Anruf bei der Partnervermittlung in Olten. Eine Frau hebt ab, die Stimme warm und freundlich. Wir verabreden uns nahe am Bahnhof. «Treffen Sie sich an einem neutralen Ort», rät mir schliesslich der Prospekt der Agentur.

«Wie erkenne ich Sie?», fragt die Frau, die das Büro Zentralschweiz, Aargau und Solothurn von «Partnervermittlung mit Herz» leitet. «Dunkelblaue Jacke», sage ich. Und dann: «schlank, 33». Sofort bin ich im Inserate-Jargon.


«Wenn in Ihrem Herzen noch ein Platz frei ist und Sie mit ihrem Partner durch dick und dünn gehen möchten, dann sprechen Sie mit uns.» (Agenturprospekt)

Das Treffen. «Bleiben Sie in Ihren natürlichen Verhaltensweisen und geben Sie sich ungezwungen», rät der Prospekt. Kein Problem. Es geht ja nur um ein Interview und nicht um eine Date. Die Frau, die gegenüber sitzt, Partnervermittlerin Maya Kappeler, ist gross gewachsen und charmant. Sie trägt einen Ehering. Seit 15 Jahren versucht sie im Beruf, Amors Pfeile in die richtige Richtung zu lenken.

Die 53-Jährige ist eine der wenigen Partnervermittlerinnen, die es noch gibt. Das Internet hat mit unzähligen Datingapps den traditionellen Beziehungsknüpfern das Handwerk erschwert. Oder doch nicht ganz? «Am Anfang war es so. Wir spürten Umsatzrückgänge», sagt Kappeler. «Heute zieht es wieder an.

Trotzdem: Gerade einmal zwei Agenturen zählt das Telefonbuch für den Kanton Solothurn, darunter die Agentur, in der Kappeler arbeitet. Sie hat, so stellt sich heraus, nur einen Telefonbucheintrag in Olten. Tatsächlich operiert sie von Luzern aus am offenen Herzen der Kunden.

«Wir wissen, dass Zweisamkeit das Wichtigste auf der Welt ist. Wir wissen aber auch, dass es in unserer Gesellschaft immer schwieriger wird, andere Menschen kennen zu lernen.»

Warum funktioniert eine Partnervermittlung in Zeiten des Internets? Onlinedating sei aufwendig, sagt die Fachfrau. «Ein Internetprofil aktuell zu halten, braucht Zeit.» Männer schreiben Dutzende Anfragen, aber erhalten nur wenige Antworten. Profile müssen gepflegt werden. «Und im Internet wird oft gelogen.» Wer darob mürbe wird oder zu wenig Zeit hat, lagert das gerne an die real existierende Partnervermittlung aus. Rund 1000 vermittlungswillige Personen zählt Kappeler in ihrer Kartei.

Es ist das Bauchgefühl von Maya Kappeler, das die Kontaktvorschläge ausarbeitet, kein Computerprogramm wie im Internet. «Ich kenne die Kunden persönlich», sagt sie. Gegen Internet-Dating-Portale hat Kappeler nichts. Doch wenn der Computer aufgrund Dutzender Fragen ermittelt, was zusammenpasst, wird für Kappeler der Rahmen «viel zu eng gefasst». Das Schicksal darf zu wenig spielen.


«Für die Welt bin ich irgendjemand. Aber für irgendjemanden bin ich die Welt.»

Eine rote Rose ziert den Prospekt der Firma. Natürlich. Partner sind in Inseraten fast immer schlank, treu, zuverlässig, humorvoll. Kappeler lacht. «Ja», sagt sie, angesprochen auf Standardfloskeln, «fröhlich, aufgestellt, und unkompliziert wollen auch alle sein». Das seien zweifellos Klischees. Und doch: «Es steht dort, weil es das ist, was sich die Leute von einem Partner oder einer Partnerin wünschen.»

1600 Franken kostet der Dienst für ein Jahr – fünf «Rendez-vous» inklusive. Die «Mitgliedschaft bis zum Erfolg» kostet mehrere tausend Franken. Warum zahlen Menschen so viel Geld? Die Sehnsucht nach Liebe ist offenbar nur allzu menschlich. «Wir wissen alle aus tiefstem Herzen, dass Zweisamkeit, Liebe und Partnerschaft das Natürlichste und Wichtigste auf der Welt sind», steht im Prospekt. Anfang Jahr, an Valentinstag, an Ostern und an Festtagen wie Weihnachten erhält die Vermittlungsagentur mehr Anfragen.


«Liebe und Partnerschaft sind zu wertvoll und zu sensibel, als dass man rücksichtslos damit umgehen darf. Leider müssen dies viele von uns zuerst schmerzhaft erfahren.»

Man kann die Partnervermittlung auf zwei Arten sehen. Die Bösere: Sie schlägt Kapital aus Einsamkeit und dem allzu menschlichen Wunsch, geliebt zu werden. «Es gibt schwarze Schafe», sagt Kappeler. Die nettere Variante: Die Agentur hilft einsamen Menschen, zum Glück zu finden. Freiwillig kommen jedenfalls alle: Von der Krankenschwester bis zur Ärztin und vom Handwerker bis zum Professor hat Kappeler schon alle Berufsgattungen vermittelt.

Gibt es denn auch Unvermittelbare? Kappeler zögert. Ja, sagt sie, wer ungepflegt ist und raucht, hat es schwerer. Chancenlos ist, wer den Drogen oder dem Alkohol verfallen ist. Nach einem Jahr sind 20 Prozent der Kunden in einer Beziehung, nach zwei Jahren um die 50 Prozent. «Auch hübsche Menschen finden nicht immer jemanden», sagt sie. «Es geht im Alltag grundsätzlich verloren, Blickkontakt aufzunehmen, jemanden anzusprechen und und zu flirten.»


«Es gibt nichts Schöneres, als in einer harmonischen Beziehung eingebettet zu sein, jemand an der Seite zu haben und zu zweit durchs Leben zu gehen.»

Es gibt keine Ausbildung für diesen Job. Maya Kappeler, gelernte Kauffrau, kam per Zufall dazu. Nach der Kinderpause stieg sie wieder in ihren gelernten Beruf ein; «eine langweilige Anstellung», sagt sie. Als sie am Radio per Zufall von der «Partnervermittlung mit Herz» hörte, schrieb Kappeler spontan der Agentur-Gründerin, die das Geschäft in der Zentralschweiz stärken wollte.

Das war vor über 15 Jahren. Ein mal war die Vermittlerin seither Trauzeugin. Doch üblicherweise ist der Auftrag erfüllt, wenn sich zwei gefunden haben. «Manchmal erhalte ich noch eine Karte aus den Ferien. Aber das ist es dann.»

Doch was ist das Erfolgsgeheimnis? Wann treffen Amors Pfeile besonders gut? Maya Kappeler hat eine einfache Antwort: Wer zur Agentur kommt, will auch wirklich. «Im Internet wollen sich viele nicht festlegen.»

Und dann gibt es ein Rezept, das einfach klingt, aber trotzdem schwer umzusetzen ist: «Wer offen ist, hat Chancen. Es braucht die Bereitschaft, sich einzulassen», sagt Maya Kappeler. Aus Erfahrung weiss sie: «Oft sind die Ansprüche zu hoch.»

Bis 30 sind mehr Männer als Frauen auf der Suche, zwischen 34 und 50 ist das Geschlechterverhältnis ausgewogen. «Und ab 50 sind es mehr Frauen», sagt Kappeler. «Frauen über 55 werden relativ wählerisch. Ein Singlemann über 55 ist eher bereit, Kompromisse einzugehen.»


«Hüten Sie sich vor übertriebenen Erwartungen, gehen Sie davon aus, dass sich Sympathie oder gar mehr erst entwickeln müssen», heisst es im Prospekt.

Die Partnersuche beginnt mit einem Treffen zwischen Klient und Vermittlerin. Jeder Kunde gibt ein Foto mit und schreibt seine Wünsche auf. Maya Kappeler stellt dann Profilkarten her. Findet sie Treffer, erhalten Mann und Frau einen Brief mit dem Foto und den Angaben des anderen. Kappeler weiss: Das Foto spielt eine wesentliche Rolle. Stimmen beide zu, werden Telefonnummern ausgetauscht.

Und jetzt, die indiskrete Frage: Wie lebt die Partnervermittlerin selbst? Natürlich glücklich. Seit 30 Jahren ist Maya Kappeler verheiratet. «Wenn man einen Partner hat, mit dem es stimmt, sollte man zusammenbleiben», sagt sie. «Es gibt immer Hochs und Tiefs.» Es lohne sich, sich Zeit zu nehmen, zu reden, den Partner zu überraschen und sich um ihn zu bemühen. Sie weiss aus Erfahrung: «Auch der nächste Partner hat wieder Fehler, Ecken und Kanten. Herr und Frau Perfekt finden sich einfach nirgends.»


«Wenn sich in einer Partnerschaft die Freude verdoppelt, und das Leid halbiert, wenn gelacht wird, wo man alleine geweint hätte, wenn durch einen liebevollen Blick alles klar wird, dann hat man den richtigen Partner gefunden.»