Champions League

Ein weinendes Basler Auge, das schnell wieder trocken wurde

Nach einer starken Leistung müssen sich die Basler mit einer undankbaren 0:1-Niederlage gegen Real Madrid begnügen. Trotzdem kommen die Basler nun zu einer Finalissima in Liverpool, bei der ein Unentschieden zum Weiterkommen genügt.

Es ist dieser eine Moment, in dem klar wird, warum Karim Benzema bei Real Madrid spielt. Bei den Galaktischen, bei der besten Mannschaft der Welt. Es beginnt an der Aussenlinie, noch droht keine Gefahr. Doch plötzlich tritt Benzema an, streichelt den Ball in höchstem Tempo an Fabian Schär vorbei, läuft noch ein paar Meter und passt dann perfekt auf den linken Fuss von Ronaldo. Der muss den Ball nur noch über die Linie schieben, zweifellos eines der einfachsten Tore seiner Karriere. Entsprechend der Jubel: ein kurzer Hüpfer, der Dank an Benzema für die brillante Vorarbeit, mehr nicht. So richtig freuen kann sich Ronaldo, der Besessene, erst, wenn er in der Rangliste der erfolgreichsten Champions-League-Torschützen den ewigen Rivalen Lionel Messi überholt hat – Zwischenstand 71:74.

35 Minuten zuvor: Endlich, das Warten hat ein Ende. Real Madrid, der letzte Verein, der dem FC Basel in der Sammlung der Grossen noch gefehlt hat, betritt den St. Jakob-Park. Der Einmarsch der Gladiatoren wird umrahmt von einer fantastischen Choreografie der 36 000 Zuschauer. Egal, wie die Partie ausgeht: Eine magische Nacht, wie FCB-Trainer Paulo Sousa angekündigt hat, ist es jetzt schon.

Was, wenn Ramos vom Platz fliegt?

Schnell darf man auch festhalten: Untergehen wie beim 1:5 im Hinspiel wird der FCB dieses Mal nicht. Die Gäste haben von Beginn an zwar mehrheitlich den Ball, Lücken suchen sie im engmaschigen Abwehrnetz der Basler jedoch vergebens. Wenn man den Baslern in der ersten Halbzeit etwas ankreiden muss, sind es die vielen unnötigen Ballverluste. Denn wenn dieses Real eine Schwäche hat, dann ist es die Defensive mit den veralteten Aussenverteidigern Arbeloa und Coentrâo.

Nach dem Seitenwechsel haben die Basler den Respekt vor dem übermächtigen Gegner endgültig in der Kabine gelassen. Der FCB ist jetzt phasenweise gar spielbestimmend und kommt zu grossen Chancen.

Nach 67 Minuten hat das Publikum den Torjubel schon auf den Lippen. Doch Casillas-Stellvertreter Keylor Navas, dessen Stern an der WM im Nationaltrikot von Costa Rica aufging, kratzt Embolos Schuss von der Linie. Eine weitere hochkarätige Möglichkeit wird dem FCB vom serbischen Schiedsrichter Milorad Mazic genommen: Er hätte nach dem Handspiel von Sergio Ramos zwingend auf den Elfmeterpunkt zeigen und den Verteidiger mit Gelb-Rot vom Platz stellen müssen. Wer weiss, was für den entfesselten FCB in der Schlussphase möglich gewesen wäre.

Real sichert den Gruppensieg

Und Real? Das Starensemble verzichtet nach Ronaldos Führungstreffer auf die Kür. Es bleibt bei Bale’s Lattenschuss in der 75. Minute, in der das Starensemble sein Genie aufblitzen lässt. Das genügt, um vorzeitig den ersten Rang in der Gruppe B zu sichern.
Auch wenn das Endresultat etwas anderes suggerieren mag: Verlierer gab es am gestrigen Abend keine. Wer Real Madrid, das mit dem Selbstvertrauen von 14 Siegen in Serie und einem Schnitt von drei Toren pro Partie in die Schweiz gereist ist, eine Halbzeit ohne Gegentor abluchst, der darf sich als Sieger fühlen. Umso mehr, wenn man bedenkt, dass alleine die Transfersumme für Superstar Ronaldo das FCB-Budget bei Weitem übertrifft.

An der Ausgangslage für das letzte Gruppenspiel hat sich sowieso nichts verändert: Dem FCB reicht an der Anfield Road ein Unentschieden, um sich zum zweiten Mal in der Klubgeschichte für Achtelfinals zu qualifizieren.

Lesen sie den Kommentar zum Spiel von François Schmid-Bechtel.

Matchtracker: FC Basel - FC Aarau

Scribblelive Basel - Real Madrid

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