FC Aarau

Präsident Schmid: «Wir haben die Challenge League erneut unterschätzt»

Aaraus Präsident Alfred Schmid gibt Fehler zu.

Aaraus Präsident Alfred Schmid gibt Fehler zu.

Alfred Schmid, Präsident des FC Aarau, gibt im Interview Fehler zu und spricht über die ein Jahr anhaltende Resultatkrise des Super-League-Absteigers, das Missverständnis um Ex-Trainer Livio Bordoli und Übernahmeangebote für den FC Aarau.

Herr Schmid, wissen Sie, wie viele der vergangenen 36 Meisterschaftsspiele der FC Aarau gewonnen hat?

Alfred Schmid: Nein. Statistiken beleuchten die Vergangenheit. Ich schaue aber lieber nach vorne.

Nur fünf Mal hat der FC Aarau gewonnen. Wie gehen Sie mit dieser nun schon über zwölf Monate anhaltenden Krise um?

Das ist auch für mich keine einfache Situation. Rückschläge gibt es immer wieder im Leben. Wichtig ist, dass man daraus die richtigen Schlüsse zieht.

Wie analysieren Sie die aktuelle Lage?

Wir haben jetzt mit Marco Schällibaum den richtigen Trainer.

Was macht Sie so sicher?

Schällibaum bringt Erfahrung und das nötige Fachwissen mit. Er spricht Deutsch und andere Sprachen. Er wohnt nicht weit vom Brügglifeld. Und er hat ein gutes Beziehungsnetz.

«Ein Aufbäumen war da»: Cheftrainer Marco Schällibaum und Captain Sandro Burki zum Spiel FC Biel/Bienne - FC Aarau 3:1 (01.11.2015, Runde 14)

«Ein Aufbäumen war da»: Cheftrainer Marco Schällibaum und Captain Sandro Burki zum Spiel FC Biel/Bienne - FC Aarau 3:1 (01.11.2015, Runde 14)

Haben Sie sich während der vergangenen, schwierigen Monate die Sinnfrage je gestellt?

Natürlich sinniere ich permanent über die Situation beim FC Aarau. Schliesslich bin ich schon bald neun Jahre Präsident. Es wäre schön, den Klub wieder in die Super League zu führen. Belastend ist zudem, dass wir beim Stadionbau nicht wirklich vorwärtskommen. Was wiederum den Durchhaltewillen der Sponsoren arg strapaziert.

Sie halten also noch durch?

Ich bin gewählter Präsident bis Frühling 2017 und fühle mich verpflichtet, wie in den vergangenen neun Jahren, das Beste für den FC Aarau zu geben.

Wie konnte denn der FC Aarau als Absteiger so tief fallen?

Obwohl wir 2010 schon einmal abgestiegen sind, haben wir die Challenge League erneut unterschätzt. Trotzdem sind uns nicht allzu viele Fehler in der Kaderplanung unterlaufen. Über die Abgänge jener Spieler, die uns im Sommer verlassen haben, waren wir mit Ausnahme von Joël Mall nicht unglücklich. Einzig die Neuzugänge haben die Erwartungen bis jetzt nicht vollumfänglich erfüllt.

Wo kann man das Unterschätzen festmachen?

Im Offensivbereich hätten wir mehr tun müssen.

Also zu wenig Qualität im Angriff?

Ja, es sieht zurzeit so aus.

Die Stürmer Petar Sliskovic und Mart Lieder haben in dieser Saison noch nicht getroffen.

Das ist dramatisch. Deshalb werden wir versuchen, während der Winterpause die Offensive zu verstärken.

War man bei den Verpflichtungen von Sliskovic und insbesondere Lieder zu sorglos, zu ungeduldig?

Das kann sein. Da ist einerseits der Trainer, der sich in der Saisonvorbereitung beklagt, er hätte noch keine Stürmer. Damit bringt er die Klubführung unter Zugzwang. Und so kann es schon vorkommen, dass man in der Hektik zu schnell einen Stürmer verpflichtet.

Was bei der Kaderzusammenstellung schon seit Jahren versäumt wird: das Team mit mehr Temperament, mehr Reisser-Qualitäten zu verstärken.

Das stimmt, ist aber nicht immer einfach zu realisieren. Früher hatten wir einen Davide Callà, einen Artur Ionita oder einen Shkelzen Gashi, die ein Team mitreissen und Spiele entscheiden konnten.

Neustart beim FCA mit Trainer Marco Schällibaum

Neustart beim FCA mit Trainer Marco Schällibaum (22.10.2015)

Wie konnte es zum Missverständnis Livio Bordoli kommen?

Ohne die unglückliche Aktion seiner Lebenspartnerin (Red. sie beschimpfte auf Facebook die Aarau-Spieler, Anm. d. Red.) wäre es vielleicht anders rausgekommen. Aber spätestens seit dem Facebook-Post seiner Lebenspartnerin hat der Trainer Bordoli die Autorität in der Mannschaft verloren. Ausserdem konnte er sich auf Deutsch nicht präzise ausdrücken, was zu Missverständnissen geführt hat. Zusätzlich führten diverse kleine, aber wichtige Gründe dazu, dass die Zusammenarbeit nicht mehr funktionierte.

Bordoli soll nicht nur in Lugano das Klima vergiftet haben. Warum hat man sich vor der Verpflichtung nicht im Tessin über den Trainer erkundigt?

Wir hatten einen anderen Blickwinkel auf die Personalie Bordoli. Als wir früher schon mal an ihn herangetreten sind, lehnte er Verhandlungen ab, weil er noch unter Vertrag gestanden ist. Diese Haltung hat uns schon damals imponiert. Ausserdem ist er in der Zwischenzeit mit Lugano in die Super League aufgestiegen. Also dachten wir: Mit Bordoli verpflichten wir einen integren Trainer mit sportlichem Leistungsausweis.

Trotzdem: Warum haben Sie sich im Tessin nicht über Bordoli erkundigt?

Nach Trennungen ist es häufig der Fall, dass Aussagen von Ressentiments geprägt sind und so nicht aussagekräftig sind. Aber klar: Vielleicht würden wir es nächstes Mal anders machen.

Sie sprachen von Verstärkungen im Winter. Sind denn überhaupt die Mittel dafür vorhanden?

Beschränkt natürlich. Aber wir wollen mit dem Abstiegskampf definitiv nichts zu tun haben.

Hauptsponsor Zehnder steigt Ende Jahr aus. Wie gross ist Ihre Sorge?

Erst mal gilt es, der Zehnder Group Danke zu sagen, dass sie uns so lange unterstützt hat. Es ist gut denkbar, dass wir ab der Rückrunde je einen Trikot-Hauptsponsor für die Heim- und für die Auswärtsspiele haben.

Offenbar gibt es immer wieder Annäherungsversuche von ausländischen Investorengruppen, die beim FC Aarau einsteigen wollen.

Das stimmt. Die absolute Mehrzahl ist aber nicht mal prüfenswert, so unseriös wie die Investoren wirken.

Woher stammen denn diese Investoren?

Fast ausschliesslich aus Osteuropa. Aber so etwas kommt für uns nicht infrage. Ausserdem glaube ich nicht, dass unsere vielen Aktionäre überhaupt bereit sind, ihre Aktien einem unbekannten Investor zu veräussern.

Was wohl eine Frage des Preises und der Garantien des Investors ist.

Ich fühle mich verpflichtet, den Klub, die Aktionäre und alle unsere Fans vor einem zweiten Bulat Tschagajew (Red. der Tschetschene hat Xamax in den Konkurs getrieben) zu verschonen.

Haben Übernahmeangebote zugenommen, seit die Dritteigentümmerschaft an Fussballern verboten wurde? So bleibt Spielerhändlern nur noch die Beteiligung an einem Klub, um mit dem Handel von Fussballern grosse Kasse zu machen.

Sehen Sie? Auch deshalb sind solche Anfragen überhaupt nicht prüfenswert. Schliesslich kann es nicht sein, dass sich ein sogenannter Investor auf Kosten des FC Aarau bereichert, während die öffentliche Hand die Stadionkosten übernimmt.

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