In Neonfarben leuchtende Bahnen, jubelnde Kinder, von Zuckerwatte verklebte Hände – es ist Chilbizeit. Doch nicht überall kann man sich für das Volksfest begeistern: Im Niederamt scheint sich die Chilbi an wenig Beliebtheit zu erfreuen, denn zwischen Olten und Aarau findet sie fast nirgends statt. Sind die Niederämter Chilbi-Muffel?

Nein, findet Beat Probst, Lostorfer Gemeinderat Ressort Sport, Bildung und Kultur. Denn: «Im gleichen Zeitraum findet unser Beizlifest statt und drei Wochen später der eintägige Dorfmäret», so Probst. «Wenn wir diese zwei Anlässe zusammenlegen würden, hätten wir beinahe so etwas wie eine Chilbi», fügt er an.

Es sei also keineswegs so, dass die Lostorfer keine Volksfeste wollen, lediglich das Konzept sehe etwas anders aus als an einer Chilbi. Wie an jeder Chilbi seien auch am Lostorfer Beizlifest lokale Vereine mit Stände präsent, an denen sich die Besucher verköstigen – es fehlen nur die Bahnen.

Doch trotz Feierlaune an Festen wie dem Dorfmäret oder dem Beizlifest sei eine richtige Chilbi in Lostorf nie ein Thema gewesen, so Beat Probst: «Weder im Gespräch mit Bewohnern noch in einem behördlichen oder politischem Gremium. Es scheint kein oder zumindest kein grosses Bedürfnis zu sein.»

Trimbacher Chilbi abgeschafft

Anders als in Lostorf war die Chilbi in Trimbach früher ein grosses Thema: Seit 1776 gab es in Trimbach eine Chilbi. Früher als richtiges Volksfest, später als Chilbi, wie man sie heute kennt.

Doch die Veranstaltung wurde 2009 beerdigt, weil sie immer weniger Besucher anlockte, wie Gemeindeschreiberin Chantal Müller erklärt. «Die Chilbi stand neben dem Trimbacher Dorfmäret und der Oltner Chilbi in Konkurrenz mit anderen Anlässen in der Region und hat an Bedeutung und Beachtung verloren», wurde die Entscheidung damals vom Gemeinderat erläutert.

Die Vereine, für welche die Chilbi ein wichtiger Anlass im Jahresprogramm darstellte, wehrten sich vehement gegen den Entscheid des Gemeinderats. Trotz ihres Protests gelang es nicht, die Trimbacher Chilbi am Leben zu erhalten.

Heute gibt es zwar keine Trimbacher Chilbi mehr, dafür zieht der Dorfmäret jährlich Leute aus der ganzen Umgebung an. Zwar auch hier ohne Bahnen, dafür aber immerhin noch mit Marktständen, Beizlibetrieb und, im Gegensatz zu vielen Chilbis, auch mit Konzerten.

Walterswil als Chilbi-Reduit

Die einzige Gemeinde im Niederamt, die noch eine Chilbi veranstaltet, ist zugleich eine der kleinsten: Die 700-Seelen-Gemeinde Walterswil feiert jedes Jahr im August die dreitägige Rothacker-Chilbi. Mit Vereinsständen, Kinderkarussell und Schifflischaukel sowie dem beliebten Kuhbingo ist die Rothacker-Chilbi jeweils ein kleiner, aber gut besuchter Anlass.

Viele Heimweh-Walterswiler nutzten dabei jeweils die Gelegenheit, wieder mal in ihrer alten Heimat vorbeizuschauen, sagt Chilbi-Kommissionspräsidentin Mareike Huber.

Als besonderes Highlight gilt dabei das Kuhbingo: 144 Felder werden auf einer Wiese markiert und einzeln à 10 Franken pro Feld verkauft. Den Hauptpreis in Form eines Reisegutscheins gewinnt diejenige Person, auf dessen Feld die Kuh als erstes ihre Exkremente fallen lässt.