Braun gebrannt, beginnt der sportliche 66-jährige Biberister voller Leidenschaft über sein Leben als Hüttenwart zu erzählen. Vor fünf Jahren liess sich Heinz Müller pensionieren. «Mir war immer klar, dass ich mein Berufsleben nicht als Lehrer beenden möchte. Ich wollte noch etwas anderes tun», betont Müller, der ursprünglich eine Laborantenlehre bei der Von Roll absolviert, dann aber nur kurz auf diesem Beruf gearbeitet hatte.

Vor ein paar Jahren besuchte seine Frau Katrin einen Hüttenwartskurs, da sie später eine eigene Hütte führen wollte. Da musste Müller nicht lange überlegen – eine Zukunft in den Bergen stand auch für ihn an. Als Unterländer sei es schwierig gewesen, in dieses Business reinzukommen. Das Ehepaar begann den neuen Lebensabschnitt 2010 als Hüttenwarte auf der Walliser Hollandiahütte. Nach zwei Saisons wechselten sie als Angestellte auf die Oberaletschhütte und 2013 übernahmen sie als Hüttenwartehepaar die Lauteraarhütte.

Viereinhalb Stunden Weg

Müllers zweites Zuhause liegt im Berner Oberland an der Grenze zum Oberwallis. «Nachbarn» der Hütte sind der Unteraargletscher und der Grimselsee. In Sichtweite liegen Schreck-, Finster- und Lauteraarhorn. Gemäss Wanderwegweiser dauert der Marsch zur Hütte viereinhalb Stunden. «Man kommt auf einem der schönsten Schweizer Berghüttenwege durch ein Wild- und Naturschutzgebiet zu uns hoch», schwärmt der Hüttenwart.

Die Steinhütte hat 35 Schlafplätze und wird durch Solarstrom versorgt. Eine Dusche und fliessendes, warmes Wasser gibt es nicht. «Unsere Hütte wird nur im Sommer betrieben. Die meisten unserer Gäste sind Wanderer und Familien, die morgens hochkommen und abends wieder ins Tal wandern. Deshalb sind wir unter der Woche selten ausgebucht», erklärt der Wahl-Bergler.

Heinz Müller packt überall mit an. Er putzt, wäscht ab, kümmert sich um die Technik und beschafft Waren im Tal. Nur vom Kochen lässt er lieber die Finger: «Das mache ich nur im Notfall. Meine Frau hat das als gelernte Köchin sowieso besser im Griff.» Von halb acht Uhr morgens bis zehn Uhr abends sind die beiden mit ihren Gehilfen auf Zack. «Am Feierabend lassen wir den Tag gerne bei einem Glas Wein mit Sicht auf das atemberaubende Panorama Revue passieren», so Müller. Dabei bekommen sie oft Besuch von Gämsen.

Lange Präsenzzeiten

Es seien strenge Tage auf der Hütte, meist 7-Tage-Wochen, Privatsphäre gäbe es keine. «Die tägliche Präsenzzeit ist lang. Zwischen Freizeit und Arbeit wird nicht unterschieden. Man muss gerne unter Leuten sein, sonst ist das nichts für einen. Und das grosse Geld macht man mit diesem Job auch nicht», sagt Müller. Trotzdem hat der Biberister den Schritt zum Hüttenwart noch nie bereut: «Mich fasziniert der Kontakt zu den Menschen, die Berge als Arbeitsort, die Vielseitigkeit des Jobs und die Freiheit, selbstständig zu arbeiten». Und wenn an einem Tag wegen schlechten Wetters nur wenige Gäste in der Hütte seien, könne er auch mal etwas lesen oder TV schauen.

Die grösste Herausforderung sei es, die Gäste zufriedenzustellen: «Sie werden immer anspruchsvoller.» Die Zeiten, als vorwiegend unkomplizierte Hochalpinisten in den SAC-Hütten übernachteten, die nach einer strengen Bergtour und einem einfachen Znacht zufrieden zu Bett gingen, seien definitiv vorbei.

Viele Gäste hätten heute bei den Mahlzeiten enorme Erwartungen: «Bei uns gibt es kein Wunschkonzert. Es gibt ein einfaches Menü aus den Lebensmitteln, die vorhanden sind.» Auch die ewig gleichen Fragen nerven ihn manchmal: «Ich musste schon unzählige Male erklären, dass die Nahrungsmittel wegen der Abgeschiedenheit der Hütte nur mit dem Helikopter hierher gelangen.» Deswegen geniesst das Ehepaar die seltenen Ausflüge zum Grimsel Hospiz umso mehr. «Wir gönnen uns dort jeweils etwas, das wir auf unserer Hütte nicht haben. Zum Beispiel ein Schnitzel mit Pommes frites», sagt Müller schelmisch grinsend. Das Einzige, das ihm auf der Hütte aber wirklich fehle, sei der Kontakt zu seiner Familie und den Freunden.

2017 werden Müllers auf die Blüemlisalphütte wechseln. «Danach schliessen wir unser Hüttenwartskapitel zu 99 Prozent ab, da ich nicht arbeiten möchte, bis ich tot umfalle», sagt er. Jetzt freut er sich aber auf die bevorstehende Saison, die am 25. Juni beginnt: «Es ist, als ob ich nach Hause käme.»