FC Aarau

Bachmanns 30-Sekunden-Anruf: «Jetzt hast du erreicht, was du wolltest»

Ein Herz und eine Seele: Aaraus Präsident Alfred Schmid (links) und sein bisheriger Sportchef Urs Bachmann.

Ein Herz und eine Seele: Aaraus Präsident Alfred Schmid (links) und sein bisheriger Sportchef Urs Bachmann.

Urs Bachmann ist sauer, Alfred Schmid macht die Aargauer Zeitung verantwortlich für den Rücktritt seines Freundes. Eine Nachbetrachtung der Geschehnisse nach dem Abgang von Aaraus Sportchef Urs Bachmann.

Urs Bachmann meldet sich. Der Anruf dauert keine 30 Sekunden. «Jetzt hast du erreicht, was du wolltest», poltert der kurz zuvor zurückgetretene Sportchef des FC Aarau. Auf eine Antwort wartet er nicht.

Das Gespräch mit Alfred Schmid dauert nicht viel länger. Er lässt seinem Frust freien Lauf, kanzelt mich ab und macht mich verantwortlich für den Rücktritt von Bachmann. «Es kann doch nicht sein», sagt der Präsident des FC Aarau, «dass die ‹Aargauer Zeitung› als Premiumsponsor des FC Aarau ein Mitglied der Führungscrew so heftig kritisiert und mit der Berichterstattung der vergangenen Tage praktisch zum Rücktritt auffordert.»

Kein Zweifel; Emotionen gehören zum Fussball. Kraftausdrücke auch, aber so heftig? Beim FC Aarau haben sich am vergangenen Freitag die Ereignisse überstürzt. Der langjährige Sportchef Urs Bachmann gab während eines Lunchs der Sponsorenvereinigung «Club 100» seinen Rücktritt bekannt. Er überraschte mit dieser Entscheidung fast alle. Der 62-jährige Bachmann macht also den Weg frei für einen neuen Sportchef. Für einen Sportchef, der schnellstmöglich Resultate liefern muss. Resultate in Form eines Transfers von mindestens einem Stürmer mit Torinstinkt.

Freundschaftlich verbunden

Der Rücktritt von Bachmann ist von der menschlichen Seite her betrachtet bedauerlich. Schmid und Bachmann sind Freunde. Sie übernahmen 2007 gemeinsam das Zepter beim FC Aarau. Für sie war klar, dass sie gemeinsam kommen und gemeinsam gehen. Das betonten sie zuletzt immer wieder. Mit dem Rücktritt von Bachmann als Sportchef und Mitglied des Sport-Ausschusses bricht vor allem für Schmid eine Welt zusammen. Schmids Zitat «Solange ich Präsident bin, bleibt Urs Bachmann Sportchef», spricht Bände.

Ich kenne Alfred Schmid seit knapp zehn Jahren. Uns verbindet ein kollegiales Verhältnis. In der Regel trinken wir alle zehn Tage einen Kaffee zusammen, sprechen über den FC Aarau und über Gott und die Welt. Wir klopfen Sprüche und lachen darüber. Fredi hat mir in der Vergangenheit die eine oder andere Geschichte gesteckt. Dafür bin ich ihm dankbar. Ich glaube, dass ich ihn sowohl als Präsidenten als auch als Menschen gut einschätzen kann.

Ich weiss, was in ihm vorgeht. Schmid denkt nach dem Knaller mit Bachmann ebenfalls an Rücktritt. Das ist aber nicht erst seit Freitag so. Die sportlichen Misserfolge mit den zwei Abstiegen 2010 und 2015 und die dauernden Verzögerungen mit dem Bau des neuen Stadions nagen an Schmid. Mehr noch. Wäre Schmid nicht ein Ehrenmann, so hätte er längst den Rücktritt gegeben. Weil ihm der FC Aarau am Herzen liegt, macht er weiter. Immer weiter. Immer weiter.

Nichts gegen einen geeigneten Nachfolger

Immer weiter? Schmid hat mir in persönlichen Gesprächen stets gesagt, dass er einem geeigneten Nachfolger nicht im Weg stehen würde. Schmid würde für den FC Aarau alles machen, spürt aber mehr und mehr, dass er an Grenzen stösst.

Es ist vor allem die Stadionfrage, die ihn zermürbt. So gesehen wäre es für den langjährigen Präsidenten wohl besser, wenn er die Suche nach einem Nachfolger forcieren würde. Es wäre für ihn und seine Familie eine grosse Entlastung. Damit fordere ich Fredi nicht etwa auf, zurückzutreten. Nein! Aber langfristig könnte ein neuer Mann an der Spitze des FC Aarau für frischen Wind sorgen. Bleiben die Fragen: Gibt es einen Besseren als Schmid? Und wo ist der Mann, der einen Fussballklub führen will, der sportlich auf Talfahrt ist, seit Jahr und Tag auf Sparflamme kocht und kein richtiges Zuhause hat?

Meistgesehen

Artboard 1