Alles, was in der solothurnischen Kulturszene Rang und Namen hat, traf sich am Montagabend im Landhaus in Solothurn. Grund war die diesjährige Verleihung der Kunst- und Kulturpreise durch den Regierungsrat. Jedes Jahr würdigt der Kanton so auf Antrag des kantonalen Kuratoriums für Kulturförderung seine Künstler.

Landammann und Bildungs- und Kulturdirektor Remo Ankli begrüsste das Publikum und malte ein Bild der Kultur der Zukunft. «Stellen Sie sich vor, Sie sässen nicht hier, sondern wären zu Hause und hätten Ihr Tablet oder Ihr Smartphone zur Hand. Sie könnten via Kopfhörer diesen Abend als Live-Stream in bester Bild- und Tonqualität geniessen, ohne einen Schritt vor das Haus machen zu müssen.» Schöne, neue Welt, die rein technisch bereits heute möglich wäre. «Virtual Reality», die künstlich geschaffene Realität macht es möglich.

Digital fehlt etwas

Man könne so, meinte Ankli, an jedem Openair teilnehmen, jedes Museum besuchen, ohne wirklich dort gewesen zu sein. «Wozu», fragt der Landammann, «braucht es dann überhaupt noch Kultur vor Ort?» Und er gab die Antwort gleich selbst: «Weil bei einem Kulturerlebnis, das nur als digitale Projektion konsumiert wird, etwas fehlt.»

Und damit meine er nicht nur den jeweils nach der Preisverleihung stattfindenden Apéro. Ankli: «Ein kulturelles Erlebnis muss mit allen Sinnen aufgenommen werden.» Sehen, Hören, Riechen, Schmecken und Tasten gehören seinen Worten nach zum Kulturerlebnis. Das sei wichtig, denn nur über die fünf Sinne könne Kunst und Kultur auch geschaffen werden. Ankli zitierte Dürrenmatt, der gesagt habe: «Der Kunst liegt die Vorstellungskraft zugrunde. Sie stellt dar, was sie sich vorstellt.»

Die Vorstellungskraft, so Ankli, ist nur den Menschen eigen und Bedingung für die Kunst. Und Ankli argumentierte weiter: «Umgekehrt ermöglicht uns die Kunst eine Erfahrung der Sinne, und zwar besonders dort, wo sie erlebbar wird, wo sie – buchstäblich – Sinn macht.» Deshalb sei die Antwort klar: «Kultur vor Ort braucht es. Jetzt und auch in Zukunft.»

Kunstpreis für Bruno Leus

Der höchste Preis, den der Kanton Solothurn jährlich vergibt, ist der sogenannte Kunstpreis in einer Sparte. Dieser geht 2017 an den bildenden Künstler Bruno Leus, 1943 in Basel geboren. «Kaum ein anderer Künstler hat den öffentlichen Raum unseres Kantons, aber auch jenen über die Kantonsgrenzen hinaus derart geprägt», hiess es in der Laudatio.

Der 74-jährige Plastiker aus Flüh füge seine Arbeiten so gut in die Umgebung ein, dass diese niemals aufdringlich seien. «Leus hat sich darauf konzentriert, was er wirklich kann, und sich perfektioniert.»

Bereits 1997 bekam Bruno Leus einen Preis des Kantons für sein plastisches Schaffen. «Da seither das Engagement des Künstlers nicht unermüdlicher wurde, ist die Verleihung des Kunstpreises heute, 20 Jahre nach der letzten kantonalen Auszeichnung, die logische Konsequenz.» Und da Kultur auch eine gesellschaftliche Komponente hat, wurde danach ausgiebig dem Apéro und dem Networking gefrönt.