Aargauer Derby

«Fusionieren mit dem Kantonsrivalen? Nie im Leben»

Warum nicht fusionieren? Trotz sportlicher und wirtschaftlicher Probleme stellen sich Aarau und Wohlen klar gegen eine Fusion der Vereine.

Warum nicht fusionieren? Trotz sportlicher und wirtschaftlicher Probleme stellen sich Aarau und Wohlen klar gegen eine Fusion der Vereine.

Der FC Aarau ist Tabellenletzter in der Challenge League. Der FC Wohlen hat nur sechs Punkte Vorsprung auf den Kantonsrivalen - und nebenbei strukturelle Probleme. Trotzdem: Sowohl in Aarau als auch in Wohlen wehrt man sich gegen eine Vereinigung.

Eins und eins gleich drei. Blödsinn? Nicht zwingend. Denn wer die Fusion zwischen den Eishockeyklubs Zürcher SC und Grasshoppers Zürich analysiert, kommt zu diesem Resultat. Der einst grosse ZSC mutierte in den 70ern zu einem Liftklub mit notorischen Geldsorgen. Die Grasshoppers hingegen waren zwar ein nobler Hockeyklub mit viel Geld (Walter Frey und Peter Spuhler), aber ohne Ausstrahlung.

Heute gehören die ZSC Lions zusammen mit dem SC Bern zu den grössten und mächtigsten Eishockey-Organisationen der Schweiz. Doch nicht jede Fusion ist auch nur annähernd so erfolgreich wie jene 1997. Wie das Beispiel des Zusammenschlusses des Internetdienstes AOL mit dem Medienkonzern Time Warner zeigt. Die Vereinigung vernichtet in acht Jahren mehr als 300 Milliarden Dollar Aktionärskapital.

Die Rivalitäten im Fussball

Eins und eins gleich drei. Nur, wenn es wie im Zürcher Eishockey optimal funktioniert. Doch sowohl beim FC Aarau als auch in Wohlen lautet der Tenor: «Fusion? Nie im Leben!»

Warum? «Man muss dieses Thema nicht mal andiskutieren. Denn keiner unserer Sponsoren würde eine Fusion unterstützen», sagt René Meier, die graue Eminenz beim FC Wohlen. «Wir sind zu klein, Aarau ist zu klein. Ein fusionierter Verein würde sich im Niemandsland wiederfinden. Ausserdem lebt der Fussball auch von Rivalitäten. Das werden Sie am Sonntag beim Derby erleben.»

Bitte mit einem Augenzwinkern betrachten: die Karikatur mit dem FCA und dem FCW als Protagonisten.

Bitte mit einem Augenzwinkern betrachten: die Karikatur mit dem FCA und dem FCW als Protagonisten.

Alfred Schmid, Präsident des FC Aarau, sagt: «Wir haben das Thema mit Wohlen schon mal diskutiert. Dabei sind wir zum Schluss gekommen, dass nicht mehr Geld generiert werden kann. Denn unsere Sponsoren sind auf den FC Aarau fokussiert. Es wäre schwierig, sie von einem Engagement für einen fusionierten Klub zu überzeugen.»

Aarau als grosser Investor

Hingegen arbeiten Aarau, Wohlen und Baden im Nachwuchsbereich eng zusammen. Bis und mit der U15 bildet jeder dieser Klubs seine Spieler selber aus. Ab der U16 werden die besten ins Team Aargau aufgenommen. 50 Prozent der Kosten für das Team Aargau werden durch Subventionen der Liga gedeckt. Den Rest teilen sich die drei Klubs.

Wobei Aarau etwa dreimal so viel investiert wie der FC Wohlen. Warum? «Weil die Spieler des Team Aargau einen Vertrag mit der FC Aarau AG abschliessen», sagt FCA-Vizepräsident Roger Geissberger. «Das bedeutet, dass der FC Aarau bei jedem Transfer eines Team-Aargau-Spielers partizipiert, wenn dieser noch nicht 23 ist. Selbst wenn der Spieler von Wohlen zu GC wechselt und nie in der ersten Mannschaft des FC Aarau gespielt hat.»

Niemand will Wohlens Partner sein

Zurück zum Thema: Wachstum, Synergieeffekte, aber auch Problemlösung sind die wichtigen Treiber für eine Fusion. Zumindest Probleme haben beide.

Der FC Wohlen hat in der letzten Saison über seinen Verhältnissen gelebt. Der Verdacht liegt nahe, dass man sich mit einer erfolgreichen, aber teuren Mannschaft auf dem Sponsoren- und Fussball-Markt als passable Braut präsentieren wollte.

Schliesslich liess Präsident Lucien Tschachtli zuvor durchblicken, dass man eine industrielle Kooperation anstrebe. Das heisst: Wohlen suchte einen Partnerklub, fand aber keinen. Das Resultat: 240'000 Franken Verlust, eine markante Budgetkorrektur auf die laufende Saison, weiterhin eine One-Man-Show im Verwaltungsrat (Tschachtli) und eine erfolglose Suche nach einem reichen Onkel.

«Es war eine schöne letzte Saison», sagt Meier. «Aber wir haben uns finanziell über dem Limit bewegt. Grundsätzlich müssen wir uns in Wohlen überlegen, ob wir den hohen Anforderungen, welche die Liga an einen Challenge-League-Klub stellt, weiterhin gerecht werden können. Schliesslich schreibt uns die Liga quasi vor, dass wir einen hauptamtlichen Goalietrainer brauchen. Aber das kostet.»

Im Winter will Aarau anpacken

Laut Vizepräsident Geissberger hat Aarau kein finanzielles, aber ein sportliches Problem. Aber dieses Problem will man nicht mittels Fusion, sondern aus eigener Kraft lösen. Im Hinblick auf die Rückrunde spricht Geissberger von zwei oder drei Verstärkungen für die Offensive, die ausserhalb des Budgets finanziert werden sollen.

Fusion und Verlustängste sind dicke Freunde. So gesehen ist es verständlich, dass man sowohl in Aarau als auch in Wohlen dem Thema mit Argwohn begegnet. Gleichwohl ist es bedauerlich, wenn man einer Fusion von vornherein keine Chance gibt. Wahrscheinlich muss erst einer der beiden Klubs grounden, ehe eine Fusion zum Thema wird.

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