen gibt oder unkontrollierbare Slums.» Ausserdem könne man ausser auf der Ebene der Verwaltungsleiter keine Stellen wegkürzen.

Industrie als Risiko oder Chance

Stefan Hug zeigte sich seinerseits bemüht, die attraktiven Seiten der «Braut» Zuchwil für Solothurn zu unterstreichen. «Wir fusionieren aus freien Stücken.» Verschiedene Auszeichnungen habe die Gemeinde erhalten. Fluri leistete Schützenhilfe und ging auf die Industriebrachen Zuchwils ein, die einiges versprächen, wie auch das Beispiel Biogen in Luterbach zeige. Für Conti ein «Klumpenrisiko»: Zuchwils aus dem Ausland gesteuerten Industrieansiedlungen stellten eine «Blackbox» dar. Was Aerni am Klumpenrisiko Alpiq untermauerte, das durch Steuerausfälle die Stadtkasse der Standortgemeinde Olten in die finanzielle Krise gestürzt hatte.

Weiter ging Ulrich Bucher darauf ein, dass Zuchwil durch die Fusion ins demokratische Hintertreff geraten könnte. «Berücksichtigt man den Ausländeranteil, so macht Zuchwil gegenüber Solothurn nur einen Stimmenanteil von 27 Prozent aus, politisch eine deutliche Minderheit.» Unverständnis dafür zeigte Fluri: «Welches Interesse sollten wir haben, eine Minderheit zu dominieren?» Bald schwenkte die Diskussion auch auf die Steuerfrage ein, wobei Conti Fluri konfrontierte: «Ich verstehe nicht, warum er auf eine SP-Motion hin die Errungenschaft seiner Amtszeit, nämlich die Steuersenkung, aufs Spiel setzt.» Damit drückte Conti auch den Zweifel über den in der Abstimmungsbotschaft kommunizierten möglichen Steuersatz von 115 Prozent aus.

Was vor der Hochzeit geregelt wird

Bevor die Diskussion für die anwesenden Zuhörer und ihre kritischen Fragen und Anmerkungen geöffnet wurde, gingen die Podiumsteilnehmer auch auf die sprichwörtliche «Katze im Sack» ein: Viele Fragen, so die Befürworter, können erst nach der Annahme des Fusionsvertrags in der neuen Gemeindeorganisation bestimmt werden, beispielsweise auch jene der Polizeiorganisation.

Viele Fragen aber möchten die Gegner, Kritiker und Skeptiker schon vorher behandelt wissen. «Jetzt besteht leider keine Zeit mehr, um Mängel zu klären», bedauerte seinerseits Ulrich Bucher. Erfahrungswerte aus Rapperswil-Jona trug daraufhin Domeisen in die Diskussion hinein: «Es ist wie bei einem Brautpaar. Die gröbsten Dinge werden vor der Hochzeit geregelt. Aber viele Einzelheiten kommen erst in den Jahren danach dran.»