Neun Uhr morgens in Niederbuchsiten. Das Thermometer zeigt null Grad. Trotzdem sind ein paar Unentwegte draussen anzutreffen: Sie heissen Aaron, Florin, Jenna, Leon, Lucy und Leon und sind zwischen 2 ½ und 5 Jahren alt. Auf dem Hof von Patricia und Stefan Zeltner besuchen sie jeden Dienstagmorgen die Bauernhofspielgruppe Picobelli.

Gerade stecken sie den zwei Shetlandponys und den beiden Pferden auf dem Paddock Heu zu, streicheln sie, tollen zwischen ihnen herum. «Achtung, nicht hinter den Rössli durchlaufen!», ruft Patricia Zeltner den Kindern zu. Gemeinsam mit Manuela Jäggi steht sie am Gatter, von wo die beiden Spielgruppenleiterinnen ein Auge auf die Kleinen haben.

«Heute sind ganz viele krank», erklärt Patricia Zeltner; normalerweise wirbeln hier zwölf Kinder herum. Gleich gibt es Znüni, die Kleinen rennen an der 44-Jährigen vorbei in den Stall. Ein Junge schwingt sich sogleich auf eine Schaukel, die von einem Balken hängt, ein Mädchen balanciert über einen riesigen Traktorreifen.

Katze Chrüzlistich hat es sich derweil auf einem der Strohballen gemütlich gemacht und schaut dem Treiben zu. Während die 38-jährige Manuela Jäggi Guetzli auf Kartontellerchen verteilt, hat Zeltner Zeit zum Plaudern.

Im Lauf der Jahreszeiten

Die Bauernhofspielgruppe hat sie diesen Sommer ins Leben gerufen. Vorher gab es in Niederbuchsiten keine Spielgruppe. «Eigentlich hatte ich die Idee schon vor zwei Jahren, aber mein Mann wollte noch nicht», sagt sie, die früher in einer Kita putzte, kochte und dort später auch Kinder betreute.

Anschliessend absolvierte sie eine einjährige Ausbildung zur Spielgruppenleiterin sowie eine Zusatzausbildung zur Waldspielgruppenleiterin. Seit drei Jahren arbeitet sie als Waldspielgruppenleiterin in Härkingen und Rothrist.

Am Tag der offenen Tür, vor den Sommerferien auf dem eigenen Hof veranstaltet, sei sie überrannt worden, sagt Zeltner. Sodass sie seit August zwei Gruppen mit je 12 Kindern in ihrer Obhut hat; eine am Dienstag-, die andere am Donnerstagmorgen.

Die Kinder kommen aus dem ganzen Gäu, aus Hägendorf, Kappel, Egerkingen, Härkingen, Nieder- und Oberbuchsiten und Kestenholz, und sogar aus dem aargauischen Rothrist. 840 Franken kostet ein Spielgruppenplatz im Jahr.

Die Kinder haben auf kleinen Picknickbänken Platz genommen, trinken heissen Früchtetee und knabbern Mailänderli und Zimtsterne. Sie alle sind in dicke Jacken, Kappen und Handschuhe gepackt. Der Stall ist offen, und während den zweieinhalb Stunden, die sie bei Zeltners verbringen, sind sie ständig im Freien, sommers wie winters. «Ich richte das Programm nach den Jahreszeiten aus», erzählt Zeltner.

Im Herbst holten sie Äpfel auf der Weide und machten mit der Saftpresse Apfelsaft. Einmal seien die Kinder mit kleinen Traktoren und Anhängern aufs Feld gefahren, wo jeder einen Kürbis auflud. Die Feldfrüchte verarbeiteten sie danach gemeinsam zu einer Suppe und kochten diese über dem offenen Feuer. Im Frühling will Zeltner mit ihnen den Garten bestellen und ihnen zeigen, wie die Bibeli schlüpfen.

Die meiste Zeit aber können die Kinder frei spielen, Platz dafür ist mehr als genug. Zeltners haben 21 Hektar Land; sie betreiben Ackerbau, halten Pferde und Rinder, Kaninchen und Katzen. Im weitläufigen Stall stehen allenthalben kleine Traktoren, Kugelbahnen, Suppentöpfe herum, draussen auf dem Erdhügel thronen die kleinen Bagger.

Härter im Nehmen

Heute trifft sich die Spielgruppe zum letzten Mal vor den Weihnachtsferien; Patricia Zeltner wird später vor der Weihnachtstanne noch eine Geschichte vorlesen und kleine Geschenke verteilen. Auch auf das gemeinsame Aufräumen zum Schluss legt sie Wert.

Wie sich eine Bauernhofspielgruppe von einer normalen Spielgruppe unterscheidet? Manuela Jäggi weiss es: «Die Kinder sind härter im Nehmen. In einer Innenspielgruppe gibt es mehr Prinzessli.»