FC Aarau

Der überfällige Rücktritt des Urs Bachmann

Urs Bachmann hat als Sportchef einen Schlussstrich gezogen.

Urs Bachmann hat als Sportchef einen Schlussstrich gezogen.

Eigentlich hätte Urs Bachmann, der Sportchef des FC Aarau, diesen Schritt schon viel früher machen sollen. Doch der Knall kam erst am Freitagnachmittag. Nun stehen aber neue Fragen im Raum. Der Kommentar.

Auch das schlechteste Buch hat seine gute Seite: die Letzte! Urs Bachmann ist zurückgetreten. Damit reagiert der 62-jährige Sportchef des FC Aarau auf die harsche, ja teilweise gnadenlose Kritik, die seit der 1:5-Pleite in St. Gallen und dem Abstieg in die Challenge League Ende Mai dieses Jahres auf ihn niedergeprasselt ist.

Warum erst jetzt?

Der Sportchef hat also genug. Der Grossteil der Fans und Sympathisanten des Klubs auch! Es ist unverständlich, dass Bachmann nicht früher die Konsequenzen aus den Misserfolgen der vergangenen Monate gezogen hat. Dass der Verwaltungsrat mit Präsident Alfred Schmid und Vizepräsident Roger Geissberger an der Spitze versucht hat, Bachmann in den schwierigen Zeiten den Rücken zu stärken, ist aller Ehren wert.

Aber der Profifussball funktioniert nun mal nicht wie ein Ponyhof oder ein Streichelzoo. Bachmann ist alt und erfahren genug, um zu wissen, dass er spätestens nach dem Abstieg im Frühling aus eigenem Antrieb hätte zurücktreten müssen.

Bachmanns Mixtur ging nicht auf

Das tat Bachmann aber nicht. Er gab sich kämpferisch und bastelte im Hinblick auf die Saison 2015/16 an einer Mannschaft, die gut genug sein sollte, um an der Spitze der Challenge League mitzumischen. Der Schuss aber ging nach hinten los.

Bachmann holte einen nicht fitten Brasilianer namens Carlinhos, der nicht eine Minute im Probetraining war. Bachmann sagte Ja und Amen zu einem holländischen Stürmer namens Mart Lieder, obwohl sich im Sportausschuss Widerstand gegen diese Verpflichtung breitmachte. Und als Trainer Livio Bordoli den Spielern nach dem 0:1 in Schaffhausen das Wochenende frei gab, schaute Bachmann nur zu.

2014 fing der Sinkflug an

Bachmann war während fünf Jahren und acht Monaten als Sport-Koordinator und Sportchef des FC Aarau tätig. Es war Bachmanns Glück, dass er mit René Weiler von April 2011 bis Ende Saison 2013/14 eine starke Trainer-Persönlichkeit mit einem guten Beziehungsnetz an seiner Seite hatte. Die Verpflichtung des auf diesem Niveau unerfahrenen Trainers Sven Christ vor der Saison 2014/15 war der Anfang vom Ende von Quereinsteiger Bachmann. Nun war er auf sich allein gestellt. Und hat versagt.

Bleibt ein Blick in die Zukunft: Der Rücktritt von Bachmann macht nun den Weg frei für Raimondo Ponte. Eine Frage aber bleibt: Was macht der Präsident? Alfred Schmid sagte mir unlängst in einem Gespräch: «Solange ich Präsident des FC Aarau bin, bleibt Urs Bachmann Sportchef.» Nimmt Schmid als Nächster den Hut?

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