«Wann beginnst Du eigentlich im neuen Stall mit der Aufzucht von Ferkeln», wurde Andreas Zeltner kürzlich am Waldfest in Neuendorf gefragt. Darüber habe er sich natürlich gefreut, sagt der 53-jährige Landwirt mit Verweis auf die Inbetriebnahme des Stalls im Februar dieses Jahres.

Damit sei es offenbar gelungen, die Geruchsemissionen des ausserhalb des Dorfes gebauten Stalls auf einem so tiefen Niveau zu halten, dass es nicht zu Reklamationen komme. Möglich macht dies die ausgeklügelte Klimatisierung des 1,5 Mio. Franken teuren Hightech-Stalls, mit welcher auch die Energiekosten tief gehalten werden können. Vollautomatisch erfolgt zudem die Fütterung der mit einem Chip ausgerüsteten Tiere.

7,5 m2 grosse Abferkelbuchten

Das Stallgebäude, das eine Länge von 98 Meter und eine Breite von 14 Meter aufweist, ist ausgelegt auf rund 600 Ferkel sowie 126 Zuchtschweine. Diese Kapazität wurde noch nicht ausgeschöpft, wovon etliche leere Abferkelbuchten zeugen.

Um den Vorgaben des Labels Coop-Natura-Farm für eine tiergerechte Haltung zu genügen, weisen diese Buchten eine Grösse von 7,5 Quadratmetern auf, wie Zeltner erwähnt. Damit hätten die Muttersauen genügend Platz, um sich in der Box frei zu drehen oder ihre Jungen zu gebären und säugen zu lassen.

An diesem Tag erwartet Zeltner, dass noch zwei Schweine ihre Jungen zur Welt bringen werden. Nach einer Tragzeit von etwa 114 Tagen seien je Wurf jeweils etwa 12 bis 14 Ferkel zu erwarten. Bei den zwei vor dem Abferkeln stehenden Muttersauen achtet Zeltner auf genügend Einstreu, mit welchem die Tiere ihrem Instinkt folgend sogleich ein Nest bauen.

Nach 10 Wochen in die Mast

Frisches Einstreu sorgt auch für Leben bei den von den Muttertieren getrennt untergebrachten Ferkeln. Von den Muttersauen verabschieden sich die Jungtiere nach etwa 30 Tagen, wenn sie ein Gewicht von rund 8 Kilogramm erreicht haben. Wenn die Ferkel etwa 10 Wochen alt und 20 bis 25 Kilogramm schwer sind, werden sie an Mastbetriebe verkauft, die ebenfalls nach dem Label Coop Natura-Farm produzieren.

Die anvisierte Aufzucht von jährlich 3000 Ferkeln werde er nicht mehr erreichen, sagt Zeltner. Bislang haben etwa 1000 Ferkel ihre Kinderstube in Neuendorf verbracht. Derzeit leben im Stall insgesamt 122 Schweine und ein Eber. Im Färlibereich des Stalls sind es 33 Muttersauen mit ihren Jungen.

Schlange beim Futterautomaten

Nach Bedarf im Aussenbereich bewegen können sich die im westlichen Teil des Stalls untergebrachten Galtsauen. Die meist künstlich befruchteten Tiere können sich bis zu ihrer Umsiedlung in den Abferkelstall auch selbstständig mit Futter versorgen.

Zu diesem Zweck müssen sich die Tiere in ein Gatter begeben, in welchem der Computer nach Erkennung des Schweins mittels Chip das Futter in einen Trog fliessen lässt. Dabei handelt es sich um Trockenfutter, welches vor dem Trog mit Wasser zu einem Brei vermengt wird.

Beim Eingang zum Futterautomaten stehen die Tiere bisweilen Schlange, Rangeleien inklusive, wie Zeltner weiss. «Die stärksten Tiere setzen sich zuerst durch.» Er greife nur in Ausnahmefällen ein, etwa wenn ein Tier krank oder geschwächt sei. In der Regel lasse er Dingen aber ihren Lauf.

Nicht eingreifen muss Zeltner bei der Versorgung der Tiere mit Wasser. Auch diese erfolgt durch die Schweine selbst: über auf dem Areal reichlich vorhandene Tränkenippel.

Täglich im Stall

Trotz hoch automatisierten Abläufen geht es nicht ohne Einsatz des Menschen. «Der Stall muss kontrolliert und die Tiere täglich mit neuem Streu versorgt werden», so Andreas Zeltner.

Allein für das Ausmisten und das neue Streu würden täglich rund zwei Stunden aufgewendet. Auch die Daten der Tiere müssten im Computer immer wieder aktualisiert oder Futtermenge in den vier im Aussenbereich platzierten Silos überwacht und bei Bedarf bestellt werden.

Mit dem Betrieb sei er bis jetzt zufrieden, auch wenn es noch Verbesserungspotenzial gebe, wie etwa beim unterirdisch angelegten Spülsystem, mit dem der Mist mit Gülle in einem Kanal abgeführt werde. Sein nächstes Ziel sei, möglichst bald mit Tieren aus der eigenen Zucht Ferkel abzuziehen.