FC Basel

Wenn das Glück des Tüchtigen erzwungen werden muss

Selten hat man im Joggeli einen derart ineffizienten FCB gesehen. Teilweise vergaben die Basler Chancen im Minutentakt. Trotzdem resultierte am Schluss ein verdienter 2:1-Sieg gegen die Grasshoppers. Calla und Elneny trafen für Basel.

Warum machst Du das?», ruft Bernhard Heusler in Richtung eines FCB-Spielers. Zu leichtfertig hat dieser in den Augen seines Präsidenten gerade den Ballbesitz hergeschenkt. Im St. Jakob-Park läuft die Nachspielzeit, Basel – und somit das bessere Team – führt 2:1 gegen GC. Heuslers Vertrauen darauf, dass die Gerechtigkeit und somit Basel siegt? Klein. Seine Anspannung? Immens. Die Last, die ihm nach dem Schlusspfiff von seinen Schultern fällt? Zentnerschwer.

Als alles vorbei ist, eilt Heusler schnurstracks auf den Rasen. Spieler, Trainerstaff, Betreuer – alle mit FCB-Logo auf der Brust, die den Weg des Präsidenten kreuzen, werden von diesem umarmt. Was Heusler aus Respekt vor YB, das den FCB in der Tabelle theoretisch noch aufholen könnte, nie aussprechen würde, aber fühlt in diesem Moment: Mit mindestens 11 Punkten Vorsprung bei noch fünf ausstehenden Spielen ist dem FCB der Meistertitel nicht mehr zu nehmen.

«Reisst euch am Riemen»

Die überraschende Niederlage (1:2) vor einer Woche gegen Luzern war die Steilvorlage für Heusler, den Mahnfinger zu heben. «Reisst euch am Riemen und holt den Titel», rief er am Tag nach dem Ausrutscher an der Generalversammlung in Richtung der anwesenden Spieler. Diese gehorchten: Zwei souveräne Auftritte unter der Woche in Vaduz und gestern gegen GC sorgten dafür, dass der Präsident wieder mit entspannter Miene durch die Katakomben geht. Bereits am nächsten Sonntag kann Rot-Blau mit einem Sieg in Zürich definitiv Meister werden, wenn YB aus den Spielen gegen den FCZ und St. Gallen nicht mehr als vier Punkte holt.

Im Vorfeld der Partie gegen die Grasshoppers sagte FCB-Trainer Paulo Sousa, GC sei in «blendender Form». Meinte der Portugiese das wirklich ernst? Mit der Serie von vier sieglosen Spielen im Gepäck reiste GC nach Basel und baute im Joggeli einen acht Mann starken Schutzwall um den eigenen Strafraum auf. Von Angriffswille, Spielwitz, Selbstvertrauen – eben blendender Form – keine Spur.

Und doch griff GC mit einem Tor Vorsprung – Ravet traf per Kopf – zum Pausentee. Warum? Weil Basel leichtfertig Chance um Chance vergab: Die grösste Luca Zuffi, der aus fünf Metern den Ball meterweit über die Latte drosch. Paulo Sousa: «Wir spielten eigentlich eine gute erste Halbzeit, doch kassieren mit der ersten GC-Chance das Gegentor. Das sind Situationen, die einer Mannschaft das Genick brechen können.»

Callàs Traumtor

Aber nicht dem FCB: Erst kann GC-Verteidiger Gülen noch für seinen geschlagenen Goalie Vasic auf der Linie klären, kurz darauf aber lenkt wieder Gülen einen Schuss von Elneny unhaltbar für Vasic ab – 1:1. Und noch vor der 60. Minute steht das Endresultat fest und hat der FCB zum ersten Mal in dieser Saison einen Rückstand in einen Sieg verwandelt: Walter Samuel schlägt eine butterweiche Flanke auf den zweiten Pfosten, wo Callà steht und den Ball volley in die weite Ecke legt. Ein Traumtor, das sich Callà mit einem vorzüglichen Auftritt verdient. Nach dem Spiel verrät der Winterthurer dann noch ein süsses Geheimnis: «Ich widme das Tor meiner Frau Rahel und unserem ungeborenen Kind.» Schöne Aussichten – für Callà, seinen Präsidenten und den ganzen FC Basel.

Lesen Sie den Verlauf der Partie von Minute zu Minute im Live-Ticker nach:

Matchtracker: FC Basel - GC

ScribbleLive: Basel - GC 02.05.15

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