Stadion-Neubau

FC Aarau prüft Klage gegen Beschwerdeführer – das sagt der Baujurist

Geht der Beschwerdeführer bis vors Bundesgericht und erhält der FC Aarau dort recht, ist das neue Stadion im Torfeld Süd trotzdem erst 2020 bereit.

Geht der Beschwerdeführer bis vors Bundesgericht und erhält der FC Aarau dort recht, ist das neue Stadion im Torfeld Süd trotzdem erst 2020 bereit.

Der FC Aarau überlegt sich, den Anwohner, der das Stadionprojekt im Torfeld Süd blockiert, auf Schadenersatz zu verklagen. Weil der Verein befürchtet, wegen der Beschwerde einiges an Mindereinnahmen hinnehmen zu müssen.

Das neue Stadion im Torfeld Süd ist für den FC Aarau überlebenswichtig. Dies nicht nur, um die Lizenz für die Super League zu behalten, sondern auch aus finanziellen Gründen.

2,5 Millionen Mehreinnahmen bei 1,2 Millionen Mehrausgaben sieht der Businessplan für den Spielbetrieb im neuen Stadion vor. Dies macht 1,3 Millionen Franken pro Jahr, die dem FC Aarau in seiner Wahrnehmung ab 2016 fehlen, weil ein Anwohner den Bau mit einer Beschwerde verhindert. Daher prüft der FC Aarau nun rechtliche Schritte gegen den Beschwerdeführer.

Kosten wegen der Beschwerde

«Wir prüfen die Chancen einer Schadenersatz-Klage», sagt René Herzog, Stadionverantwortlicher im FCA-Verwaltungsrat. Herzog betont: «Es geht nicht nur um den berechneten Verlust, sondern auch darum, dass sich das Projekt verteuert, je später es gebaut werden kann.»

Für Roger Geissberger, Vizepräsident des FC Aarau, ist es «unverständlich und inakzeptabel, dass trotz der klaren Volksentscheide eine Einzelmaske das Projekt weiter blockiert». Geissberger findet es unzumutbar, dass ein Anwohner «ohne richtige Begründung ein Projekt verhindern kann». Er ergänzt: «Der Beschwerdeführer missachtet die Grundregeln der Demokratie.»

Der Anwohner, der sich gegen die geplante Mantelnutzung des Stadions wehrt, war am Montag für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Auch der Kontakt mit dem Aarauer Stadtrat gestaltet sich schwierig, wie Stadtpräsidentin Jolanda Urech sagt. «Es war nicht möglich ein substanzielles Gespräch über den Inhalt mit dem Beschwerdeführer zu führen.» Dagegen sei der VCS mit seinen konkreten Forderungen zum Stadion vorbildlich gewesen.

FC-Aarau-Präsident Alfred Schmid ärgert sich über den Beschwerdeführer. Umso mehr freut Schmid die Haltung der Bauherrschaft. «Die HRS glaubt trotz allen Hürden weiterhin an den Stadionneubau im Torfeld Süd», sagt der Präsident.

«Klage wäre abenteuerlich»

Dass sich der Beschwerdeführer von einer möglichen Klage beeindrucken lässt, scheint zweifelhaft. «Eine solche Klage wäre eher abenteuerlich und hätte kaum Chancen auf Erfolg», sagt Beat Ries, Rechtsanwalt mit Fachgebiet Bau- und Planungsrecht in Aarau. Solange der Beschwerdeführer den ordentlichen Rechtsweg nutze, sei dies zulässig – «auch wenn es für den FC Aarau ärgerlich sein mag, wenn sich das Stadionprojekt verzögert».

Ries hält fest: «Um tatsächlich Schadenersatz von einem Beschwerdeführer zu erhalten, müsste man ihm nachweisen, dass seine Beschwerde krass rechtsmissbräuchlich ist.» Dies könnte laut Ries zum Beispiel der Fall sein, wenn es ihm rein um die Verzögerung eines Projekts ginge, oder wenn er eine finanzielle Entschädigung anstrebt, damit er seine Beschwerde zurückzieht.

Dass die Chancen für eine Klage schlecht stehen, zeigt auch ein Präzedenzfall aus Zürich. Dort hatten in den 90er-Jahren Konkurrenten den Bau einer Apotheke mit Beschwerden angefochten und die Eröffnung verzögert.

Der Apotheken-Betreiber forderte Schadenersatz und erhielt vor Obergericht Recht. Das Bundesgericht entschied aber, die Nachbarn hätten keine aussichtslosen Rechtsmittel ergriffen und wies die Schadenersatzklage ab.

downloadDownloadpdf - 318 kB
Herr Geissberger, wer will dem FCA schaden?

Herr Geissberger, wer will dem FCA schaden?

Meistgesehen

Artboard 1