Lieblingswerk

Suzanne Schweizer: «Das ist Klees Magie: Die gesamte Welt ist erfasst»

Paul Klee: «Ad marginem», 1930 (1935–1936 überarbeitet), 43,5×33 cm; Wasserfarbe und Feder auf Lackgrundierung auf Karton auf Keilrahmen genagelt – rückseitig weisse Grundierung mit Farbspuren.

Paul Klee: «Ad marginem», 1930 (1935–1936 überarbeitet), 43,5×33 cm; Wasserfarbe und Feder auf Lackgrundierung auf Karton auf Keilrahmen genagelt – rückseitig weisse Grundierung mit Farbspuren.

Suzanne Schweizer, Co-Leiterin der Kultkino AG, wählt Paul Klees Bild «Ad marginem» von 1930 als ihr Lieblingswerk aus dem Kunstmuseum.

«Nein, nicht wieder Paul Klee. Es gibt so wunderbare Werke in dieser Basler Kunstmuseum-Sammlung: Da ist Oskar Schlemmer und sein Bild ‹Frauentreppe›, das unergründliche ‹Concetto spaziale, Attese›, von Lucio Fontana, das ich nie zuvor bemerkt hatte – und so viele weitere .

Ich hab mich bemüht, nicht wieder bei Klee zu landen, wirklich! Doch dieser grosse Individualist unter den Künstlern des vergangenen Jahrhunderts, dieser Vielschaffer, dieser ‹Meister des Universalismus›, beschleunigt meinen Puls. 

Erinnern kann ich mich nicht, wann, wie und wo mir Klees Werk erstmals begegnet ist, wohl aber welche Bilder mich zuerst beeindruckt haben. Es waren Aquarelle von der Tunisreise, zum Beispiel das Movie aus Hammamet, das mich als Jugendliche mit der Kraft seiner dunklen Sonne in den Bann gezogen hat. 

Als Nächstes – und das brachte ich vorerst nicht mit Klee in Verbindung – war der skurrile Sarkasmus, in der Stempelzeichnung ‹Was fehlt ihm?› Oder die Radierung ‹Zwei Männer, einander in höherer Stellung vermutend, begegnen sich›. Alles finde ich bei Paul Klee; von der ironisch-bizarren Heiterkeit über die Verschmelzung von Abstraktion bis hin zur Figürlichkeit. 

Und hier nun im Museum in Basel sein ‹Ad marginem› von 1930, das Aquarell auf Lackgrundierung, wo sich ein fantastisches Gewirr aus imaginierter grüner Flora und Fauna schlängelt, Tier- und Pflanzenwelt. In der Bildmitte ein roter Kreis mit Strahlkraft. Das ganze Bild scheint nach oben zu streben – und wirkt zugleich tief verwurzelt, zugleich transzendent und doch mit irdischer Bodenhaftung. Und irgendwie auch musikalisch. 

Das ist Klees Magie: Bei ihm scheint alles miteinander verbunden, die gesamte Welt ist erfasst, seine Bildsprache handelt alle Aspekte ab, die das menschliche Leben definieren, das spirituelle sowie das erdverbundene. 

Bei meinem ersten Besuch im neu eröffneten Klee-Museum in Bern lagen unter all den Klee-Werken Dutzende von Kindern auf dem Bauch, malend und zeichnend, umgeben von Buntstiften und Farbtöpfchen. ‹Ich und die Farbe sind eins.› Dieser Klee-Ausspruch war hier in den heiligen Museums-Hallen allgegenwärtig; ein Ort der puren Sinnenfreude. 

‹Kunst gibt nicht das Sichtbare wieder, sondern macht sichtbar.› Vielleicht ist es dies; Klees Bilder tun meiner Seele gut, sie öffnen mir Augen und Herz.»

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