«Wir sind regelrecht überrannt worden», meinen die beiden Vertreterinnen der Chlausenzunft, die seit dem Jahr 2000 alljährlich vor dem Palmsonntag in Egerkingen die Pfarreimitglieder zum Palmenbasten einladen. Etwa 80 Teilnehmer seien es normalerweise – und 99 seien es auch schon gewesen im bisher besten Jahr – doch so viele wie am Mittwochnachmittag ganz klar noch nie, sagen Edith und Regula Fischer von der Chlausenzunft, die auch in diesem Jahr für den in Egerkingen traditionellen Anlass federführend ist. Bereits zuvor lud jahrelang die frühere Jugendgruppe Egerkingen zum vorösterlichen Anlass ein.

Suche bei Wind und Wetter

Am letzten Samstag zogen Zunftmitglieder und freiwillige Helfer in die Wälder von Egerkingen. Dem Wind und widrigen Wetter trotzend und gut ausgerüstet machten sie sich auf die Suche nach Stechpalmen und Buchs, Eibe, Fichte, Föhre, Hasel, Kiefer und Wacholder. Jedes Bestandteil der hier gepflegten Palmsonntags-Tradition hat seine eigene Bedeutung: So steht etwa die Stechpalme für die Dornenkrönung, Wacholder als Symbol des Leids, alle immergrünen Pflanzen als Zeichen der Unsterblichkeit und die im Frühjahr als erste grün werdenden Sträucher wie Hasel und Weide für die Auferstehung. Die Ringe, an welche die Erstkommunikanten, Firmlinge, Ministranten und auch die begleitenden Erwachsenen die Stechpalmenblätter und Eier oder etwa Äpfel steckten, zeigen als Symbol ohne Anfang und Ende die Unendlichkeit auf. Die auf dem Draht aufgezogenen Äpfel wiederum stehen ebenso wie die Schlangenformen als Zeichen der Versuchung und Sünde. Auf den Palmen einbezogene Buchskugeln stellen sinnbildlich die Erde dar, deren Schöpfer und Besitzer Gott ist.

Symbolhafter Einzug

Bei der Palmsonntagsprozession, die in Egerkingen morgen Sonntag um 9.30 Uhr von der Martinskirche zum Beckenplatz führt, wo vor der Eucharistiefeier in der Kirche die Palmen von Pfarrer Kenneth Ekeugo gesegnet werden, wird die Erde so sinnbildlich in die Kirche getragen. Mit den landauf, landab feierlich zelebrierten Palmsonntagsprozessionen am ersten Tag der Karwoche wird zudem von den Gläubigen das einstige Geschehen nach dem Einzug Jesu in Jerusalem nachgestellt, wo dieser mit Palmzweigen als Königsattributen und Olivenzweigen als Friedenszeichen empfangen wurde.

Im und um das Pfarreiheim wimmelt es nur so von Kindern und Jugendlichen, aber auch Müttern, Vätern, ja sogar Grosseltern, die den Kindern beim Palmenherstellen mithelfen. Es sind sogar so viele, dass kurzfristig noch Holzstecken für die Palmbäume und Früchte zum Dekorieren nachgeliefert werden müssen. Kaum hat es begonnen, surrt in einer Ecke schon die Bohrmaschine, um die Löcher für Drähte zu bohren, die schon bald an grossen Ringen Stechpalmenblätter und dekorative Früchte oder Eier tragen werden.

Andernorts werden farbige Bänder geschnitten und vor und im Pfarrsaal sitzen alle Teilnehmer – ob Jung oder junggeblieben – friedlich nebeneinander und arbeiten an den Palmen. Während die Erwachsenen konzentriert und zielgerichtet Blatt für Blatt aneinanderreihen und die Dekorationen garnieren, sind die Kinder nicht immer mit dem gleichen Eifer bei der Sache. Nach ein paar hervorgesuchten Blättern und Ästchen ist bei den meisten die Geduld meist schnell vorbei. In einer anderen Ecke sind Firmlinge daran, etwas grössere Palmen zu binden; die Ministranten schufen während der ganzen Woche jeweils am Abend zwei grosse Palmen.

«Noch nie so erlebt»

Bei der Herstellung der kleinen Palmbäume für die Erstkommunikanten, Firmlinge und alle Interessierten aus der Pfarrei zeigte sich Pfarrer Kenneth Ekeugo aber nicht nur von der grossen Zahl an Teilnehmenden begeistert: «Palmen werden überall gemacht», sagt Ekeugo, «aber ein solches Engagement habe ich noch nie erlebt» und er strahlt über das ganze Gesicht.