Am 17. Oktober 2013 hatte der heute 43-jährige Eritreer Tekie T.* in Trimbach die Mutter seiner beiden Söhne vor den Augen der kleinen Kinder mit 20 Messerstichen getötet. Das Amtsgericht Olten-Gösgen verurteilte ihn deshalb im Juni letzten Jahres wegen Mordes zu einer Freiheitsstrafe von 19,5 Jahren. Er legte Berufung ein und so musste sich heute das Solothurner Obergericht noch einmal mit dem grauenhaften Tötungsdelikt befassen.

Die Plädoyers vor dem Obergericht entbehrten dabei nicht einer gewissen Theatralik. Auf der einen Seite Staatsanwalt Christoph Fricker, der Tekie T. als gefühlskalten, skrupellosen und blutrünstigen Killer beschrieb, der sein Opfer vor den Augen seiner beiden Söhne «hingerichtet» und «in einem Gewaltrausch fünfmal bestialisch ermordet» haben soll. Die Anklage forderte eine Freiheitsstrafe von 19,5 Jahren.

Auf der anderen Seite sprach Verteidiger Christoph Schönberg davon, dass die Tat im Affekt passiert sei und dass Tekie T. eigentlich gar nicht geplant hatte, die Mutter seiner Söhne umzubringen. Er plädierte auf eventuell vorsätzliche Tötung; das heisst, sein Mandant habe nur in Kauf genommen, dass die Messerstiche möglicherweise fatal ausgehen könnten. Schönberg forderte eine Strafe von 8 Jahren.

Tat sei nicht geplant gewesen

Tekie T. habe die Mutter seiner beiden Kinder geliebt und sie beim Treffen eigentlich überzeugen wollen, zu ihm zurückzukehren. Es habe sogar einen Landsmann gegeben, der als Vermittler dienen sollte. «Erst, als sie ihm klar machte, dass sie nichts mehr von ihm wissen will, ist er in Rage geraten», argumentierte der Verteidiger. «Als sie ihm eine Ohrfeige verpasste, hat er im Affekt gehandelt.» Zwei weitere Argumente brachte Schönberg vor: Tekie T. habe von seinem Opfer abgelassen, als es noch am Leben gewesen sei. Und dass die beiden Kinder dem Grauen zuschauen mussten, sei ebenfalls ein klares Indiz, dass die Tat nicht geplant gewesen war.

Der Staatsanwalt sprach von einem fünffachen, bestialischen Mord. Zuerst habe Tekie T. mit einem Küchenmesser zugestochen, bis die Klinge abbrach. Dann habe er mit dem Messergriff zugeschlagen. Dann habe er auf brutalste Art mit den Füssen auf den Kopf getreten, was durch zwei Zeugen beobachtet wurde. Schliesslich habe er sein Schnellmesser behändigt, ihr den Hals aufgeschlitzt und wieder zugestochen, bis auch diese Klinge brach. Als fünfte Stufe habe Tekie T. auch noch mit dem Griff dieses zweiten Messers weiter zugeschlagen. «Der Todeskampf dauerte rund 15 Minuten. Man muss sich die grauenhaften Qualen vorstellen und auch das traumatische Erlebnis der Kinder, die dem Blutbad zuschauen mussten. Er hat nicht einmal mit dem Zustechen aufgehört, als der ältere Sohn ihn darum bat.»

Als Kindersoldat missbraucht

Der zweite Anklagepunkt ging bei diesen Schilderungen fast ein wenig unter. 2012 kam es zu einem Raufhandel mit Fäusten und Füssen beim Oltner Bahnhof. In einer letzten Phase fügte Tekie T. einem der Widersacher mit einer kleinen Klinge drei gravierende Schnittwunden bei. Die Anklage lautete auf schwere Körperverletzung. Der Privatkläger machte geltend, dass Tekie T. in Eritrea das Soldatenhandwerk gelernt hatte und wie im Nahkampf vorgegangen sei, um dem Opfer möglichst schwerwiegende Verletzungen zuzufügen.

Als der Verteidiger von der Jugend seines Mandanten erzählte, taten sich Abgründe auf. Als Elfjähriger wurde Tekie T. in Eritrea als Kindersoldat von den Rebellen rekrutiert. Auf verschiedenen Seiten kämpfte er in den Kriegen der Region, sah seine Kameraden sterben und tötete selber, bis es ihm 2004 gelang zu desertieren und nach Italien zu flüchten.

Als Amtsgerichtspräsident Marcel Kamber dem Angeklagten das letzte Wort erteilte, begann dieser, das Verfahren zu kritisieren und er wollte Fragen stellen. Das unterband der Richter kurz und bündig, indem er das Verfahren als geschlossen erklärte, worauf Tekie T. zu schimpfen und auszurufen begann. In diesem Moment wurde klar, dass das Gericht zu Beginn der Verhandlung den Antrag der Verteidigung, dem Gewaltverbrecher die Handschellen abzunehmen, nach kurzer Besprechung mit der begleitenden Polizei zu Recht nicht stattgegeben hatte.

Während die Polizisten Tekie T. mit einigem Körpereinsatz aus dem Gericht führten, wandte er sich in gebrochenem Deutsch und gelb vor Wut an die Medienvertreter: «Ich habe meine Frau nicht totgemacht. Der Prozess ist Business, dem Gericht geht es ums Geld.» Tekie T. hatte schon bei einer Einvernahme behauptet, er habe nur viermal zugestochen, die tödlichen Stiche stammten von den Untersuchungsbehörden, welche die Organe des Opfers verkauft haben sollen.

*Name von der Redaktion geändert

Die öffentliche Urteilsverkündung ist auf morgen Donnerstag, 16 Uhr, angesetzt.