Olten

«Erschreckender» Beitrag über den Strich – Lysistrada-Beschwerde blitzt vor Ombudstelle ab

Die Fachstelle Lysistrada hielt einen Rundschau-Beitrag über den Oltner Strassenstrich für problematisch, nicht aber die Ombudsfrau der SRG.Archiv OT/Bruno Kissling

Die Fachstelle Lysistrada hielt einen Rundschau-Beitrag über den Oltner Strassenstrich für problematisch, nicht aber die Ombudsfrau der SRG.Archiv OT/Bruno Kissling

Die Solothurner Prostituierten-Fachstelle Lysistrada ist mit einer Beschwerde gegen die «Rundschau» abgeblitzt. Der Beitrag «Sex ohne Gummi» habe keine journalistischen Mängel, hält die SRG-Ombudsstelle fest.

Einseitig, reisserisch und unfair: Die Beratungsstelle Lysistrada zeigte sich in einer Beschwerde empört über einen Beitrag der Fernsehsendung «Rundschau» zu Sexarbeiterinnen auf dem Oltner Strassenstrich. Die Fachstelle kritisierte, dass mit dem Bericht «Sex ohne Gummi» die Persönlichkeitsrechte der Frauen verletzt worden seien.

Zudem sei die Auswahl der Interviewpartner schlecht gewesen. Die Rundschau hatte im Beitrag dokumentiert, dass sich Frauen aus Konkurrenzdruck gezwungen sehen können, Sex ohne Gummi anzubieten – trotz der Gefahr übertragbarer Geschlechtskrankheiten. Im Kanton Solothurn ist «Sex ohne Gummi» eigentlich verboten. Freiern und Bordellbetreibern droht eine Strafe.

Offenbar hätte die Fachstelle gerne mehr Einfluss auf die Gestaltung des Beitrages gehabt: Von einem Staatsmedium müsse man erwarten können, dass es sich vorgängig bei der Fachstelle «nach dem geeigneten Vorgehen» erkundige, hält Lysistrada fest.

Als «höchstproblematisch» bezeichnete die Fachstelle zudem die Aufnahmen mit versteckter Kamera. Dabei habe sich die «Rundschau» nicht einmal die Mühe gemacht, die Stimmen der Prostituierten zu verzerren, sodass sie nun gut identifizierbar seien.

Die stellvertretende Ombudsfrau der SRG, Sylvia Egli von Matt, sieht im «Sex ohne Gummi»-Bericht allerdings keine besonderen journalistischen Mängel, wie ihr gestern veröffentlichter Bericht festhält. Es gelte die redaktionelle Freiheit.

Die Redaktion entscheide, mit wem sie Gespräche führe und wie sie den Beitrag gestalte. Die Frauen seien durchaus zu Wort gekommen, schliesslich hätten die Journalisten mehrere Sexarbeiterinnen befragt. Bei der versteckten Kamera seien die Frauen optisch gut geschützt gewesen. Eine akustische Verzerrung sei nicht notwendig gewesen. «Sie akustisch zu erkennen, dürfte schwierig bis unmöglich sein.»

Angriffsfläche nur bei Details

Gleicher Meinung wie die Beratungsstelle ist die Ombudsfrau nur bei einer sprachlichen Feinheit: Die Formulierung «sich eine Frau kaufen» sei unklug und unkorrekt, so von Matt. Gekauft werde Sex, nicht die Frau. Lysistrada argumentierte, wer zur Massage gehe, kaufe schliesslich auch keinen Masseur.

Die «Rundschau»-Redaktion hielt in ihrer Stellungnahme fest, dass der Beitrag «eine wichtige, präventive Funktion» gehabt habe, «indem die Ausbeutung und gesundheitliche Gefährdung der Sexarbeiterinen dokumentiert wurde».

Eine Unschärfe im Beitrag bezüglich des geltenden Rechts, gab die Redaktion zu. Die Ombudsfrau hält das Thema des Beitrags zudem für «höchst relevant». Die Botschaft der Sendung sei «klar, unmissverständlich und erschreckend». (sda, lfh)

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