FC Aarau

FCA-Geissberger: «Schällibaum ist keine Feuerwehrübung»

Interessierte Beobachter auf der Tribüne der Winterthurer Schützenwiese: Aaraus-Sportchef Raimondo Ponte (l.) mit dem neuen Trainer Marco Schällibaum.Freshfocus

Interessierte Beobachter auf der Tribüne der Winterthurer Schützenwiese: Aaraus-Sportchef Raimondo Ponte (l.) mit dem neuen Trainer Marco Schällibaum.Freshfocus

Nach dem grossen Warten ist es endlich geschafft: Marco Schällibaum verlässt Chiasso und unterschreibt beim FC Aarau mindestens bis Saisonende.

Am Mittwoch wird Marco Schällibaum erstmals das Training des FC Aarau leiten. Gestern hat er in einer Pizzeria in Winterthur unmittelbar vor dem Spiel seines neuen Klubs einen Vertrag unterschrieben. Dieser ist bis Saisonende datiert. Mit Option auf Verlängerung. Sowohl über den Inhalt der Option als auch die Ablösemodalitäten – Schällibaum war bis Samstag noch Trainer des FC Chiasso – nimmt der FC Aarau keine Stellung. «Wir haben Stillschweigen mit Chiasso vereinbart», sagt Vizepräsident Roger Geissberger. «Und die Option ist an Zielsetzungen gebunden, die wir nicht öffentlich kommunizieren wollen.»

Apropos Ablöse: Schällibaum hatte in seinem Vertrag mit Chiasso eine festgeschriebene Ausstiegsklausel von 30 000 Franken. Diese galt aber nur für einen Wechsel in die Super League. Frage an Geissberger: Wäre das Engagement Schällibaums für Aarau günstiger gewesen, wenn man noch in der Super League spielen würde? Der Vizepräsident schmunzelt und sagt bloss: «Es stand eine Null hinten dran.» Wahrscheinlich ist, dass Aarau zirka 30 000 Franken bezahlt hat.

Apropos Option: Man kann davon ausgehen, dass Schällibaum mit dem FC Aarau nicht den Aufstieg realisieren muss, damit sich sein Vertrag verlängert. Schliesslich hat Leader Lausanne schon zehn Punkte Vorsprung. Und Geissberger antwortete auf die Frage, welche Prognose er punkto Dauer der Zusammenarbeit mit Schällibaum mache: «Schällibaum ist keine Feuerwehrübung. René Weiler war zweieinhalb Jahre bei uns. Ich hoffe, dass Schällibaum mindestens so lange bei uns bleiben wird.» Heisst: Wenn Schällibaum die Mannschaft einigermassen wieder in die Spur führt, wird sich sein Vertrag automatisch verlängern.

Schon lange auf der Wunschliste

Aber warum Schällibaum? Präsident Alfred Schmid sagt: «Schällibaum war immer wieder mal auf unserer Liste.» Geissberger sagt: «Schällibaum ist unser Wunschkandidat. Aber gewiss nicht aus Mangel an Alternativen. Schällibaum ist ein hervorragender Kommunikator, der mehrere Sprachen beherrscht. Er bringt Erfahrung mit und trägt Emotionen in den Klub. Das ist genau das, was wir in unserer Situation jetzt brauchen.» Sportchef Raimondo Ponte flachste: «Als Schällibaum und ich letztmals gemeinsam bei einem Klub waren, holten wir 1983 das Double mit GC. Das ist doch ein gutes Omen.»

Apropos Weiler: Dieser war der letzte Trainer, den Aarau aus einem laufenden Vertrag engagiert hat. Und der finanzielle Kraftakt hatte sich ausbezahlt. Weiler stieg mit dem FC Aarau 2013 in die Super League auf und hielt den Klub auch in der höchsten Spielklasse. Eine ähnliche Performance erhofft man sich nun auch vom 53-jährigen Schällibaum.

Dieser sass gestern zusammen mit Schmid, Geissberger und Ponte auf der Tribüne der Winterthurer Schützenwiese. Was er beim 1:1 sah, gefiel ihm. «Die Mannschaft hat eine gute Einstellung gezeigt. Sie ist als Einheit aufgetreten, was nach den turbulenten Tagen mit der Freistellung von Trainer Livio Bordoli nicht selbstverständlich ist. Und man hat gesehen, dass in dieser Mannschaft Potenzial steckt. Erst recht, wenn man bedenkt, dass mit Perrier und Jaggy zwei wichtige Spieler gefehlt haben.» Reicht das Potenzial gar für ganz nach vorne? Schällibaum sagt bloss: «Der Trainer allein kann die Ziele nicht erreichen. Ich will erst die Mannschaft kennen lernen und dann zusammen mit ihr unsere Ziele definieren.»

Nach Spielschluss stellte sich Schällibaum kurz seinem neuen Team vor und fuhr danach zu seiner Familie nach Gelterkinden. In Chiasso jedenfalls lässt er sich vorerst nicht mehr blicken. Seinen kleinen Haushalt hat er aufgelöst. Ausserdem hat ihm die Klubleitung verboten, sich von den Spielern zu verabschieden. Das ist denn auch der einzige Wermutstropfen für Schällibaum.

Meistgesehen

Artboard 1