Eigentlich möchte sie jetzt vor der Abreise zum Weltturnfest Gymnaestrada in Helsinki lieber gar nicht so herausgehoben werden, antwortet Denise Fluri, Ehefrau von Stadtpräsident Kurt Fluri, auf die Anfrage dieser Zeitung. «Vorbereitung und Besuch der Gymnaestrada, an der die Schweiz fast traditionsgemäss das zweitgrösste Kontingent mit diesmal 4000 Turnerinnen und Turnern stellt, gelingen nur als gut funktionierendes Gemeinschaftswerk», sagt sie. «Umfassende Logistik und Organisation, die in den Händen unzähliger Freiwilliger liegt, machen diese Mitwirkung des Schweizerischen Turnverbandes und etlicher Kantonalverbände in Finnlands Hauptstadt erst möglich.»

Was nämlich von langer Hand geplant und in die Tat umgesetzt wird, kann Fluri gut beurteilen. Als Mutter von fünf Kindern ist sie für einen lebhaften Haushalt zuständig und unterstützt ihre fast 18-jährigen Zwillingstöchter und deren 14-jährige Schwester in ihren sportlichen Zielen im Synchronschwimmen und in der Gymnastik.Als Hobby amtet sie seit 2009 als Gemeindeschreiberin der christkatholischen Gemeinde.

Aber auch die 10-jährigen Zwillingssöhne können sich auf mütterliche Vorarbeit verlassen. Alles, was sie in den nächsten 14 Tagen brauchen, liegt gemäss Packliste ordentlich gebündelt bereit, um bereits jetzt im Vorfeld abtransportiert zu werden. Beide Buben besuchen nämlich ein Pfadfinder-Sommerlager, das auch die Zeit des Gymnaestrada-Aufenthalts ihrer Mutter überbrückt.

«Diesmal habe ich wirklich Glück, und die Betreuung unseres Nachwuchses ist während meiner inzwischen siebten Gymnaestrada-Teilnahme sichergestellt», freut sich Fluri. Einmal, und zwar 2003 für die in Lissabon stattfindende Veranstaltung, nahm sich ihr Ehemann Kurt eine Woche Ferien und managte alles zu Hause und bei den damals noch drei Kindern. «Er kann das super», rühmt seine Frau den normalerweise ausser Haus beruflich und politisch Vielbeschäftigten.

Die Lust an der Bewegung

Sie komme zwar aus keiner ausgesprochenen Turnerfamilie, aber das Programm der Turnerinnengruppe Bellach habe sie schon als junges Mädchen angesprochen. Vereinsleiterin Jeannette Häusler habe sie und andere Mitglieder mit turnerischen Angeboten regelrecht «packen» können. «Ich wusste, ich war mit meiner Bewegungslust am richtigen Ort», sagt die ehemalige Bankmitarbeiterin. Diese Motivation habe sie so stark beflügelt, dass sie Kurse auf Verbandsebene besuchte, ihren Verein einige Jahre leitete und Aufgaben im damaligen Solothurnischen Frauenturnverband übernahm.

Vier Jahre führte sie dessen Gymnastikkommission und warb dabei auch für die Idee des Weltturnfestes. Die Grossraumvorführung mit Seil 1987 im dänischen Herning war persönlich ihre erste Teilnahme. Dann folgte 1991 Amsterdam, wo sie in der aus der ganzen Schweiz beschickten Gruppe «Helvetia» teilnahm, die ihre Premiere aus Anlass von «700 Jahre Eidgenossenschaft» am Eidgenössischen Turnfest in Luzern feierte. 1995 in Berlin beteiligte sie sich als Mitgestalterin an einer Bühnenvorführung, getragen von Turnenden aus dem Raum Solothurn.

Schon erwähnt war im Gymnaestrada-Vierjahresturnus der Durchführungsort Lissabon, der ihr besonders gut gefallen habe. «Diese kleinen Freiheiten zwischendurch haben mir immer gutgetan», sagt sie mit Blick auf perfekte Vorführungen, Kameradschaft in der Gruppe und Begegnungen mit Menschen aus aller Welt.

Gar nicht weit wars 2007 ins österreichische Dornbirn, während sich eine Familien-Praktikantin und ihr Ehemann um die inzwischen fünf Kinder kümmerten. Nah war 2011 auch Lausanne, wohin sie für einige Tage sogar ihre Kinder mitnahm.

Aber wie konnte sie sich die Zeit für Trainings und die vielen Übungszusammenzüge «frei schaufeln»? «Ich hatte über Jahre wunderbare, verlässliche Babysitter hier aus unserem Quartier, die mir eine grosse Hilfe waren.»

Turnerinnen und Turner aus Solothurn und aus dem Aargau zeigen in Helsinki drei Mal ihre Bühnenvorführung zum Thema Hafenszenen, betitelt «Dock’s alive». Rollen in dem zwölfminütigen Potpourri spielen Clochards, Fischer, Matrosen, dargestellt von Turnern beider Kantone. «Wir Frauen treten als Touristinnen auf, die tänzerisch-gymnastische Akzente in das Geschehen bringen», berichtet Fluri über diesen Teil der Vorführung.

Schon jetzt freut sie sich neben dem Ideenreichtum der internationalen Darbietungen in Helsinki auf das besondere Highlight der Eröffnungsfeier, an der das Schweizer Team in optisch ansprechenden, rot-schwarzen Anzügen auftritt und nicht nur bei den treu mitgereisten Schweizer Supportern für ein «Gänsehaut-Gefühl» sorgt.