Husten, Augenreizung, Kopfschmerzen, sowie Atemprobleme; viele Leute verspüren die enorme Hitze der letzten Tage als gesundheitsbelastend. Doch nicht nur die Wärme führt dazu, dass unser Körper mit verschiedenen Symptomen kämpft. Auch die hohe Ozonbelastung im Sommer, welche auch als «Sommersmog» bekannt ist, kann für diese Symptome verantwortlich sein. Sommersmog entsteht durch die UV-Strahlung der Sonne in der Verbindung mit den Luftschadstoffen Kohlenwasserstoffen VOC und Stickoxid NO2.

Wenn das Ozon die 180 Mikrogramm/m³ Grenze überschreitet und eine stabile Schönwetterlage vorliegt, erfolgt eine offizielle Mitteilung durch die Bau-, Planungs- und Umweltdirektoren-Konferenz (BPUK). Dies war vom 1. bis zum 3. Juli der Fall. Die Werte für die Nordwestschweiz lagen in den letzten Tagen zwischen 120 bis 180 Mikrogramm/m³.

Ozon und die Industrie

Der «Sommersmog» kann im Extremfall sogar den vorzeitigen Tod auslösen. In der Schweiz betrifft dies pro Jahr etwa 150 bis 300 Personen, wie das Bundesamt für Umwelt (Bafu) mitteilt. Besonders betroffen seien Personen, welche sich häufig im Freien aufhalten, empfindlich reagierende Erwachsene sowie Kinder und Jugendliche. Längerfristig kann die hohe Luftbelastung auch zu erhöhter Sterblichkeit an Atemwegs- und Herz-/Kreislauferkrankungen sowie Neuauftreten und Erschweren von Asthma führen.

Wie das Bafu feststellt, sind industrielle und gewerbliche Prozesse Hauptquellen der Ozonbildung. Die Industrie ist vordergründig für die Emission der Vorläuferschadstoffe VOC verantwortlich. Rund 50% dieser Schadstoffe stammen dabei aus prozessbedingten Emissionen. Besonders die Verwendung von Reinigungs- und Lösungsmitteln ist problematisch. Zwar konnte die Emission dieser Stoffe massiv reduziert werden, aber noch nicht genug. Die Industrie und das Gewerbe sind jedoch dazu verpflichtet, ihre Emissionen im Rahmen der technischen Möglichkeiten stetig zu reduzieren, und werden von den kantonalen Behörden periodisch kontrolliert.

Markus Chastonay, Abteilungsleiter Luft und Lärm vom kantonalen Amt für Umwelt erklärt, dass die VOC-Abgaben, welche seitens der Industrie getätigt werden müssen, zu einer Verbesserung der VOC-Situation geführt haben. Zudem wird in der Industrie vermehrt auf wasserhaltige Farben und ebensolche Lösungsmittel gesetzt, was auch zur Reduktion der Emissionen beigetragen hat.

Ozon und die Strasse

Die Quelle der zweiten Vorläufersubstanz NO2 lässt sich vor allem im Strassenverkehr finden. So setzen besonders Dieselfahrzeuge, trotz Partikelfilter, eine hohe Menge an Stickoxiden frei.

Im Allgemeinen stellt der Strassenverkehr mit zirka 50% der Gesamtemissionen die grösste Emissionsquelle von Luftschadstoffen dar. Um dieser Emission entgegenzuwirken, wird im Kanton Solothurn effiziente und nachhaltige Mobilität durch das Mobilitätsmanagement des Kantons gefördert. Massnahmen wie verkehrsfreie Tage oder Geschwindigkeitsherabsetzung sieht der Kanton Solothurn nach Markus Chastonay jedoch nur bei Wintersmog vor.

Bei Wintersmog führt eine Inversionslage dazu, dass sich eine warme Luftschicht über die kalte Bodenschicht schiebt und dabei wie ein Deckel wirkt. So können die Luftschadstoffe aus der unteren Luftschicht nicht mehr abgeführt werden und erreichen innert weniger Tage oder Wochen eine hohe Konzentration.

«Kurzfristige Massnahmen zeigen im Falle von Sommersmog kaum eine Wirkung. Aber langfristige Massnahmen, wie der Einsatz sauberer Fahrzeuge haben bereits dazu geführt, dass die Ozonbelastung im Mittelland gesunken ist», sagt Chastonay. So wurden in den 90er-Jahren bei ähnlichen Wetterlagen wie jetzt in der Nordwestschweiz jeweils noch Ozonkonzentrationen bis 230 µMikrogramm/m³ gemessen.

Der Ozonbelastung entfliehen ...

...wird auf die Schnelle wohl kaum möglich sein. Geschlossene Räume und das Aufsuchen weniger belasteter Gebiete scheinen die einzigen funktionierenden, individuellen Schutzmassnahmen darzustellen. Auf Makroebene kann die Ozonbelastung kurzfristig nicht durch Anlagenabschaltung und Verkehrsvermeidung wesentlich bekämpft werden, erfordert aber langfristig die Nachrüstung und den Austausch von veralteten Anlagen und Fahrzeugen und das Zusammenspannen aller Betroffener, denn lokal sei das Ozonproblem laut Chastonay kaum zu lösen.